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Heftige Spekulationen über das vorläufige Ende des Portals

kreuz.net am Ende?

Ab dem 2. Dezember 2012 war das extremistische Internetportal kreuz.net offline. Eine Initiative homosexueller Männer namens "Stoppt kreuz.net" verbucht die Abschaltung als Erfolg für sich.

Von Gabriele Höfling |  Bonn - 03.12.2012

Der Berliner Bruno Gmünder Verlag startete die Initiative "Stoppt kreuz.net" und lobte ein "Kopfgeld" von 15.000 Euro auf Informationen darüber aus, wer für das Portal schreibt. Und auch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) distanzierte sich – wie schon zuvor mehrfach geschehen – mit deutlichen Worten von dem Portal. Nun ist die Seite offline.

Wikipedia-Eintrag ist schon geändert

Wie verschiedene Medien übereinstimmend berichten, soll die Seite seit dem gestrigen Sonntag, 1:00 Uhr nicht mehr erreichbar gewesen sein. Das ist auch noch eineinhalb Tage später der Fall. Wer die Adresse im Browser eingibt, erhält eine Fehlermeldung. "Website nicht verfügbar" heißt es da, verbunden mit einem Hinweis, dass die angefragte Homepage "möglicherweise vorübergehend deaktiviert oder dauerhaft an eine neue Webadresse verschoben worden" sei. Auch der Wikipedia-Eintrag zu kreuz.net wurde schon geändert. Von dem Portal wird dort nur noch in der Vergangenheitsform gesprochen: "kreuz.net war ein deutschsprachiges, anonymes Blog mit religions- und kirchenbezogenen Texten…", so beginnt der Eintrag inzwischen. Aus bisher unbekannten Gründen sei das Portal seit dem 2.12.2012 offline, heißt es wenig später.

Gegenüber katholisch.de äußerte sich DBK-Sprecher Matthias Kopp zurückhaltend über das mögliche Ende des Portals: "Die angebliche Abschaltung von kreuz.net kommentieren wir nicht. Auch wenn kreuz.net abgeschaltet wäre, werden wir weiter daran arbeiten, die Macher zu enttarnen."

Im Netz und in den Medien wird dagegen heftig spekuliert: Die Initiative "Stoppt kreuz.net" des auf Medien für homosexuelle Männer spezialisierten Bruno Gmünder Verlags verbucht den Erfolg auf ihrer Webseite zum Teil für sich. Der Aktion sei es gelungen, "der Öffentlichkeit die Gefährlichkeit dieser Hassseite zu vermitteln", heißt es: "Den Machern und Zuträgern scheint es inzwischen zu riskant, weiterhin aus der Anonymität gegen Homosexuelle, Juden, Politiker, weltoffene Katholiken und Journalisten zu hetzen", mutmaßt die Initiative. Der Theologe David Berger, der die Aktion koordiniert, ist dennoch skeptisch, ob kreuz.net endgültig aus dem Netz verschwunden ist: "Es ist durchaus möglich, dass sich die Hassseite strategisch für einige Wochen ins Off zurückzieht, um – wenn der in den letzten Tagen intensivere Sturm vorüber ist – neu aufzutauchen".

Heftige Spekulationen

Auch zahlreiche Medien spekulieren über das Verschwinden der Seite: "Grund könnte ein Hackerangriff sein oder, was wahrscheinlicher ist, die anonymen Betreiber haben sie zumindest vorübergehend aufgegeben", schreiben etwa die Autoren Rudolf Neumaier und Frederik Obermaier auf Süddeutsche.de. Und auf Spiegel-Online ist zu lesen: "Vieles deutet auf einen Rückzug der Macher hin: Sie müssen ihre Enttarnung fürchten".

Gegenüber dem österreichischen Sender ORF kritisierte gestern der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, kreuz.net scharf. Wie auf der Homepage des Senders zu lesen ist, sagte Müller, Kritik an Personen habe immer auf Grundlage und im Rahmen der Menschenwürde zu geschehen. Die Art und Weise, in der kreuz.net jedoch Menschen diffamiere, habe nichts mit der katholischen Kirche in Deutschland zu tun.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte sich bereits mehrfach mit deutlichen Worten von dem Portal distanziert: "Der Begriff des Katholischen wird von dieser Internetseite grob missbraucht", sagte Sprecher Matthias Kopp nach dem Tod Dirk Bachs gegenüber katholisch.de. "Die Seite hat mit der katholischen Kirche in Deutschland nichts zu tun."

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Auch auf Twitter ist kreuz.net seit gestern ein großes Thema. Viele der Kommentare begrüßen die Abschaltung: "Hoffentlich für immer > Die hetzerische Website #kreuznet ist offline", lautet etwa eine Kurznachricht. Ein anderer Nutzer schreibt: "Ist das die Sensation schlechthin zum 1. Advent und der Erfolg der Aufklärungskampagne gegen #kreuznet #kreuz_net ? Seite komplett weg!".

Gegen die Seite hatten zuletzt die Berliner und die Wiener Staatsanwaltschaft ermittelt. Sie stand unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, der sie als teilweise antisemitisch und muslimfeindlich bewertete. Etliche Beiträge seien nicht vom Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt und überschritten "die Grenzen zur Strafbarkeit", hieß es beim Verfassungsschutz. Bislang war es schwer, von Deutschland aus rechtliche Schritte gegen das Portal einzuleiten, da im Impressum eine Adresse in den USA angeben ist. Die Anbieter konnten bisher nicht ermittelt werden.

Von Gabriele Höfling