Kurienkardinal: Option verheirateter Priester prüfen
Präfekt der Kleruskongregation spricht von "sakramentalem Notstand"

Kurienkardinal: Option verheirateter Priester prüfen

Was tun in Gegenden, in denen die Eucharistiefeier wegen des Priestermangels ausfällt? Dort müsse man darüber nachdenken, ältere verheiratete Männer zu Priestern zu weihen, sagt Kurienkardinal Beniamino Stella.

- 22.01.2018

Der Präfekt der vatikanischen Kleruskongregation, Beniamino Stella, will die Weihe von bewährten verheirateten Männern zu Priestern in bestimmen Regionen als mögliche Option prüfen. Angesichts der rückläufigen Zahl der Berufungen und eines "sakramentalen Notstands" in manchen Weltgegenden müsse "zumindest für einige sehr isolierte Gemeinschaften die Möglichkeit in Erwägung gezogen werden, die Evangelisierung und die Feier der Sakramente "Viri probati" anzuvertrauen", sagt der Kurienkardinal in einem neuen Interview-Buch. Als Beispiele nennt Stella laut dem Internetprotal "Vatican Insider", das am Montag Auszüge aus dem Buch vorab veröffentlichte, Amazonien und "einige entlegene Pazifik-Inseln".

Es gehe darum, "die verschiedenen Möglichkeiten sorgfältig und ohne Scheuklappen und ohne Rigidität zu bewerten", so der italienische Kardinal und Papstvertraute. Die Diskussion über dieses Thema habe jedoch gerade erst begonnen. Stella äußert sich in dem Buch "Alle Männer von Franziskus" des italienischen Fernsehjournalisten und Vatikan-Experten Marchese Ragona, das in diesen Tagen in Italien erscheint.

Zugleich betont Stella, dass eine grundsätzliche Abschaffung des verpflichtenden Zölibats nicht zur Disposition stehe. Der Vorschlag, bewährte verheiratete Männer (viri probati) zu Priestern zu weihen, bedeute kein Votum für eine nur noch freiwillige Ehelosigkeit von Priestern, so Stella. Das Thema werde oft instrumentalisiert und ideologisch aufgeladen.

Stella bringt außerdem den Vorschlag von Teilzeit-Priestern ins Gespräch. Für eine Priesterweihe könnten "alte Männer" aus den Gemeinden in Betracht kommen, die weiter mit ihrer Familie zusammenlebten und ihrem angestammten Beruf nachgingen. Diese könnten eine auf ihr Umfeld angepasste Ausbildung erhalten und dann der Eucharistiefeier vorstehen sowie die Versorgung mit weiteren Sakramenten gewährleisten. Stella verwies darauf, dass man mit dem Vorschlag einer Weihe von "Viri probati" wieder zu den Anfängen der Kirche zurückkehre.

Bild: © KNA

Brachte die "Viri probati" schon vor längerer Zeit als Lösung für entlegene Regionen wie das Amazonas-Gebiet ins Gespräch: der aus Österreich stammende Bischof Erwin Kräutler. Er war von 1981 bis 2015 Bischof und Prälat von Xingu, der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens.

Bereits seit längerem wird spekuliert, dass die Zulassung von "Viri probati" Thema der Amazonas-Synode sein könnte, die Franziskus für Oktober 2019 im Vatikan einberufen hat. Auslöser war eine Äußerung von Amazonas-Bischof Erwin Kräutler nach einem Gespräch mit Franziskus im April 2014. Der aus Österreich stammende Bischof sagte damals, der Papst habe um "mutige und couragierte" Lösungsvorschläge der Brasilianischen Bischofskonferenz für die Seelsorge im Amazonas-Gebiet gebeten. Ein Vorschlag werde gewiss sein, "dass man Zölibat und Eucharistiefeier entkoppelt".

Franziskus selbst hatte im März 2017 im Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" erklärt: "Wir müssen darüber nachdenken, ob 'Viri probati' eine Möglichkeit sind. Dann müssen wir auch bestimmen, welche Aufgaben sie übernehmen können, zum Beispiel in weit entlegenen Gemeinden." Es gehe "der Kirche stets darum, den richtigen Augenblick zu erkennen, wann der Heilige Geist nach etwas verlangt", so der Papst.

Papst: Ehelosigkeit keine freie Entscheidung

Zugleich wandte sich Franziskus gegen den Vorschlag, die Ehelosigkeit der Priester einer freien Entscheidung der Kandidaten zu überlassen. Immer wieder werde über den freiwilligen Zölibat gesprochen, vor allem dort, wo es an Klerus mangele, so Franziskus. "Doch der freiwillige Zölibat ist keine Lösung."

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hatte sich für eine Diskussion über die Zulassung von "Viri probati" ausgesprochen. Diese müsste einmal gründlich durchdacht und "in der ganzen Bandbreite" der Problematik besprochen werden, sagte er im November 2017.

Die Forderung nach einer Ausnahmeregelung für "Viri probati" wird in der katholischen Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 - 1965) immer wieder erhoben. Die katholische Kirche lässt verheiratete Priester bislang nur in zwei Ausnahmefällen zu: als Priester einer katholischen Ostkirche und als Priester, die als verheiratete Pfarrer aus einer evangelischen oder anglikanischen Kirche übergetreten sind. (tja)