Der brasilianische Professor Leonardo Boff ist einer der bekanntesten Vertreter der "Theologie der Befreiung"
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Befreiungstheologe für theologisches und ökologisches Wirken ausgezeichnet

Leonardo Boff mit Weizsäcker-Medaille geehrt

Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff hat in Berlin die Carl Friedrich von Weizsäcker-Medaille erhalten. Er wurde für sein "Eintreten für eine wohlverstandene Befreiungstheologie" geehrt.

Berlin - 27.11.2016

Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff hat die Carl Friedrich von Weizsäcker-Medaille erhalten. Die nach dem Physiker, Philosophen und Friedensforscher Carl Friedrich von Weizsäcker (1912-2007) benannte Gesellschaft zeichnete ihn am Sonntag in Berlin "für sein entschiedenes Eintreten für eine wohlverstandene Befreiungstheologie" sowie eine "Ethik der Moderne" aus. In die Medaille ist der Schriftzug eingeprägt: "Dem Theologen und Ökologen, der den Schrei der Erde und der Armen gehört hat." Die Ehrung ist mit einem Preisgeld von 10.000 Euro verbunden.

In seiner Laudatio betonte der Mainzer Sozialethiker Gerhard Kruip, Boff sei wie Weizsäcker einer der wenigen, die Wissenschaft, Religion und Politik in ihrem Werk zusammengeführt hätten. Boff gehöre zu den "Pionieren und herausragenden Vertretern" der Theologie der Befreiung, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Lateinamerika entwickelt wurde. In seinem Engagement für unterdrückte und ausgebeutete Menschen gehe er nicht nur von der biblischen Botschaft, sondern auch von den alltäglichen Erfahrungen aus.

"Grandiose Offenheit und Weite in seinem Denken"

Boff habe eine "grandiose Offenheit und Weite in seinem Denken", wenn er sich auch mit moderner Physik und Ökologie beschäftige, sagte Kruip weiter. So habe er mit dazu beigetragen, "dass die Weltklimakonferenzen keine Misserfolge wurden". Der Sozialethiker kritisierte, dass die zeitweiligen Disziplinarmaßnahmen, die der Vatikan in den 1980er Jahren gegen Boff verhängt hatte, eine Weiterentwicklung der Befreiungstheologie "massiv behindert" hätten.

In seiner Dankesrede wies Boff den Vorwurf zurück, die Theologie sei marxistisch geprägt. "Karl Marx war weder Vater noch Pate", betonte er, die Inspiration dazu sei von Jesus Christus und den biblischen Propheten gekommen. Die christliche Botschaft vom gütigen Gott sei nur glaubwürdig, wenn sie mit dem Kampf gegen die Ausbeutung der Armen und die "Ausplünderung der Natur" verbunden werde. In dieser Perspektive sei Papst Franziskus ein Vertreter der Befreiungstheologie, auch wenn er den Begriff nicht ausdrücklich verwende, betonte Boff. (KNA)