Live: Gemeinsam für den Frieden
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Der dritte Tag der Papstreise im Liveticker auf katholisch.de

Live: Gemeinsam für den Frieden

Gemeinsam mit Patriarch Bartholomaios I. hat Papst Franziskus zum Frieden aufgerufen. Der dritte Tag der Papstreise im Liveticker.

Bonn/Istanbul - 30.11.2014

16.25 Uhr: Papst beendet Türkeireise

Papst Franziskus hat seine dreitägige Türkei-Reise beendet. Am Sonntagabend startete er mit einem Airbus der italienischen Alitalia vom Atatürk-Flughafen in Istanbul zurück nach Rom. Dort wird er gegen 18.40 Uhr auf dem Flughafen Ciampino erwartet.

Franziskus hatte seinen Besuch am Freitag in der türkischen Hauptstadt Ankara begonnen und war zunächst mit Präsident Recep Tayyip Erdogan zusammengetroffen. Am folgenden Tag flog er weiter nach Istanbul, wo er erstmals in seiner Amtszeit als Papst eine Moschee besuchte und dort betete. Weitere Höhepunkte waren seine Begegnungen mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I. (KNA)

15.20 Uhr: Papst spricht Flüchtlingen Mut zu

Papst Franziskus hat zum Abschluss seiner Türkeireise jungen Flüchtlingen aus Kriegsgebieten wie Syrien und dem Irak Mut zugesprochen. Zugleich appellierte er bei dem Treffen am Sonntag in der Heilig-Geist-Kathedrale in Istanbul an die internationale Gemeinschaft, gemeinsam verstärkt gegen die Ursachen von Flucht und Vertreibung vorzugehen. "Ich rufe dringend zu einer größeren internationalen Übereinstimmung auf zu dem Zweck, die Konflikte zu lösen, die eure Herkunftsländer mit Blut beflecken, den anderen Ursachen entgegenzuwirken, die die Menschen dazu drängen, ihre Heimat zu verlassen, und die Bedingungen zu fördern, die ihnen ermöglichen, zu bleiben oder zurückzukehren." Oft müssten Flüchtlinge unter unerträglichen Bedingungen leben.

Die emotionale Begegnung in der Heilig-Geist-Kathedrale dauerte etwa eine halbe Stunde. Die rund 100 Flüchtlinge aus dem Irak, Syrien und anderen Krisengebieten sangen ein Lied für Franziskus auf Englisch, Arabisch und Spanisch. Eine junge Frau schilderte dem Kirchenoberhaupt die Lage verfolgter Christen im Irak. Unter den Jugendlichen waren auch Muslime. Nach dem rund 30-minütigen Treffen besuchte Franziskus noch den armenischen Patriarchen Mesrop Mutafyan im Krankenhaus, ehe er die Heimreise nach Rom antrat.

"An die politischen Führer wende ich mich, damit sie berücksichtigen, dass die große Mehrheit ihrer Bevölkerungen sich nach Frieden sehnt, auch wenn sie manchmal nicht mehr die Kraft und die Stimme hat, ihn zu fordern!", betonte der Papst. Den türkischen Verantwortlichen dankte er für ihre Bemühungen um irakische und syrische Flüchtlinge. "Ich wünsche mir, dass die nötige Unterstützung auch seitens der internationalen Gemeinschaft nicht fehlt", appellierte der Papst. Die Kirche werde weiter an der Seite der Flüchtlinge stehen und deren Anliegen vor der Welt vertreten. (som/dpa)

13.00 Uhr: Kirchenoberhäupter rufen Muslime zum Kampf gegen Gewalt auf

Papst Franziskus und der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., haben die Muslime weltweit zum gemeinsamen Kampf gegen Gewalt im Namen des Glaubens aufgerufen. "Wir dürfen uns nicht mit einem Nahen Osten abfinden, in dem keine Christen mehr leben, die dort seit 2.000 Jahren den Namen Jesu bezeugt haben", heißt es in einer ökumenischen Erklärung, die die beiden Oberhäupter von 1,5 Millarden Christen am Sonntag in Istanbul unterzeichneten. Tragischerweise sei aber Gleichgültigkeit gegenüber der Gewalt und der massenhaften Vertreibung von Christen aus dem Irak und Syrien weit verbreitet.

Muslime und Christen müssen nach den Worten der Erklärung gemeinsam gegen die Gewalt angehen. "Wir appellieren an alle religiösen Führer, den interreligiösen Dialog einzuschlagen und zu stärken und alles für die Entstehung einer Kultur des Friedens und der Solidarität zwischen Menschen und Völkern zu tun." Ein respektvoller Dialog zwischen den beiden Religionen könne auf gemeinsamen Werten und brüderlichen Gefühlen aufbauen. Außerdem litten im Nahen Osten auch Muslime unter dem Horror des Krieges.

Ihren Appell richteten der Papst und der Patriarch überdies an die gesamte internationale Gemeinschaft. Die schreckliche Lage der Christen und aller Leidenden im Nahen Osten rufe nach der Solidarität aller Menschen guten Willens und einer "angemessenen Antwort", heißt es.

Das Dokument geht auch auf den Konflikt in der Ukraine ein, "einem Land mit uralter christlicher Tradition". Auch hier müsse es zu einem Dialog beider Seiten kommen. Ohne eine der Konflktparteien namentlich zu erwähnen, wird ausdrücklich eine "Respektierung des Völkerrechts" verlangt, ohne den die Auseinandersetzung nicht beendet werden könne. Alle Ukrainer müssten in Harmonie leben können. (KNA)

11.50 Uhr: Gemeinsam für den Frieden

Papst Franziskus und der orthodoxe Patriarch Bartholomäus wollen angesichts der zahlreichen Krisen in der Welt gemeinsam für Frieden eintreten. "Die Stimme der Opfer der Konflikte drängt uns, zügig auf dem Weg der Versöhnung und Gemeinschaft zwischen Katholiken und Orthodoxen weiterzugehen", sagte der Argentinier in seiner Ansprache bei der Feier des orthodoxen Andreasfests am Sonntag in Istanbul. Bartholomäus ergänzte: "Wir können uns den Luxus eines isolierten Handelns nicht mehr leisten."

Der Patriarch erklärte, die christliche Botschaft der Liebe sei der einzige Weg in eine gerechte und friedliche Zukunft. Wissenschaft, Politik und Technik allein könnten ihn allein nicht bewältigen. Er erinnerte zudem daran, dass Christen aller Konfessionen heute im Nahen Osten das gleiche Schicksal der Verfolgung erlitten. Im Martyrium sei die volle Kirchengemeinschaft in manchen Gegenden schon erreicht. (som/KNA/dpa)

11.45 Uhr: Papst und Patriarch bekunden Willen zur Kircheneinheit

Papst Franziskus und der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., haben in Istanbul gemeinsam das orthodoxe Andreas-Fest gefeiert. Bei der Liturgie in der Istanbuler Georgskathedrale bekräftigten sie am Sonntag ihren Willen, den Weg zur vollen Gemeinschaft ihrer Kirchen weitergehen zu wollen. Eine gemeinsame Feier der Eucharistie bleibe das ersehnte Ziel der Anstrengungen.

Franziskus hob hervor, volle Kirchengemeinschaft bedeute nicht, einander zu unterwerfen oder sich den anderen einzuverleiben. Die katholische Kirche stelle keine Forderung als die, den gemeinsamen Glauben zu bekennen. Es sei "von größter Bedeutung, das überreiche Erbe der orientalischen Kirche zu erhalten und zu fördern - nicht nur das, was sich auf die liturgischen und geistlichen Traditionen bezieht, sondern auch auf die von den heiligen Vätern und den Konzilien gebilligten Ordnungen, die das Leben dieser Kirche regeln", so der Papst.

Der Papst wie auch der Patriarch erinnerten an die Begegnung ihrer Vorgänger Paul VI. (1963-1978) und Athenagoras (1948-1972) vor 50 Jahren in Jerusalem. Damit, so Bartholomaios I., habe ein Dialog begonnen, der heute unter Geschwistern, nicht mehr Gegnern, geführt werde; "ein womöglich langer und zuweilen schwieriger Weg, der allerdings unumkehrbar ist", sagte der Patriarch. Er wünsche sich einst ein neues großes ökumenisches Konzil, sobald die volle Kircheneinheit erreicht sei. Nach der Messe unterzeichneten der Papst und der Patriarch eine gemeinsame ökumenische Erklärung. (KNA)

09.00 Uhr: Presseschau zu Papstreise

Die Momente der Andacht von Papst Franziskus in der Blauen Moschee von Istanbul haben am Sonntag die Berichtererstattung der türkischen Presse über den Papstbesuch geprägt. Viele Zeitungen druckten Bilder des betenden Papstes in der Moschee auf der Titelseite ab. Einige Blätter gingen auf die Diskussion ein, ob es sich beim Innehalten von Franziskus in dem muslimischen Gotteshaus um ein echtes Gebet handelte oder nicht.

"Das Gebetsrätsel des Papstes", titelte die bürgerliche Zeitung "Milliyet" in Anspielung auf die Erklärung des Vatikan, der Papst habe in einem Moment der stillen Anbetung verharrt. Dagegen habe der Istanbuler Mufti Rahmi Yaran von einem Gebet gesprochen. Andere Blätter mutmaßten, Franziskus und Yaran hätten gemeinsam für den Frieden in Nahost gebetet.

Mehrere Zeitungen würdigten das respektvolle Verhalten des Papstes in der Blauen Moschee. "Hürriyet" berichtete, Franziskus habe seinen Besuch in der Blauen Moschee eigens vorgezogen, um das Mittagsgebet der Muslime nicht zu stören. In der regierungsnahen "Türkiye" hieß es, der Papst habe Mufti Yaran ausdrücklich um die Erlaubnis gebeten, in der Moschee beten zu dürfen.

Auch das Fahrzeug, mit dem sich der Papst durch Istanbul bewegte, erregte das Interesse der Zeitungen. Die Fahrzeuge der türkischen Sicherheitsleute, die den kleinen Wagen des Papstes in Istanbul umringten, seien wesentlich teurer als das Fahrzeug, in dem das Oberhaupt der katholischen Kirche saß, merkt die Boulevardzeitung "Posta" an.

Die Begegnung des Papstes mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. war ebenfalls Thema. Die beiden Kirchenmänner hätten sich in Istanbul umarmt, berichtete die regierungsnahe Zeitung "Star". In der regierungskritischen "Bugün" war von einem "historischen Treffen" von Papst und Patriarch die Rede. Die ebenfalls regierungskritische "Taraf" strich heraus, dass der Papst vor allem auf Einladung von Bartholomaios I. in die Türkei gekommen sei. (KNA)

08.50: Papst feiert Andreasfest

Papst Franziskus feiert zum Abschluss seines Türkei-Besuchs mit dem Patriarchen Bartholomäus das orthodoxe Andreasfest. Die beiden Kirchenführer nehmen am Sonntagmorgen in der Patriarchatskirche St. Georg in Istanbul gemeinsam an der göttlichen Liturgie teil, die eine wichtige Rolle in der orthodoxen Kirche spielt. Der Papst und der Ehrenvorsitzende von weltweit 300 Millionen Orthodoxen haben sich seit dem Amtsantritt von Franziskus bereist mehrmals getroffen, um die Überwindung der seit fast 1000 Jahren andauernden Kirchenspaltung voranzutreiben. Nach der Feier sollten Franziskus und Bartholomäus vom Balkon des Patriarchats aus den Segen erteilen und eine gemeinsame Erklärung unterschreiben. (dpa)

08.15 Uhr: Papst trifft Großrabbiner

Zum Auftakt des letzten Tages seiner Türkei-Reise ist Papst Franziskus mit dem türkischen Großrabbiner Ishak Haleva zusammengekommen. Die beiden Männer trafen sich am Sonntagmorgen in Istanbul. Vatikansprecher Federico Lombardi bezeichnete das rund 15-minütige Treffen am Sonntagmorgen anschließend als einen herzlichen Dialog. Die beiden hätten auf Spanisch miteinander gesprochen.

Auch Papst Benedikt XVI. war bei seinem Besuch in der Türkei 2006 dem jüdischen Oberrabbiner begegnet. Franziskus feierte vor dem Treffen am Sonntag in der päpstlichen Repräsentanz in Istanbul eine private Heilige Messe. Anschließend wollte er sich auf den Weg zur Kirche St. Georg des orthodoxen Patriarchats in Istanbul machen, um dort mit Patriarch Bartholomäus das Fest des Apostels Andreas zu feiern. Kurz vor seinem Abflug am Nachmittag wollte der Papst dann junge Menschen aus Flüchtlingsfamilien treffen. (som/KNAdpa)

Hintergrund: Das Andreas-Fest

Andreas, Fischer in Kapharnaum, und sein jüngerer Bruder Petrus gelten als die ersten Apostel. Ihnen sagte Jesus zu, sie zu Menschenfischern zu machen. Während seiner weitläufigen Missionsreisen erlitt Andreas der Überlieferung nach im griechischen Patras an einem X-förmigen Kreuz (Andreaskreuz) im Jahr 60 oder 62 das Martyrium. Ökumenischer Gedenktag ist der 30. November.

Der Apostel gründete nach kirchlicher Tradition den Bischofssitz von Byzantion, dem heutigen Istanbul. Demgemäß versteht sich der orthodoxe Patriarch von Konstantinopel als Nachfolger des Andreas, so wie der Papst als Nachfolger des Petrus gilt. Daher trägt Amtsinhaber Bartholomaios I. (74) den Titel "Ökumenischer Patriarch", der ihn zum Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie macht. Gegenseitige Besuche von Delegationen des Heiligen Stuhls und des Patriarchats (Phanar) zu den Patronatsfesten sind seit dem ökumenischen Tauwetter der 1960er Jahre üblich geworden.

Der Apostel Andreas ist der Schutzpatron Russlands und Griechenlands, Schottlands, Spaniens, Siziliens, Niederösterreichs und des ehemaligen Burgund. Stadtpatron ist er in Patras, Mailand, Neapel, Amalfi, Ravenna, Nola und Brescia, Mantua und Manila, Brügge und Bordeaux. Im schottischen Wappen und auch im britischen Union Jack ist das Andreaskreuz vertreten. Andreas wird als Schutzpatron für viele Berufsgruppen und Gelegenheiten angerufen, etwa als Beschützer der Fischer und Fischhändler, der Seilmacher und Wasserträger. (KNA)

08.00 Uhr: Papst beendet heute Türkeireise

Papst Franziskus beendet heute seine dreitägige Türkei-Reise. Höhepunkt und Anlass des Besuches ist am Vormittag die ökumenische Feier des Andreas-Festes in Istanbul; es ist das Patronatsfest des Ökumenischen Patriarchates. Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel ist das Ehrenoberhaupt von rund 300 Millionen orthodoxen Christen weltweit.

Im Anschluss an die Liturgie ist eine gemeinsame Erklärung zur Ökumene mit Patriarch Bartholomaios I. vorgesehen. Am Nachmittag reist Franziskus nach Rom zurück.

Seit dem ökumenischen Aufbruch des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) bemühen sich Ost- und Westkirche um eine Überwindung der großen Kirchenspaltung von 1054. Der Versöhnungsprozess wird vor allem durch den seit 1991 amtierenden Bartholomaios I. und die römischen Päpste vorangebracht. Andere orthodoxe Nationalkirchen stehen der Wiederannäherung skeptischer gegenüber. (KNA)