Betende Hände vor einem Malteserkreuz
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Ehemaliger Großmeister äußert sich zur Krise des Ordens

Malteser: Festing belastet Kardinäle Müller und Burke

Ein Jahr nach seinem Rücktritt als Großmeister der Malteser behauptet Matthew Festing, "nicht alles selbst getan" zu haben. Die Absetzung des Großkanzlers Albrecht von Boeselager sei mit der Glaubenskongregation abgesprochen gewesen.

Von Roland Müller |  Bonn - 18.04.2018

Die Worte von Matthew Festing lassen aufhorchen: "Ich habe nicht alles selbst getan". Mehr als ein Jahr nach seinem Rücktritt als Großmeister der Malteser äußert sich Festing erstmals öffentlich über die Verantwortlichen für die Ordenskrise, die 2016 begann. In einem Gespräch mit der britischen Zeitung "The Tablet" gibt er nun zwei Kardinälen eine Mitschuld an der Intrige gegen den Großkanzler Albrecht von Boeselager: Kardinal Raymond Leo Burke und Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

Dass Festing auch den ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation Müller als einen der Verursacher der Krise bezeichnet, ist eine Neuigkeit. "Die Glaubenskongregation wusste sehr wohl, was passierte", sagt Festing in Bezug auf die Vorgänge im Malteserorden. Festing habe sich Rat bei Müller geholt, als dieser noch oberster Glaubenshüter war. "Ich wollte sicher gehen, dass alles was ich tat, den Segen der Kirche hatte", verteidigt sich Festing. Es habe "eine Reihe von Treffen" mit Müller und anderen Mitgliedern der Glaubenskongregation gegeben. Letztlich hätten die Ratschläge der Kongregationsmitarbeiter dazu beigetragen, dass Festing von Boeselager aus dem Amt des Großkanzlers enthob. Es habe jedoch nie ein persönliches Treffen eines Mitglieds der Glaubenskongregation mit von Boeselager gegeben.

Matthew Festing, in der Uniform der Malteser.
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Matthew Festing war bis zu seinem Rücktritt 2017 Großmeister des Malteserordens.

Die Erwähnung von Burke ist keine wirkliche Überraschung. Schon allein wegen seiner eindeutigen Verbindung zum Orden: Burke ist Kardinalpatron der Malteser und damit Vertreter des Papstes beim souveränen Ritterorden und geistlicher Begleiter der Malteser in einer Person. Papst Franziskus hatte ihn 2013 aus der einflussreichen Kongregation für die Bischöfe und der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse entfernt. Im November 2014 setzte der Pontifex Burke als Präfekt der Apostolischen Signatur, des höchsten Vatikangerichts, ab und ernannte ihn zum Kardinalpatron. Medien bezeichneten das Vorgehen von Franziskus als "Entmachtung" Burkes. Sie vermuteten einen Konflikt zwischen dem reformorientierten Pontifex und dem der Tradition zugewandten Kardinal. Der Papst soll wohl gehofft haben, dass Burke auf seinem neuen Posten bei den Maltesern keinen großen Einfluss haben werde.

Doch Burke nutzte sein Amt für kirchenpolitische Machtspiele, die den Malteserorden derzeit immer noch erschüttern, lässt Festing durchblicken. "Er wollte mehr Einfluss und Macht als sein Amt umfasste", sagte eine unbekannte Quelle innerhalb des Ordens dem "Tablet" über den Anspruch Burkes. "Der Kardinal hoffte, der Orden würde ihm zur Verbreitung seines Kirchenbildes dienen, eines traditionalistischen Bildes". Auch Festing gibt zu: "Wir kannten alle Kardinal Burkes Sicht auf die Dinge". Und weiter: "Wenn der Kardinalpatron etwas sagt, dann akzeptiert man das im Gehorsam zum Heiligen Vater". Burke galt in Kirchenkreisen als treibende Kraft hinter den Anschuldigungen gegen den Großkanzler. Der Kardinal wollte die Auseinandersetzungen zwischen dem von ihm favorisierten konservativen Flügel der Malteser und einer progressiven Gruppe, der auch von Boeselager angehören soll, für sich entscheiden.

Bild: © Malteserorden

Albrecht von Boeselager ist seit 2014 Großkanzler des Malteserordens.

Die Amtsenthebung des deutschen Großkanzlers war das erklärte Ziel von Burke. Es sei "absolut klar" gewesen, dass er von Boeselager von seinem Posten entfernen wollte, so Festing. Burke habe nicht offiziell "grünes Licht gegeben, doch er meinte, dass es geschehen müsse". Allein deshalb habe der Kardinal die Wiederaufnahme einer ordensinterne Untersuchung vorangetrieben. Er habe dem Großkanzler die Duldung der Verteilung von Kondomen bei Hilfseinsätzen der Malteser nachweisen wollen, von der von Boeselager zuvor bereits entlastet worden war. Und startete damit die Krise des Malteserordens.

Doch Burke habe nach Informationen des "Tablet" mehr gewollt: Ein Büro im historischen Regierungsgebäude des Ordens im Herzen der Altstadt Roms und größeren Einfluss. Zudem habe der Kardinalpatron "traditionalistische Priester zu Professpriestern des Ordens machen" wollen, was er jedoch nicht durchsetzen konnte. Festing äußert sich nicht dazu und gibt lediglich an, dass sich der Kardinal nie mit diesen konkreten Forderungen an ihn gewandt habe. Derzeit gilt Burke im Orden als "de facto suspendiert", isoliert und ohne wirklichen Einfluss. Dennoch bekleidet er weiterhin das Amt des Kardinalpatrons.

Anfang Mai treffen sich die Mitglieder des Malteserordens aus der ganzen Welt in Rom, um einen neuen Großmeister zu wählen. Vor einem Jahr hatten sie sich angesichts der vom Papst gewünschten Erneuerung des Ordens für eine Interimslösung entschieden und anders als vorgesehen, keinen Großmeister auf Lebenszeit gewählt. Der 73-jährige Italiener Giacomo Dalla Torre wurde für ein Jahr zum Statthalter bestimmt. Die Malteserritter werden nach dieser Übergangszeit entscheiden, wohin sich der Malteserorden in Zukunft entwickeln wird.

Von Roland Müller