Osterpredigt von Kardinal Reinhard Marx
Münchener Kardinal hatte Ministerpräsident Söder scharf kritisiert

Marx: Kreuze stehen für christliches Menschenbild

Nach seiner scharfen Kritik an Markus Söder meldet sich Kardinal Reinhard Marx noch einmal zu Wort. Unterdessen hat der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer den Kreuz-Erlass ausdrücklich unterstützt.

München/Regensburg - 03.05.2018

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat sich erneut in die Debatte um den Kreuz-Erlass der bayerischen Staatsregierung eingeschaltet. Kreuze im öffentlichen Raum stünden für "die Ausrichtung an den Grundaussagen des christlichen Menschenbildes", erklärte Marx am Mittwoch in München. Zugleich riefen sie die Pflicht in Erinnerung, "im Sinne des Gekreuzigten, im Sinne des christlichen Menschenbildes zu arbeiten". Der Erzbischof von München und Freising äußerte sich bei der Grundsteinlegung für das neue Seminargebäude der Katholischen Stiftungshochschule (KSH) im Kirchlichen Zentrum in München-Haidhausen.

Das Kreuz solle zum Zeichen dafür gemacht werden, "dass diese Gesellschaft zusammenführt, dass sie integriert und dass sie sich neu vergewissert: Woher kommen wir? Auf welchem Fundament stehen wir?", so der Kardinal. Kreuze im öffentlichen Raum seien deshalb für ihn Grund zur Freude: "Wenn wir dazu einladen, als Kirche und auch als Staat: 'Erinnert euch dieser Grundlagen!', dann ist das eine wunderbare Gelegenheit, sich dieses christlichen Menschenbildes neu zu vergewissern." Die Einladung gehe "an Gläubige und Ungläubige, an Suchende und Fragende".

Bischof Voderholzer unterstützt Kreuz-Erlass ausdrücklich

Am Montag hatte Marx dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) vorgeworfen, mit seinem Kreuz-Erlass "Spaltung, Unruhe, Gegeneinander" ausgelöst zu haben. "Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden", so der Kardinal. Dann würde das Kreuz im Namen des Staats enteignet. Es stehe dem Staat aber nicht zu, zu erklären, was das Kreuz bedeute. Das Kreuz sei nicht zu haben ohne den Mann, der daran gehangen hat, ergänzte der Erzbischof von München und Freising. Die gesellschaftliche Debatte über das Kreuz halte er jedoch für wichtig.

Unterdessen hat der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer den Kreuz-Erlass unterstützt. "Ausdrücklich begrüße ich es, wenn in öffentlichen Einrichtungen sichtbar ein Kreuz angebracht ist", sagte Voderholzer am Dienstag bei der Eröffnung des Wallfahrtsjahres in Habsberg, wie seine Pressestelle am Mittwoch mitteilte. Vom Kreuz gehe Segen aus und niemand müsse davor Angst haben. Es gehe auch nicht darum, es zu instrumentalisieren, sondern ihm in Ehrfurcht zu begegnen.

Die Bayerische Verfassung verweise mit Recht auf das Kreuz als Fundament für das öffentliche Zusammenleben in Freiheit, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit, so der Bischof weiter. "Unser Werteverständnis und der gelebte Glaube begründen diese unsere Gesellschaft in seiner freiheitlichen Grundordnung." Dafür sollten die Gläubigen einstehen. (bod/KNA)