Kurienkardinal George Pell während der Weltbischofssynode zu Ehe und Familie am 6. Oktober 2014 im Vatikan.
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Dem Kurienkardinal war zuvor wiederholt sexueller Missbrauch vorgeworfen worden

Medien: Ermittlungen gegen Pell wegen Missbrauch

Wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch ermittelt die australische Polizei gegen Kurienkardinal George Pell - das berichtet ein Fernsehsender. Zeugen hätten entsprechende Vorwürfe erhoben.

Melbourne - 27.07.2016

Diese betreffen laut ABC auch Vorfälle, die sich während der Amtszeit Pells als Erzbischof von Melbourne ereignet haben sollen. Der Polizeipräsident von Victoria habe die Ermittlungen gegen Pell bereits vor vier Wochen gegenüber ABC bestätigt, heißt es. Polizeichef Graham Ashton habe damals betont, "wenn nötig" werde er Beamte nach Rom schicken, um den Kardinal zu verhören. Derzeit sei dies jedoch nicht erforderlich. Zum Stand der Ermittlungen sagte Ashton, diese seien "sehr lebendig".

Vorwürfe stets zurückgewiesen

Dem Bericht zufolge wies Pell die Vorwürfe in einer Erklärung "nachdrücklich und unmissverständlich" zurück. In der Vergangenheit waren wiederholt Missbrauchsvorwürfe gegen ihn laut geworden - er hatte die Vorwürfe gegen seine Person stets zurückgewiesen. Im Februar hieß es in einer Erklärung aus seinem römischen Büro: "Die Anschuldigungen sind unbegründet und völlig falsch." Pell war von 1996 bis 2001 Erzbischof von Melbourne. Seit Februar 2014 leitet er die zentrale Finanz- und Wirtschaftsbehörde im Vatikan.

Im März war der Kurienkardinal von der Missbrauchskommission in Melbourne befragt worden. Dabei ging es zum einen um Fälle in der Diözese Ballarat; dort war Pell als Priester tätig und hatte in freundschaftlichem Kontakt zu einem inzwischen wegen Missbrauchs verurteilten Priester gestanden. Ein zweiter Themenkomplex betraf ein von Pell ins Leben gerufene Programm zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen, der "Melbourne Response". Der Abschlussbericht wird für Dezember 2017 erwartet. (KNA)

Themenseite: Missbrauch

Der Missbrauchsskandal erschütterte die katholische Kirche in ihren Grundfesten. Seit 2010 die ersten Fälle bekannt wurden, bemüht sich die Kirche um Aufarbeitung der Geschehnisse. Katholisch.de dokumentiert die wichtigsten Etappen.