Mertes für Rücknahme der neuen Bibelübersetzung
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Jesuit spricht von "Verschlimmbesserungen"

Mertes für Rücknahme der neuen Bibelübersetzung

Zehn Jahre wurde an der neuen Einheitsübersetzung der Bibel gearbeitet. Ein Jahr nach deren Veröffentlichung fordert der Jesuit Klaus Mertes nun die Rücknahme - und spricht von "Fehlleistungen".

Freiburg - 27.11.2017

Der Jesuit Klaus Mertes plädiert für eine Rücknahme der neuen Einheitsübersetzung der Bibel. Die  Überarbeitung enthalte "Verschlimmbesserungen" und "Fehlleistungen", schreibt Mertes in der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift "Herder Korrespondenz". Vor allem die Neuübersetzung der Psalmen könnte die in Jahrzehnten erworbene und verinnerlichte Sprache "zu sehr aus dem Tritt" bringen, so Mertes, der das Jesuiten-Kolleg St. Blasien im Schwarzwald leitet. Es sei zu überlegen, "ob die revidierte Fassung wirklich die verbindliche Fassung für Katholiken im deutschsprachigen Raum werden soll". Laut Mertes hätte es ausgereicht, "einige krasse Fehlübersetzungen in der alten Einheitsübersetzung zu korrigieren". Der im Herbst 2016 veröffentlichten Überarbeitung ging ein zehnjähriger Arbeitsprozess voraus.

Mertes kritisiert die Neuübersetzung zudem für eine mangelnde Konsequenz im Umgang mit dem Begriff "Wunder". Wenn man dieses Wort vermeiden wolle, was er persönlich nicht für richtig halte, dann müsse man dies wenigstens konsequent tun, so der Jesuit. Die revidierte Übersetzung ersetzt das Wort "Wunder" aus der alten Einheitsübersetzung in der neuen zumeist durch "Machttaten".

Zitate aus dem Alten im Neuen Testament anders übersetzt

Grundsätzlich bemängelt der Jesuit, dass einige alttestamentliche Zitate im Neuen Testament anders widergegeben würden, als im Alten Testament selbst. Das mache "zumal für Laien-Ohren die Zitate als Zitate schwerer erkenntlich, wenn diese im Gottesdienst als Zwischengesang und dann bei der Verlesung des Evangeliums nacheinander vorgetragen werden".

Als Beispiel für eine "Verschlimmbesserung" nennt Mertes die Übersetzung von Jesu Gleichnis von den ungleichen Söhnen aus dem Matthäus-Evangelium (Mt 21,28-32). Laut der neuen Übersetzung erfülle der Sohn, der die Aufforderung des Vaters im Weinberg zu arbeiten bejahe, dann aber doch nicht dorthin gehe, den Willen des Vaters. Dies sei jedoch eine "Sinnentstellung". Richtig sei vielmehr die Widergabe der alten Einheitsübersetzung. Demnach erfülle der Sohn Gottes Willen, der zwar zuerst nein sagt, aber dann doch in den Weinberg geht. (tja)

Hinweis aus der Redaktion

Nach Auskunft des Katholischen Bibelwerks in Stuttgart ist die sinnentstellende Widergabe des Gleichnisses von den ungleichen Söhnen (Mt 21,28-32) mittlerweile korrigiert worden. In allen seit September ausgelieferten Bibeln laute die Antwort auf die Frage, wer den Willen des Herrn erfülle, nun richtig "Der erste" statt "Der zweite", teilte der Geschäftsführer des Verlags Katholisches Bibelwerk, Winfried Kuhn, katholisch.de mit. In den Schulbibeln sei die korrekte Übersetzung bereits in allen seit Mai ausgelieferten Exemplaren.

Der Verlag druckt einen großen Teil der Bibeln in der neuen Einheitsübersetzung. Laut Bibelwerk handelt es sich um einen Fehler in der approbierten Textfassung und nicht um ein Versehen beim Druck der Bibeln. Für die rund 120.000 Bibeln, in denen noch die fehlerhafte Fassung steht, bietet das Bibelwerk einen passenden Aufkleber mit der korrekten Fassung an. Bestellungen sind unter der Telefonnummer 0711-61920-0 möglich.

28.11.2017, 9.51 Uhr: aktualisiert um den Hinweis des Bibelwerks