Ein Engel auf einem Friedhof.
Ehrenamtliche im Beerdigungsdienst

Mit Tod und Trauer neu umgehen

Den Beerdigungsdienst aufwerten – das ist zurzeit das Ziel eines umfangreichen Qualifizierungskurses im Bistum Essen. Zum ersten Mal sollen dort Ehrenamtliche zum Begräbnisleiter ausgebildet werden. Diesen Schritt haben auch schon andere Bistümer unternommen: Der Trend für Ehrenamtliche im Beerdigungsdienst ist ansteigend.

Essen - 07.01.2015

Gemeinde- oder Pastoralreferenten sind seit langem anstelle von geweihten Priestern und Diakonen im Beerdigungsdienst der Ruhrdiözese tätig. Doch mit der Einbeziehung von Ehrenamtlichen hofft Nicole Stockhoff, Referentin für Liturgie im Bistum Essen, dass die Kirchengemeinden einen neuen Umgang mit dem Thema Tod und Trauer finden. "Denn die Sorge um die Toten und die Hinterbliebenen gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Gemeinde und ihrer Seelsorger, die hauptamtlich oder ehrenamtlich diesen wichtigen Dienst tun", sagt sie.

Gemeinsam mit Michael Kampmann, der im Bistum für Krankenhausseelsorge zuständig ist, hat Stockhoff einen Kurs mit unterschiedlichen Lerninhalten konzipiert.

Das Essener Münster ist die Hauptkirche für die Katholiken der Ruhrdiözese.

Er soll den Teilnehmern zum einen theoretisches Hintergrundwissen vermitteln, etwa über die christliche Theologie von Tod und Trauer, den Ablauf der Begräbnisfeier oder das Bestattungsgesetz. Zum anderen wird im Kurs praxisnah geübt, wie man ein Trauergespräch führt, worauf man auf dem Friedhof achten sollte und wie man eine Traueransprache hält.

"Der Trauer Raum geben"

Durch die Taufwürde sei im Grunde jeder Laie zum Dienst an den Toten berechtigt, erklärt Stockhoff. "Unser Ziel sollte sein, dass die Gemeinde ihre Toten beerdigt", so die Referentin. "Der Dienst an den Verstorbenen gilt als Liebesdienst, als Werk der Barmherzigkeit", betont sie. Es könne nicht Aufgabe der Liturgie sein, die Trauer der Menschen zu überspielen. Vielmehr müsse sie der Trauer Raum geben und den Trauernden Trost spenden, so Stockhoff. Die Begräbnisliturgie symbolisiere auch für Trauernde den Weg zu einem neuen Leben angesichts der Erfahrung des Todes.

Für den ersten Qualifizierungskurs für Ehrenamtliche haben Pfarrer und Pfarrgemeinderat sechs Männer und Frauen ausgesucht. Unter ihnen sind Ruheständler, die neue Herausforderungen suchen, aber auch Menschen aus der Pfarrei mit Vorerfahrung, etwa, weil sie in einem Trauercafé arbeiten. "Durch den demographischen Wandel gibt es immer mehr Beerdigungen", sagt Stockhoff.

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Video: © katholisch.de

Pfarrer Bernd Kemmerling über die Einmaligkeit jeder Beerdigung.

"Dabei geht es nicht darum, mit Ehrenamtlichen Lücken zu stopfen – etwa in Notsituationen, weil Hauptamtliche, wie Priester oder Gemeindereferenten, fehlen". Wenn die Familie des Verstorbenen ausschließlich eine Beerdigung mit Priester möchte, so Stockhoff, bekomme sie die auch.

Wachsender Trend

Nicht nur im Bistum Essen beerdigen Ehrenamtliche verstorbene Gemeindemitglieder. Im Bistum Aachen etwa sind laut Sprecherin Stefanie Kumstel mehr als doppelt so viele Ehrenamtliche wie Hauptamtliche im Beerdigungsdienst beschäftigt. Seit 2006 gibt es dort für Ehrenamtliche die Möglichkeit sich für den Beerdigungsdienst zu qualifizieren. Inzwischen machen das 195 Gläubige in ihrer Freizeit. Die Resonanz sei bisher durchweg positiv, sagt Kumstel.

Auch im Bistum Hildesheim sind zurzeit nach Angaben von Bistumssprecher Volker Röpke weitaus mehr Ehrenamtliche (72) als Hauptberufliche (34) für den Beerdigungsdienst zuständig. Die Ausbildung zum Begräbnisleiter gebe es schon seit dem Jahr 2000. In diesem Jahr konnten 30 neue Ehrenamtliche qualifiziert werden, während es im Jahr davor nur zwölf waren, teilt Röpke mit. "Das zeigt, wie groß das ehrenamtliche Engagement im Bistum ist und wie gut der Beerdigungsdienst durch Ehrenamtliche in den Gemeinden ankommt".

Von Viola Kleppe