Nach dem Massaker in Sutherland Springs sichern Einsatzkräfte den Tatort an der Baptistenkirche ab.
Kirche in Texas soll nicht mehr für Gottesdienste genutzt werden

Nach Blutbad: Kirche wird Gedenkort für Todesopfer

In der letzten Woche forderte der Amoklauf in einer Kirche in Texas 26 Todesopfer. Um den Schock über die Gewalttat zu verarbeiten, gestaltete die Gemeinde nun eine besondere Gedenkstätte.

Sutherland Springs - 13.11.2017

Die Kirche der Baptistengemeinde im texanischen Sutherland Springs ist nach dem Amoklauf vor einer Woche zu einer Gedenkstätte für die Todesopfer umgestaltet worden. Der Kirchenraum, in dem der Attentäter Devin Patrick Kelley 26 Menschen erschoss, wurde weiß gestrichen, wie der regionale Fernsehsender KSAT am Sonntag berichtete. Weiße Stühle mit einer roten Rose und dem Vornamen des jeweiligen Toten in goldener Schrift markieren die Stellen, an denen die Opfer gefunden wurden. Im Altarraum aufgestelltes hölzernes Kreuz und Audio-Aufnahmen von Bibelversen sollen den Besuchern ein Gebet in der öffentlich zugänglichen Kirche ermöglichen.

"Einige wollten keinen Fuß mehr in das Gebäude setzen, andere sagten: 'Ich muss reingehen'", sagte Mark Collins, einer der Pastoren der First Baptist Church in Sutherland Springs. Beide Anliegen habe man bei der zeitweisen Umgestaltung der Kirche zur Gedenkstätte berücksichtigen wollen. Bislang hatten zahlreiche Menschen ihre Anteilnahme durch das Aufstellen von Kreuzen, Kerzen und Blumen am Wegesrand vor der Kirche ausgedrückt. Bald könnten die Bauarbeiten für ein neues Gotteshaus beginnen, da die derzeitige Kirche wegen des Amoklaufs nicht mehr genutzt werden soll. Ob der Gedenkort abgerissen wird, steht noch nicht fest.

Eine Woche nach dem Blutbad kamen zudem die überlebenden Gläubigen der Baptistengemeinde in der Nähe des Tatorts zusammen. Begleitet von mehrals 550 Angehörigen und Freunden sowie weiteren Gläubigen aus anderen Teilen der USA feierten sie einen Gottesdienst in einem Zelt.

Der Gottesdienst wurde von Pastor Frank Pomeroy geleitet, der den Anwesenden Trost zusprach und Mut machte. Seine eigene 14-jährige Tochter Annabelle zählt zu den Todesopfern. "Wir haben die Freiheit zu wählen, und anstatt die Dunkelheit zu wählen wie der junge Mann an jenem Tag, wählen wir das Licht", sagte der Geistliche demnach in seiner Predigt. "Wir dürfen niemals aufgeben." Und mit Tränen in den Augen fügte er mit Blick auf seine Tochter hinzu: "Die Opfer tanzen jetzt mit Jesus."

Am 5. November hatte der 26-jährige Kelley in der First Baptist Church das Feuer eröffnet und 26 Menschen getötet, bevor er sich auf der Flucht vor der Polizei selbst erschoss. Als Motiv werden familiäre Gründe vermutet, da Ehefrau und Schwiegermutter des Täters oft den Gottesdienst am Tatort besuchten. Weitere 20 Gläubige der kleinen Gemeinde wurden verletzt. Es war das Attentat mit den bislang meisten Toten in einer Kirche in den USA. (rom/dpa)