Neue Dialogoffensive mit Asien
Vor Bischöfen und Jugendlichen richtet Franziskus den Blick auf den ganzen Kontinent

Neue Dialogoffensive mit Asien

Papst Franziskus hat China, Vietnam und Nordkorea die Hand ausgestreckt. Und er hat Erwartungen an die jungen Katholiken Asiens.

Von Johannes Schidelko (KNA) |  Seosan - 17.08.2014

Aber der reiche "Segen des Himmels" tat der Stimmung von mehreren Zehntausend jungen Katholiken aus ganz Asien kaum Abbruch. Und kurz vor Beginn der Messe mit dem Papst hörte es schließlich auch auf zu regnen.

Zum sechsten Mal fand ein Jugendtag auf dem Kontinent statt. "Jesus Christ, You are my Life", intonierten die jungen Katholiken aus Korea und Japan, aus Bangladesch, China und Malaysia die Weltjugendtags-Hymne. Der Papst sprach die liturgischen Texte auf Latein, die Lesungen waren auf Koreanisch, und die schwungvollen Lieder folgten verschiedenen asiatischen wie internationalen Traditionen.

Bei Bischofstreffen weitet Papst den Blick auf ganz Asien

Der vierte Besuchstag von Franziskus in Südkorea stand ganz im Zeichen Asiens. Das Treffen mit 80 Bischöfen aus ganz Asien und die Schlussmesse des Asiatischen Jugendtags weiteten den Blick über die Grenzen der geteilten Halbinsel hinaus. Asien mit seinen boomenden Ortskirchen, aber auch den vielen verfolgten Gemeinden liegt dem Papst aus Lateinamerika ganz besonders am Herzen. Schon bald nach Beginn seines Pontifikats hatte er deutlich gemacht, dass er Asien spezielle Aufmerksamkeit widmen möchte.

Bild: © KNA

Papst Franziskus posiert mit jungen Menschen für ein "Selfie" bei einem Jugendtreffen in Südkorea.

So startete er im Heiligtum von Haemi, einem romantisch gelegenen Kastell südwestlich von Seoul mit hohen Umfriedungsmauern und mehreren Märtyrer-Gedenkplatzen, eine Dialogoffensive für Asien. Die Kirche habe die Pflicht zum kreativen Dialog und zur Offenheit gegenüber allen, betonte er. Dafür erwarte sie aber auch Bereitschaft zum Dialog von den Ländern Asiens, von denen etliche bislang keine diplomatischen Beziehungen zum Vatikan unterhielten.

Namen nannte Franziskus nicht. Aber offensichtlich war, dass er damit allen voran die Volksrepublik China meinte, mit der Rom seit über 60 Jahren keine Botschafter austauscht. Allerdings nicht nur, wie Vatikansprecher Federico Lombardi anschließend klarstellte: Angesprochen seien auch Vietnam, Nordkorea, Laos, Brunei und Bhutan. Der Vatikan möchte, dass die weißen Flecken auf seiner diplomatischen Landkarte verschwinden - als eine Voraussetzung für mehr Religionsfreiheit, für mehr Entfaltungsmöglichkeiten der Kirche und gesellschaftliche Handlungsfreiheit der Christen.

Christen sollen keine Abstriche an ihren Positionen machen

Grundbedingung für den Dialog mit den Kulturen und Gesellschaften des Kontinents sei, dass Kirche und Christen ihrer Identität treublieben und keine Abstriche an ihren Positionen machten, so Franziskus vor den Bischöfen. Ausdrücklich warnte er vor einem Relativismus, der die Wahrheit verdunkle und "in den Treibsand der Verwirrung und Verzweiflung" ziehe, und ebenso vor Oberflächlichkeit.

Die Kirche habe die Aufgabe und die Pflicht, das Evangelium bis an die Enden der Erde zu bringen, jedoch ohne unlautere Abwerbung von Gläubigen anderer Religionsgemeinschaften: Die Kirche müsse durch ihre eigene Attraktivität wachsen. Dazu müsse sie mit Einfühlungsvermögen und Offenheit auf ihre Gesprächspartner eingehen.

Glauben in Gesellschaft einbringen ist Pflicht

Ähnlich äußerte sich Franziskus am Nachmittag vor den Teilnehmern des Jugendtages. Asien mit seinen reichen philosophischen und religiösen Traditionen bleibe ein "großes Grenzland" für das Christentum. Dennoch hätten die katholischen Jugendlichen als Söhne und Töchter Asiens "ein Recht und eine Pflicht", voll am Leben ihrer Gesellschaften teilzunehmen und "die Erfahrungen ihres Glaubens in das gesellschaftliche Leben einzubringen".

Sie sollten die vielen positiven Werte der asiatischen Kulturen anerkennen, dabei aber unterscheiden, was mit dem katholischen Glauben vereinbar sei und was nicht. In jedem Fall sollten sie eine "heiligere, missionarischere und demütige Kirche aufbauen", die Gott liebe und sich um die Armen und Einsamen, die Kranken und die an den Rand Gedrängten kümmere.

Aktuell: "Geste guten Willens"

Vatikansprecher Federico Lombardi hat den von Papst Franziskus bekundeten Wunsch nach Gesprächen mit China als "Geste des guten Willens" bezeichnet. Natürlich denke jeder an China, sagte Lombardi vor Journalisten im südkoreanischen Haemi. Gemeint seien jedoch auch andere asiatische Länder ohne einen Botschafteraustausch mit dem Heiligen Stuhl, etwa Nordkorea, Vietnam, Myanmar, Laos, Brunei oder Bhutan. (KNA)

Von Johannes Schidelko (KNA)