Der ehemalige Mainzer Weihbischof Ulrich Neymeyr ist seit 2014 Bischof von Erfurt.
Bischof fordert konkrete Maßnahmen gegen Judenfeindlichkeit

Neymeyr prangert Antisemitismus auf Schulhöfen an

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr hat sich deutlich gegen jede Form von Judenfeindlichkeit positioniert. "Moralische Empörung" darüber reiche jedoch nicht aus, so Neymeyr – und fordert Taten statt Worte.

Frankfurt - 14.05.2018

Judenfeindlichkeit ist nach den Worten des Erfurter Bischofs Ulrich Neymeyr "immer noch ein Problem nicht nur in Deutschland, aber eben auch in Deutschland". Auf einer internationalen Konferenz von christlichen und jüdischen Wissenschaftlern in Frankfurt forderte Neymeyr laut Redemanuskript am Montag mehr Taten statt Worte im Kampf gegen Antisemitismus. "Moralische Empörung, so berechtigt sie ist, reicht allein nicht aus."

Neymeyr sprach in diesem Zusammenhang von einem "Krisensymptom unserer Gesellschaft". Der Bischof weiter: "Die Verachtung anderer, der Hass auf andere - egal gegen wen und egal von wem - zerstören das soziale Vertrauen, ohne das eine freie Gesellschaft nicht existieren kann."

Auf manchen Schulhöfen sei "Jude" zu einem Schimpfwort geworden, beklagte der Bischof. "Jüdische Kinder und Jugendliche werden von Mitschülern gemobbt, weil sie Juden sind." Wer sich öffentlich als Jude zu erkennen gebe, weil er beispielsweise eine Kippa trage, laufe Gefahr, verbal oder sogar tätlich angegriffen zu werden. "Diskussionen um Israel und den Nahost-Konflikt geraten nach einiger Zeit schnell in antisemitisches Fahrwasser."

Konkrete Maßnahmen im Bildungsbereich

Neymeyr forderte: "Wir müssen konkrete Maßnahmen ergreifen, nicht zuletzt im Bildungsbereich." Das könne etwa im Religionsunterricht in der Schule geschehen. Der Erfurter Bischof rief die Religionslehrer dazu auf, "noch mehr Aufklärungsarbeit zu leisten, als sie es eh schon tun". Im Unterricht und im Schulleben müsse die von Papst Franziskus formulierte Devise gelten: "Ein Christ kann kein Antisemit sein!"

Die dreitägige Konferenz "Gegenwart und Zukunft des christlich-jüdischen Dialogs. Historische und theologische Perspektiven" endet am Dienstag. Ausdrücklich würdigte Neymeyr den christlich-jüdischen Dialog.

Zum Auftakt hatte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, die Kirchen im Kampf gegen Judenfeindlichkeit stärker in die Pflicht genommen. Es gebe einen Antisemitismus, "der sich als Kritik an Israel tarnt und leider auch in Kirchenkreisen immer häufiger anzutreffen ist", sagte Schuster. "Eine grundsätzliche Solidarität mit dem Staat Israel und ein deutliches Bekenntnis zur bleibenden Verantwortung Deutschlands für Israel erwarten wir von den Kirchen." (KNA)