Hartmut Niehues
Bild: © Privat
Münsteraner Regens: Glaube muss erlebbar gemacht werden

Niehues hält Kirche weiter für reformbedürftig

In Deutschland gibt es nicht nur weniger Priester, sondern auch weniger Priesteramtskandidaten. Regens Hartmut Niehues spürt dies bei seiner Arbeit und macht eine Krise des Glaubens als Grund aus.

Münster - 30.05.2017

Der Münsteraner Regens Hartmut Niehues hält die katholische Kirche in Deutschland weiterhin für reformbedürftig. Sowohl die durch Fusionen stark veränderten Pfarreistrukturen als auch der Mangel an Nachwuchspriestern seien Beispiele dafür, "dass das System, nach dem wir bisher gearbeitet haben, nicht mehr funktioniert", sagte der Leiter des Priesterseminars im Bistum Münster der Kirchenzeitung "Kirche+Leben".

Niehues, der auch Vorsitzender der Deutschen Regenkonferenz ist, hatte im vergangenen Jahr mit einem Interview für großen Wirbel gesorgt. Damals sagte er: "Das System, wie es bisher besteht, ist am Ende." Das große Echo habe ihn damals sehr überrascht, so Niehues jetzt. Schließlich seien seine Aussagen "keine großen Neuigkeiten" gewesen.

Dem Regens gehe es mit seiner Kritik nicht darum, "schwarz zu malen und Leuten die Lust am Katholischsein zu nehmen". Im Gegenteil glaubt er, dass es für junge Leute keine spannendere und herausforderndere Zeit geben könne, um Priester zu werden. "Vieles in der Kirche und dem Rest der Welt ist im Umbruch", sagte er. Das schaffe Verunsicherung. Mit dem Glauben im Hintergrund sei es aber eine großartige Aufgabe, "das Neue zu entdecken, wohin uns Christus führen will". Insofern sei das Priesterwerden heute etwas für mutige Leute.

Linktipp: "Zahlen sprechen eindeutige Sprache"

"Das System, wie es bisher besteht, ist am Ende", sagt Regens Hartmut Niehues über die Situation der Kirche in Deutschland. Im Interview mit katholisch.de erläutert er, warum die Priester teamfähiger werden und die Laien ihre eigene Berufung mehr wahrnehmen müssen. (Artikel vom April 2016)

Zur Überwindung der Krise könne man laut Niehues an den Zugangswegen zum Priestertum oder der Frage nach einem Weiheamt für Frauen ansetzen. "Die Ursachen unserer Situation liegen aber tiefer", so der Priesterausbilder weiter. Die Kirche stecke in einer Krise des Glaubens. "Wir leben heute in einer Situation, in der Menschen mit den Sakramenten des täglichen Lebens nichts mehr anfangen können." Sie jedoch einfach beiseite zu lassen und nach Alternativen zu suchen, halte er für falsch. Stattdessen müsse man neue Zugänge zu Sakramenten wie der Eucharistie oder der Beichte finden.

Neue Formen der Gottesdienstgestaltung seien für Niehues daher ein wichtiger, aber nicht der einzige Punkt. Noch wichtiger sei die Frage, "wie wir für Menschen unseren Glauben erlebbar machen". "Glauben – und zwar der persönliche Glaube, nicht die Diskussion um Strukturen – darf für uns kein Tabuthema mehr sein", sagte Niehues. Wenn man sich traue, im Alltag von den eigenen Erfahrungen mit Christus zu erzählen, könne man die Mitmenschen ganz schlicht einladen, dabei zu sein. (bod)