Pilger an dem Ort der Marienerscheinung in Medjugorje.
Bild: © KNA
Der Vatikan prüft Rechtmäßigkeit des Wallfahrtortes Medjugorje

Nun heißt es warten

Gelassen sehen die Franziskaner von Medjugorje den Ergebnissen der offiziellen vatikanischen Untersuchung zu den Marienerscheinungen im Wallfahrtsort in Bosnien-Herzegowina entgegen. Der Pfarrer von Medjugorje, Marinko Sakota, hofft auf eine Entscheidung in Rom, den Marienort zu einer Art "offizieller Gebetsstätte" zu ernennen. Dann könnte man in Medjugorje "noch freier" wirken.

Mostar - 24.04.2014

Die nationale Bischofskonferenz hatte sich 1991 zurückhaltend zu dem Phänomen geäußert und offizielle Wallfahrten nach Medjugorje untersagt.

Eine von Kardinal Camillo Ruini geleitete Untersuchungskommission hat im Januar ihre dreijährigen Arbeiten abgeschlossen. Die Kommission sollte im Auftrag der römischen Glaubenskongregation die Vorgänge in und um Medjugorje überprüfen. Dabei ging es in erster Linie nicht um die Marienerscheinungen selbst, sondern vielmehr um den Pilgerbetrieb und das geistliche Leben an dem Ort. Eine Entscheidung dazu trifft der Papst, was vermutlich aber noch einige Zeit dauern dürfte.

Bis heute soll es Erscheinungen geben

Die Marienerscheinungen in Medjugorje sollen am 24. Juni 1981 begonnen haben. Sechs Kinder berichteten damals, die Gottesmutter habe sich ihnen gezeigt, während sie Schafe hüteten. Die Erscheinungen dauern nach Angaben der inzwischen erwachsenen und an unterschiedlichen Orten lebenden Seherinnen und Seher mit großer Häufigkeit weiter an. Drei von ihnen sollen noch täglich Erscheinungen haben, die anderen drei gelegentlich.

Mit einer offiziellen Äußerung des Vatikan zu einer möglichen Echtheit der Privatoffenbarungen ist auf jeden Fall nicht zu rechnen, solange diese noch andauern. Pfarrer Marinko meint ohnehin: "Erscheinungen kann man nicht anerkennen. Man kann nur daran glauben." Nach seinen Worten beinhalten die Botschaften der Gottesmutter keine neuen kirchlichen Lehren. Sie rufe lediglich die kirchlich-christliche Botschaft in Erinnerung und ermutige zu Gebet, Fasten und Beichte. "Medjugorje ist vor allem eine Schule, wie man zum Frieden kommt. Zum Frieden mit sich selbst, mit anderen und in der ganzen Welt."

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Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger". Die Zeichentrickserie erklärt auf einfache und humorvolle Art zentrale Begriffe aus Kirche und Christentum. In dieser Folge geht es um den Begriff Wallfahrt und seine Bedeutung im christlichen Glauben.

Trotz Unsicherheit großer Pilgeransturm

Für Aufsehen und Irritationen hatte im November die Äußerung von Papst Franziskus gesorgt, Maria sei "eine Mutter, die uns alle liebt, und keine Oberpostbeamtin, die uns täglich Botschaften schickt". Die Bemerkung wurde umgehend als Stellungnahme gegen die Erscheinungen in Medjugorje interpretiert. Allerdings sprach der Papst Medjugorje nicht direkt an.

Medjugorje ist eine wirtschaftlich prosperierende Oase im ansonsten krisengeschüttelten Bosnien-Herzegowina. Dank des Pilgeransturms gibt es hier praktisch keine Arbeitslosigkeit; nach wie vor werden Hotels und Apartments gebaut. Wie viele Pilger jedes Jahr nach Medjugorje kommen, kann auch der Pfarrer nicht beantworten. 2013 habe man aber 1,87 Millionen Hostien benötigt, so Marinko.

Der Bischof der Diözese zweifelt an Erscheinungen

Die Pfarrei selbst wurde 1892 gegründet. In den 1930er Jahren wurde die damalige baufällige Kirche abgerissen; es wurde eine neue, große für die damals rund 5.600 Einwohner errichtet. Als 1981 die angeblichen Marienerscheinungen begannen, hatte Medjugorje nur mehr halb so viele Einwohner. Das Gotteshaus wirkte für den kleinen Ort überdimensioniert - was sich dank der Pilger aber bald ändern sollte.

Heute hat der Ort wieder so viele Einwohner wie in den 30er Jahren. Der Wirtschafts- und Tourismusboom dürfe freilich nicht die religiöse Botschaft von Medjugorje überdecken, wünscht sich der Ordensmann Marinko. Die Franziskaner betreuen seit jeher die Pfarrei und sind auch für das Pilgerwesen verantwortlich.

Medjugorje habe sich immer gegen vielfältigen Widerstand behaupten müssen, so der Franziskaner: gegen das kommunistische Regime in den 1980er Jahren ebenso wie auch gegen die Amtskirche. Auch das Verhältnis zur Diözese Mostar war oft getrübt. Wie Marinko bestätigt, glaubt auch der derzeitige Bischof Ratko Peric nicht an die Echtheit der Erscheinungen. Aber das sei freilich auch sein gutes Recht.

Von Georg Pulling (KNA)