Papst Franziskus spricht vor Kardinälen und Bischöfen im Vatikan.
Auch im Kardinalsrat K9 plant Franziskus Veränderungen

Papst: Almosenverwalter soll künftig Kardinal sein

Papst Franziskus plant offenbar Veränderungen rund um seine engsten Mitarbeiter: So soll etwa der Leiter des Almosenamts stets Kardinal werden - und beim K9-Rat soll auch nicht alles bleiben, wie es ist.

Rom - 24.06.2018

Papst Franziskus will den Chef des vatikanischen Sozialdienstes künftig regelmäßig mit dem höchsten Rang der katholischen Hierarchie auszeichnen. Der Leiter des päpstlichen Almosenamts und der Präfekt der Glaubenskongregation seien "die beiden langen Arme des Papstes" und verdienten daher beide die Kardinalswürde, sagte Franziskus der Nachrichtenagentur Reuters (Sonntag). Laut dem bereits vor einer Woche geführten Exklusiv-Interview plant Franziskus zudem personelle Änderungen im Kardinalsrat für die Kurienreform

Am Donnerstag werden Almosenmeister Erzbischof Konrad Krajewski und Glaubenspräfekt Erzbischof Luis Ladaria zusammen mit zwölf weiteren Kandidaten zu Kardinälen erhoben. Franziskus hob in dem Interview die Rolle der Glaubenskongregation für den Schutz des katholischen Glaubens hervor. "Der Präfekt muss ein Kardinal sein", sagte er. Der "andere lange Arm des Papstes" sei der Almosenmeister. Auch dort müsse ein Kardinal an der Spitze stehen, so Franziskus. Aus der Vergangenheit ist ein solcher Fall nicht bekannt.

Krajewski wird zweitjüngster Kardinal

Kurz nach seinem Amtsantritt 2013 hatte Franziskus den polnischen Kurienmitarbeiter und Liturgiefachmann Konrad Krajewski zum Almosenmeister ernannt und ihm besonders die materielle Unterstützung von Obdachlosen ans Herz gelegt. Seitdem entstanden Initiativen wie Duschen und ein Friseursalon am Petersplatz. Oft ist Krajewski auch persönlich um den Vatikan unterwegs, um Lunchpakete zu verteilen. Mit 54 Jahren wird er das zweitjüngste Mitglied des Kardinalskollegiums.

Der Päpstliche Almosenmeister, Erzbischof Konrad Krajewski, in seinem Büro im Vatikan.

Der Päpstliche Almosenmeister, Erzbischof Konrad Krajewski, in seinem Büro im Vatikan. Am Donnerstag wir er Kardinal.

Der spanische Jesuit Luis Ladaria (74) trat im Juli 2017 die Nachfolge von Kardinal Gerhard Ludwig Müller an der Spitze der Glaubenskongregation an. Das Amt des Präfekten ist traditionell mit der Kardinalwürde verbunden. Die Behörde gilt als eine der wichtigsten Einrichtungen der katholischen Kirche.

Änderungen in Kardinalsrat und Güterverwaltung geplant

Weiter kündigte der Papst Franziskus personelle Änderungen im Kardinalsrat für die Kirchenreform an. Dem Neuner-Gremium gehört auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, an. Einzelheiten nannte Franziskus laut Reuters nicht. Das Kirchenoberhaupt gab an, auch die Spitze der zentralen Güterverwaltung erneuern zu wollen. Das fünfjährige Bestehen des Kardinalsrats sei ein Anlass, ihn "ein bisschen zu erneuern", sagte der Papst in dem abschnittsweise veröffentlichten Interview. Er wolle keine "Köpfe rollen lassen".

Von den neun Kardinälen des Rats sind zwei unter besonderem öffentlichen Druck. George Pell, Leiter des vatikanischen Wirtschaftssekretariats, steht in seinem Heimatland Australien wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht. Dem Chilenen Francisco Javier Errazuriz werfen Missbrauchsopfer vor, als Erzbischof von Santiago die Strafverfolgung sexueller Vergehen behindert zu haben. Beide Kardinäle bestreiten ein Fehlverhalten.

Nach den Worten von Franziskus soll es auch einen Wechsel in der Güterverwaltung des Heiligen Stuhls geben. Deren Präsident Kardinal Domenico Calcagno habe seinen altersbedingten Rücktritt bereits angeboten, sagte der Papst laut Reuters. Franziskus sprach sich in dem Zusammenhang für einen Mentalitätswandel aus. Während er die internen Reformen der einst skandalumwitterten Vatikanbank als gelungen bewertete, äußerte sich der Papst besorgt über die Immobilienverwaltung. Dort gebe es "keine Transparenz", sagte er. Ob sich daran etwas ändere, hänge von der Güterverwaltung Apsa ab. (luk/KNA)