Eine Polizistin bei einer Absperrung nach einem Anschlag in Barcelona am 17. August 2017
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Kirchenvertreter entsetzt über Terroranschlag

Papst betet für die Opfer von Barcelona

15 Tote und viele Verletzte: das ist die traurige Bilanz nach dem Anschlag in Barcelona. Papst Franziskus und die spanische Bischofskonferenz sind erschüttert. Sie trauern mit den Familien der Opfer.

Vatikanstadt/Madrid - 18.08.2017

Erschüttert haben Papst Franziskus und weitere Kirchenvertreter auf den Terroranschlag von Barcelona reagiert. Das Kirchenoberhaupt habe "mit großer Besorgnis" die Vorgänge in der katalanischen Hauptstadt zur Kenntnis genommen, teilte Vatikansprecher Greg Burke am Donnerstagabend mit. "Der Papst betet für die Opfer dieses Attentats und wünscht seine Nähe zum ganzen spanischen Volk zu bekunden, besonders zu den Verletzten und den Familien der Getöteten", so Burke.

Auch Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Präsident EU-Bischofskommission ComECE ist "fassungslos" über die Geschehnisse in Barcelona und Cambrils. "Schon wieder werden unschuldige Menschen Opfer von Terror und Gewalt", so Marx am Freitag in einem Kondolenzschreiben an den Erzbischof von Barcelona, Kardinal Juan José Omella Omella. Es seien Menschen getötet worden, "die Familie hatten und Freunde, die gelacht oder miteinander Pläne geschmiedet haben, Menschen mit Träumen und Visionen", schreibt der Kardinal. Dass die Terroristen im Namen der Religion "Ungläubige" töteten, sei unerträglich.

Aufruf zum Gebet

Die spanische Bischofskonferenz verurteilte den Anschlag als "abscheuliche Tat". Terrorismus sei "ein von Grund auf böses Vorgehen", betonte das Generalsekretariat der Bischofskonferenz in einer am Donnerstagabend auf Twitter veröffentlichten Mitteilung. Die spanischen Bischöfe riefen zum Gebet für alle Opfer und ihre Angehörigen auf. Kardinal Omella besuchte Verletzte in einer Klinik. Wie das Erzbistum Barcelona via Twitter mitteilte, brach der Kardinal einen geistlichen Aufenthalt in der Provinz Castellon ab, um den Menschen in seinem Bistum "in diesen Momenten des Schmerzes" beizustehen.

Am späten Donnerstagnachmittag war ein Lieferwagen in eine Menschenmenge auf der Flaniermeile Las Ramblas im Zentrum Barcelonas gerast. Offiziellen Angaben zufolge kamen mindestens 13 Menschen ums Leben, mehrere Dutzend Personen wurden verletzt. Einen weiterer möglicher Anschlag in dem Badeort Cambrils rund 100 Kilometer südlich Barcelonas wurde von der Polizei vereitelt. Einsatzkräfte erschossen in der Nacht zu Freitag fünf mutmaßliche Terroristen. Auf der Flucht hatten die Täter Passanten angefahren. Eine Frau erlag am Freitag ihren schweren Verletzungen.

15 Tote und vier Festnahmen

Eine weitere Person starb am Mittwoch bei einer Explosion im Ort Alcanar. Laut Angaben der Polizei gebe es auch hier "klare Verbindungen" zum Anschlag von Barcelona. In dem bei der Detonation zerstörten Wohnhaus könnte demnach das Attentat geplant worden sein. Bis zum frühen Freitagnachmittag hatte die spanische Polizei vier Festnahmen Verdächtiger gemeldet.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts sind unter den Opfern auch 13 Deutsche, die teils lebensgefährlich verletzt wurden. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch unter den Todesopfern deutsche Staatsangehörige seien, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, am Freitag in Berlin. Laut dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet stammten drei schwer verletzte Jugendliche aus seinem Bundesland. Die beiden 17 und ein 14 Jahre altes Mädchen sein demnach mit einer evangelischen Kirchengemeinde in Barcelona gewesen.

Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) reklamierte den Anschlag von Barcelona in ihrem Informationsdienst Amaq für sich. Das Geschehen weckte Erinnerungen an Attentate in Nizza, Berlin, Stockholm und London, bei denen ebenfalls Fahrzeuge als tödliche Waffe gegen Menschen verwendet wurden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach in Bezug auf die Anschläge von unbeschreiblicher Menschenverachtung des islamistischen Terrors. Auch deutsche Muslime verurteilten die Tat scharf. "Wir sind entsetzt über den Anschlag und trauern mit den Hinterbliebenen und beten für die Opfer. Es gibt in keiner Religion eine Rechtfertigung für solche Taten", erklärte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, am Freitag in Berlin. Die Morde hätten nur das Ziel, einen Keil zwischen die Religionen und Kulturen zu treiben. Den Taten der Terroristen in Barcelona gelte Verachtung, ebenso allen anderen Verbrechern und Terroristen der Welt. Auch die muslimische Gemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland zeigte sich betroffen. Sie zitierte das weltweite Oberhaupt der internationalen Ahmadiyya Muslim Jamaat, Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad, wonach Terroranschläge "ein Angriff gegen die Lehre des Islam" seien. (gho/kim/KNA/dpa)

18.08.2017, 12.00 Uhr: ergänzt um Statement von Kardinal Marx und weitere Details
18.08.2017, 13.45 Uhr: ergänzt um Statement Angela Merkels und weitere Details
18.08.2017, 14.05 Uhr: ergänzt um weitere Informationen und Statements