Eine schwarz-weiße Zeichnung von Eva, wie sie Adam einen Apfel reicht.
Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel veröffentlicht

Papst: Fake News verführen wie Schlange im Paradies

Schon im Paradies habe es Fake News gegeben, schreibt Papst Franziskus zum "Welttag der sozialen Kommunikationsmittel": So habe die Schlange Adam und Eva verführt. Doch der Papst hat auch Lösungen parat.

Bonn/Vatikanstadt - 24.01.2018

Papst Franziskus spricht sich gegen "Fake News" aus. Die zum 52. "Welttag der sozialen Kommunikationsmittel" am Mittwoch veröffentliche Botschaft trägt den Titel "Die Wahrheit wird euch befreien - Fake News und Journalismus für den Frieden". Der Papst würdigt Kommunikation als "wesentliche Art und Weise, Gemeinschaft zu leben", verweist aber auch auf Missbräuche und "Entstellungen" von Kommunikation.

An konkreten Maßnahmen gegen "Fake News" nennt die Botschaft Initiativen, die Medienkompetenz fördern, sowie "institutionelle und rechtliche Initiativen" zur Eindämmung von Falschmeldungen, ohne allerdings auf konkrete Regulierungen Bezug zu nehmen. Außerdem lobt der Papst Anstrengungen von "Technologie- und Medienunternehmen, mit Hilfe neuer Kriterien nachzuweisen, wer sich hinter den Millionen von digitalen Profilen versteckt".

Im Volltext: Botschaft zum 52. Welttag der sozialen Kommunikation

"Die Wahrheit wird euch befreien" (Joh 8,32). Fake News und Journalismus für den Frieden" ist der Titel der Botschaft zum 52. Welttag der sozialen Kommunikation, die Papst Franziskus am Gedenktag des hl. Franz von Sales veröffentlicht hat.

"In einem zusehends von Schnelllebigkeit geprägten und in ein digitales System eingebetteten Kommunikationskontext,[sic!] können wir heute das Phänomen der 'Falschmeldungen' beobachten, der sogenannten Fake News", heißt es in dem Schreiben. Es fasst den Begriff als "gegenstandslose Nachrichten", die sich "auf inexistente oder verzerrte Daten stützen und darauf abzielen, den Adressaten zu täuschen, wenn nicht gar zu manipulieren". Wirksam seien sie aufgrund ihrer "mimetischen Natur", also ihrer Fähigkeit, glaubwürdig zu scheinen, indem die Absender sich "Stereotype und Vorurteile" zunutze machen. Daher seien "Fake News" auch schwierig "aufzudecken und auszumerzen".

Sorgfältige Unterscheidung hilft gegen "Fake News"

Papst Franziskus beklagt Interaktionen innerhalb "homogener digitaler Räume, zu denen divergierende […] Meinungen oder Blickwinkel nicht durchdringen können": "Falschmeldungen gehen […] mit intoleranten und zugleich reizbaren Haltungen einher und führen nur zur Gefahr, dass Arroganz und Hass eine immer weitere Verbreitung finden. Denn das ist es, wozu die Falschheit letztlich führt." Die wichtigste Maßnahme gegen "Fake News" sei daher eine "sorgfältige Unterscheidung": Es gehe darum, "das aufzudecken, was man als die 'Logik der Schlange' bezeichnen könnte, die sich überall verstecken und jederzeit zubeißen kann", erläutert der Papst mit Verweis auf die biblische Paradieserzählung. Die Verführung der ersten Menschen durch die Schlange, des "Vaters der Lüge", sei "die erste Fake News". Die Lehre dieser Erzählung sei, dass "Erziehung zur Wahrheit Erziehung zur Unterscheidung bedeutet" und sich nicht von der Gier, von Hunger nach "Macht und Besitz" leiten zu lassen.

Bild: © KNA

Steht selber im Zentrum medialer Berichterstattung: Papst Franziskus, hier bei einer seiner berühmten "fliegenden Pressekonferenzen".

"Befreiung von der Falschheit" und "Suche nach Beziehung" müssen, so die Botschaft mit Bezug auf das Johannes-Evangelium, dabei in eins gehen: "Die Wahrheit der Aussagen erkennt man an ihren Früchten: daran also, ob sie Polemik, Spaltung und Resignation auslösen – oder eine gewissenhafte und reife Diskussion, einen konstruktiven Dialog und ein fruchtbares Schaffen."

Journalisten sind gefragt

Daher sieht der Papst auch nicht Strategien, sondern Personen, die Sprache verantwortungsvoll gebrauchen, als "bestes Mittel gegen die Falschheit". Dies seien insbesondere Journalisten: "Trotz der Kurzlebigkeit der Nachrichten und im Strudel der Sensationspresse darf er nie vergessen, dass im Zentrum der Nachricht der Mensch steht – und nicht, wie schnell eine Nachricht verbreitet wird und welche Wirkung sie auf das Publikum hat." Die Einladung des Papstes, einen "Journalismus für den Frieden" voranzutreiben, sei dabei nicht als "Schönfärberei" und Leugnen von Misständen falsch zu verstehen. Stattdessen gehe es Franziskus um einen Journalismus, der auf Unwahrheit, Effekthascherei und Sensationsgier verzichtet und sich stattdessen als Dienst versteht, "der allen Menschen zugutekommt, vor allem jenen[...], die keine Stimme haben".

Bereits Paul VI. hatte sich 1972 in der Botschaft zum Welttag der Kommunikationsmittel mit dem Thema "Wahrheit" beschäftigt. Unter Papst Franziskus hatten die Botschaften zum Welttag bisher vor allem pastoralen Charakter und betonten Themen wie Barmherzigkeit, Hoffnung und Nächstenliebe. Dabei wurden aktuelle Themen und Ereignisse der Weltkirche wie die Familiensynode (2015) und das "Jahr der Barmherzigkeit" (2016) aufgegriffen. Konkrete medien- und sozialethische Fragestellungen, wie sie in der diesjährigen Botschaft im Zentrum stehen, wurden nur am Rand behandelt.

Seit 1967 gibt es den Welttag der sozialen Kommunikationsmittel. Papst Paul VI. hatte ihn als "Welttag der Massenmedien" ins Leben gerufen und findet sechs Wochen nach Ostersonntag statt. Am Gedenktag des heiligen Franz von Sales, dem 24. Januar, veröffentlicht der Papst eine Botschaft, die sich mit der Ethik der Massenmedien befasst. In Deutschland wird der "Mediensonntag" anders als im Rest der Welt am zweiten Sonntag im September begangen. (fxn)