Papst feiert Messe mit über 1000 Gefangenen
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Anlass war eine internationale Gefangenenwallfahrt nach Rom

Papst feiert Messe mit über 1000 Gefangenen

Anlässlich der internationalen Gefangenenwallfahrt nach Rom feierte Franziskus mit Häftlingen und ehemaligen Strafgefangenen eine Messe im Petersdom. Dabei warnte er vor einer ganz bestimmten Versuchung.

Vatikanstadt - 06.11.2016

Papst Franziskus hat mit rund 1.000 Strafgefangenen und ehemaligen Häftlingen eine Messe im Petersdom gefeiert. Dabei warb er am Sonntag für Resozialisierung und nahm Strafgefangene vor Stigmatisierung in Schutz. Mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, der sich verfehlt habe, könne nicht die eigenen Widersprüche vertuschen, sagte Franziskus. An dem Gottesdienst nahmen auch Familienangehörige, Mitarbeiter von Haftanstalten und Gefängnisseelsorger teil. Anlass war eine internationale Gefangenenwallfahrt nach Rom im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit.

Franziskus nannte es eine "Heuchelei", in Häftlingen nur Straftäter zu sehen, für die das Gefängnis der einzige Weg sei. "Jedes Mal, wenn ich in ein Gefängnis gehe, frage ich mich: Warum sie - und nicht ich?", so der Papst. "Wir können alle einen Fehler machen. Alle haben wir auf die eine oder andere Weise einen Fehler gemacht", fügte er in freier Rede hinzu. Seine Hörer, die er mit "Brüder und Schwestern Sträflinge" anredete, ermutigte er, sich nicht in der Vergangenheit einzuschließen. Wer aus seinen Fehlern lerne, könne ein neues Kapitel im Leben aufschlagen. Franziskus warnte vor der "Versuchung zu glauben, dass keine Vergebung möglich sei". Es gebe keinen Ort im Herzen, der nicht von der Liebe Gottes erreicht werden könne. "Wo sich ein Mensch verfehlt hat, zeigt sich die Barmherzigkeit des Vaters noch mehr, um Reue, Vergebung, Versöhnung zu wirken", sagte er.

Freiheitsentzug nannte der Papst "die schwerste Form der Strafe", weil sie den innersten Kern der Person treffe. "Eine Sache ist, was wir für das begangene Schlechte verdienen; eine andere Sache dagegen ist der Atem der Hoffnung, der von nichts und niemandem erstickt werden kann", sagte Franziskus. Für Gott gebe es "keine Ruhe, bis er das verirrte Schaf wiedergefunden hat". Franziskus besuchte seit seinem Amtsantritt immer wieder Haftanstalten und warb für die gesellschaftliche Integration von Straffälligen. Bei der Messe im Petersdom benutzte er einen Kreuzstab aus Olivenholz, den eine Resozialisierungseinrichtung in San Remo vor zwei Jahren für ihn gefertigt hatte. Der Papst ist ein erklärter Gegner der Todesstrafe.

Gefangene mit Sondergenehmigung dabei

Zu dem besonderen Ereignis waren nach Angaben des Vatikans unter anderem 35 Gefangene aus Spanien eingeflogen worden. Auch italienische, britische, lettische, mexikanische, niederländische, südafrikanische sowie US-amerikanische Insassen italienischer Gefängnisse hätten an der Messe mit einer Sondergenehmigung teilgenommen.

Auf dem Petersplatz bat Papst Franziskus später die Regierungen weltweit um einen Straferlass für Gefangene. Im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit sollten die Behörden die Möglichkeit eines Gnadenaktes für geeignete Häftlinge prüfen. Zugleich verlangte er bessere Haftbedingungen, die "die Menschenwürde der Inhaftieren in vollem Umfang achten". Der Justizvollzug dürfe nicht ausschließlich auf Bestrafung zielen, sondern müsse Straftätern eine Perspektive zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft eröffnen. (jhe/dpa/KNA)