Papst Franziskus: Appell zur Kircheneinheit
Bild: © KNA
Papst trifft georgisch-orthodoxen Patriarchen Ilia II.

Papst Franziskus: Appell zur Kircheneinheit

Zum Abschluss seines Georgienbesuchs hat der Papst den orthodoxen Patriarchen Ilia II. getroffen. Beide bekundeten gegenseitige Wertschätzung. Kurz zuvor hatte das jedoch noch anders ausgesehen.

Tiflis - 02.10.2016

Mit einem Appell zur Kircheneinheit hat Papst Franziskus am Samstag sein Besuchsprogramm in Georgien beendet. In der Swetizchoweli-Kathedrale von Mzcheta, dem geistlichen Zentrum der georgisch-orthodoxen Kirche, rief er zu einem "geduldigen Voranschreiten" in der Ökumene in Vertrauen und Demut auf. Zu der Begegnung mit dem 83-jährigen Patriarchen Ilia II. kamen neben Gesandten anderer Konfessionen auch Regierungschef Giorgi Kwirikaschwili sowie Politiker und Diplomaten.

Auf ein gemeinsames Gebet wurde verzichtet. An der Papstmesse am Vormittag in Tiflis hatte anders als vorgesehen keine georgisch-orthodoxe Delegation teilgenommen. Medienberichten zufolge hatte der georgische Patriarch Ilia II. kurz vor Beginn der Papstvisite seinen Gläubigen ausdrücklich von einer Teilnahme an Veranstaltungen mit Franziskus abgeraten. Das Patriarchat verwies auf kirchenrechtliche Hinderungsgründe. Vatikansprecher Greg Burke erklärte, man akzeptiere die Entscheidung.

Linktipp - Papst: Orthodoxe nicht bekehren

Die Katholiken Georgiens fragten, der Papst antwortete. Dabei ging es unter anderem um das Verhältnis zu den Orthodoxen und den "großen Feind" der Ehe: die Gendertheorie.

Ilia II. sagte bei der Begrüßung des Papstes in der Kathedrale, beide Kirchen seien trotz ihrer Grenzen zur Einheit in Christus gerufen. Uneinigkeit und Trennungen dürften nicht an erster Stelle stehen. Dem Papst bekundete er "Wertschätzung und brüderliche Liebe".

Franziskus beklagte die Spaltung der Christen als "Risswunden" im Leib Christi. Zugleich bekannte er sich zu der Hoffnung, die ökumenischen Gegensätze könnten behoben werden. Die Vertreter der Kirchen dürften sich "niemals Gelegenheiten zu Begegnung und Dialog entgehen lassen" und müssten "das bereits Bestehende gemeinsam hüten und verbessern". Als Beispiel verwies der Papst auf den laufenden Dialog in einer gemeinsamen orthodox-katholischen Kommission und anderen Foren.

Georgisch-orthodoxe Kirche lehnt Dialog-Papier ab

In der Kommission hatte die georgisch-orthodoxe Kirche allerdings jüngst als einzige anwesende orthodoxe Kirche ein gemeinsames Papier abgelehnt, das als Meilenstein zur Klärung des Papstamtes im ersten Jahrtausend gilt. Auch waren Vertreter des Patriarchats von Tiflis dem orthodoxen Konzil auf Kreta im vergangenen Juni ferngeblieben.

Der Papst äußerte gegenüber Patriarch Ilia II. Verständnis für die Härten, die das christliche Georgien in der Geschichte erlebte. Das Land habe sich "nicht selten" in der Situation gefunden, sich selbst überlassen zu sein, sagte er. Zugleich habe Georgien seine christliche Identität durch "Gesten großer Offenheit, Aufnahme und Integration" gezeigt. Ilia II. seinerseits erinnerte an die Invasionen, die das Land erlitten habe. Dabei sei Georgien eine "Oase des Christentums" geblieben.

Der Papst setzt seine Kaukasusreise unterdessen mit einem eintägigen Besuch in Aserbaidschan fort. Am Sonntagmorgen landete er in der Hauptstadt Baku, wo er ohne großes Zeremoniell von Vize-Premierminister Yaqub Eyyubov begrüßt wurde. Vom Flughafen begab sich der Papst sofort zur katholischen Kirche im Stadtzentrum, um eine Messe zu feiern.

Der zeremonielle Empfang durch Staatsoberhaupt Ilham Aliyev ist am Nachmittag im Präsidentenpalast geplant. Anschließend führen Franziskus und Aliyev eine private Unterredung. Im weiteren Programmverlauf stehen eine Kranzniederlegung am Nationaldenkmal für die Gefallenen der Kriege und eine Rede des Papstes vor Regierungsvertretern, Diplomaten und Vertretern der Zivilgesellschaft an. Interreligiös bedeutsam ist die Begegnung mit Großmufti Allahschükür Paschazade in der Heydar-Aliyev-Moschee zum Abschluss der Reise. (bod/KNA)