Eine armenische Klosteranlage im Vordergrund und der schneebedeckte Berg Ararat im Hintergrund.
Vatikan prüft einen Besuch im Juni

Papst will nach Armenien reisen

Papst Franziskus wird voraussichtlich im Juni Armenien besuchen. Der Vatikan prüfe derzeit einen Besuch, sagte Sprecher Federico Lombardi. Eine solche Reise gilt allerdings mit Blick auf die Türkei als politisch heikel.

Vatikanstadt - 18.03.2016

Armenische Medien hatten jüngst über einen Besuch des Papstes vom 22. bis 26. Juni berichtet. Die armenisch-apostolische Kirche hatte allerdings im Februar mitgeteilt, der Papst werde Armenien wahrscheinlich im September besuchen.

Staatspräsident Sersch Sargsjan hatte den Papst nach eigenen Angaben 2014 bei einem Besuch im Vatikan in die Kaukasusrepublik eingeladen. Es wird voraussichtlich die 13. Auslandsreise des Kirchenoberhauptes. Zuletzt hatte Franziskus im Februar Mexiko besucht, Ende Juli ist eine Reise zum Weltjugendtag nach Polen geplant. Als bislang letzter Papst hatte 2001 Johannes Paul II. Armenien besucht. Damals war die Christianisierung Armeniens vor 1.700 Jahren der Anlass zur Reise.

Stichwort: Armenische Kirche

Armenien ist die erste christliche Nation in der Geschichte. Im Jahr 301 wurden der armenische König Trdat III. und seine Untertanen getauft und das Christentum damit zur Staatsreligion. Die armenisch-apostolische Kirche zählt wie etwa die Kopten zu den altorientalischen Kirchen. Sie unterscheiden sich sowohl von den Kirchen des Westens als auch von den Orthodoxen, weil sie die Lehre des Konzils von Chalcedon (451) nicht annahmen. Über 90 Prozent der Bevölkerung gehören ihr an. Daneben gibt es eine katholische Minderheit: die mit Rom verbundene (unierte) armenisch-katholische Kirche. (luk/KNA)

Politisch heikler Besuch mit Blick auf die Türkei

Eine Armenien-Reise von Franziskus gilt mit Blick auf die Türkei als politisch heikel. Sie wäre zwangsläufig mit einem Gedenken an die Verfolgung der Armenier im Osmanischen Reich vor 100 Jahren verbunden. Im April 2015 hatte Franziskus wütende Proteste Ankaras hervorgerufen, als er – wie Johannes Paul II. vor ihm – die Verfolgung der Armenier als "ersten Genozid des 20. Jahrhunderts" bezeichnete.

Die Türkei protestierte offiziell und bestellte den vatikanischen Botschafter ein. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warf dem Papst vor, mit seiner Äußerung "Feindschaft und Hass zu schüren". Armeniens Präsident Sersch Sargsjan lobte die Äußerungen des Papstes dagegen als "starkes Signal" an die internationale Gemeinschaft. (luk/KNA/dpa)