Papstbesuch auf dem Balkan
Papst besucht im Juni Sarajevo - Serbiens Präsident im Vatikan

Papstbesuch auf dem Balkan

Papst Franziskus unternimmt am 6. Juni eine Tagesreise nach Sarajevo. Wie der Vatikan am Dienstag mitteilte, wird er dort unter anderem zu einem Gespräch mit den Mitgliedern des Staatspräsidiums von Bosnien-Herzegowina zusammentreffen. Zudem sind Begegnungen mit Vertretern anderer Religionen und christlicher Kirchen, Jugendlichen sowie Priestern und Ordensleuten geplant.

Vatikanstadt - 15.04.2015

Auf dem Programm stehen ferner ein Gottesdienst im Stadion von Sarajevo sowie ein Treffen mit den katholischen Bischöfen des Landes. Am Abend fliegt der Papst nach Rom zurück.

In Bosnien-Herzegowina hat das aus Vertretern des bosnischen, kroatischen und serbischen Volksgruppe bestehende Staatspräsidium die Funktion des Staatsoberhaupts. Der Vorsitz in dem Gremium wechselt alle acht Monate zwischen den Volksgruppen. Zum Zeitpunkt der Reise steht der Serbe Mladen Ivanic dem Präsidium vor. Papst Johannes Paul II. (1978-2005) hatte 1997 Sarajevo und 2003 die Provinz Banja Luka besucht.

Franziskus kritisiert "Massenvernichtungen" vor 20 Jahren

Es handelt sich um die achte Auslandsreise des Pontifikates; die neunte soll Franziskus vom 6. bis 12. Juli nach Ecuador, Bolivien und Paraguay führen. Der Papst hatte Anfang Februar seinen Entschluss angekündigt, die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina zu besuchen, um bei der "Konsolidierung" des Friedens zu helfen. Am vergangenen Sonntag zählte er bei der Messe für die Armenier neben dem Völkermord im Osmanischen Reich 1915/16, der Schoah, den stalinistischen Morden und dem Genozid in Ruanda 1994 auch die "Massenvernichtungen" in Bosnien 1991 bis 1995 zu den dunklen Ereignissen des 20. Jahrhunderts.

Der Bascarsija-Platz beim Basar von Sarajevo.

Sarajevo gehörte wie das kroatische Vukovar zu den am stärksten durch den Krieg auf dem Balkan betroffenen Städten, als in den 1990er Jahren nach der Unabhängigkeit der einstigen Staaten Jugoslawiens die schwelenden Konflikte blutig eskalierten.

In ganz Europa wird in diesem Jahr an das Ende des Bosnien-Kriegs vor 20 Jahren erinnert. Das Abkommen von Dayton beendete 1995 nach dreieinhalb Jahren den Krieg in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik. Es brachte eine Teilung von Bosnien und Herzegowina in zwei gleich große Teilrepubliken (Entitäten): die Republika Srpska (Serbische Republik) und die (bosniakisch-kroatische) Föderation von Bosnien und Herzegowina. Kritiker sehen als Folgen des Dayton-Vertrags eine de-facto-Duldung der ethnischen Säuberungen und eine Festigung der im Krieg gewalttätig geschaffenen Territorien.

Heiligsprechung von Kardinal Stepinac möglich?

Das vatikanische Presseamt teilte zudem mit, dass Franziskus am Freitag den serbischen Staatspräsidenten Tomislav Nikolic zu einer Privataudienz im Vatikan empfängt. Dabei dürfte es ebenfalls um die Sarajevo-Reise gehen, aber auch um eine mögliche Heiligsprechung des kroatischen Märtyrerkardinals Alojzije Stepinac (1898-1960).

Der Papst war laut Presseberichten im März einer Bitte des serbisch-orthodoxen Patriarchats entgegengekommen und hatte das Heiligsprechungsverfahren modifiziert. Die serbische Zeitung "Politika" berichtete, dass Franziskus der Belgrader Kirchenführung, die sich der Heiligsprechung des Kardinals widersetzt, Gespräche vorgeschlagen habe. Der Papst sei dafür, dass beide Seiten dabei Argumente zu strittigen Fragen vortragen, hieß es.

Stepinac wurde 1998 von Papst Johannes Paul II. als Märtyrer seliggesprochen. Der kroatische Kirchenführer ist in Serbien umstritten, weil er anfangs eine profaschistische Haltung eingenommen hatte. Als das faschistische Regime der Ustascha 1941 den unabhängigen Staat Kroatien, einen Vasallenstaat Nazideutschlands, proklamierte, reagierte Stepinac zunächst optimistisch. Doch bald wandelte sich seine Zustimmung in Opposition, und er half bei der Rettung Hunderter Verfolgter.

Die nach dem Krieg an die Macht gekommenen Kommunisten verwendeten seine anfängliche Begeisterung jedoch gegen den Kardinal. Er wurde wegen Kollaboration verurteilt. Die Gründung einer vom Vatikan losgelösten katholischen Kirche unter der Ägide der Kommunisten lehnte Stepinac ab. (KNA)