Patriarch hofft auf Konsolidierung der Orthodoxie
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Moskauer Patriarch Kyrill I. äußert sich zum orthodoxen Konzil

Patriarch hofft auf Konsolidierung der Orthodoxie

Der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill I., erhofft sich vom bevorstehenden orthodoxen Konzil eine "Konsolidierung der orthodoxen Welt". Das Kirchenoberhaupt hatte zuletzt großen Einfluss auf die Vorbereitungen des Konzils genommen.

Moskau/Genf - 27.01.2016

"Falsche Gerüchte" über eine mögliche Kalenderreform hätten unter russischen Gläubigen für große Unruhe gesorgt, so der russisch-orthodoxe Patriarch. Deshalb sei es wichtig, dass das Thema nicht auf der Tagesordnung des Konzils stehe. Kyrill I. begrüßte zugleich die Verlegung des Konzils vom türkischen Istanbul auf die griechische Insel Kreta auf Vorschlag des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel und Ehrenoberhaupts der Orthodoxie, Bartholomaios I. Die Insel biete für das Konzil gute Arbeitsbedingungen, so der Patriarch.

Kyrill I. hatte wegen der russisch-türkischen Spannungen Istanbul als Konzilsort abgelehnt. Seit dem Abschuss eines russischen Militärflugzeugs durch die türkische Armee im November warnt die Regierung in Moskau ihre Bürger vor Reisen in die Türkei.

Konzil klammert ukrainische Fragen aus

Bei dem am 19. Juni auf Kreta beginnenden Konzil stehe auch die Ukraine nicht auf der Tagesordnung. In Chambesy bei Genf habe man vereinbart, dass auf Kreta weder die mögliche Verleihung der Eigenständigkeit an die zum Moskauer Patriarchat gehörende ukrainisch-orthodoxe Kirche noch die "Legalisierung" der schismatischen Kirchen diskutiert werde, so der russisch-orthodoxe Patriarch. Auch die anderen orthodoxen Kirchen unterstützten die ukrainischen Schismatiker nicht. In der Ukraine hatten sich im vergangenen Jahrhundert zwei Kirchen von der Kirche des Moskauer Patriarchats abgespalten. Nur Letztere wird von der Weltorthodoxie anerkannt.

Hintergrund Orthodoxie: Die eine, vielfältige Kirche

Die eine Kirche Christi tritt in verschiedensten Formen auf, etwa in den orthodoxen und orientalischen Kirchen. Wir erklären das katholische Verständnis von "Kirche", was das für die Ökumene bedeutet und stellen unterschiedliche Traditionen vor.

Die orthodoxen Kirchen sind seit langem uneins in der Kalenderfrage. Etwa die Hälfte der orthodoxen Kirchen richtet sich nach dem Gregorianischen Kalender und feiert Weihnachten wie die westlichen Kirchen. Dazu gehören die Kirchen von Konstantinopel (Ökumenisches Patriarchat), Alexandrien, Antiochien, Rumänien, Bulgarien, Zypern, Griechenland und Albanien. Nach dem Julianischen Kalender richten sich hingegen die orthodoxen Kirchen von Jerusalem, Russland, Serbien, Polen, Tschechien und der Slowakei sowie Georgien.

Die russische Kirche ist mit deutlich mehr als 100 Millionen Gläubigen die mit Abstand größte orthodoxe Nationalkirche. Weltweit bekennen sich etwa 220 Millionen Menschen zum orthodoxen Christentum. Die Orthodoxie zählt 14 allgemein anerkannte autokephale orthodoxe Kirchen (Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien, Jerusalem, Russland, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Georgien, Zypern, Griechenland, Polen, Albanien, Tschechien und Slowakei) sowie fünf autonome orthodoxe Kirche (Finnland, Estland, Japan, Amerika, Sinai). Dazu kommen zahlreiche weitere Kirchen, deren Status strittig oder nicht von allen Kirchen anerkannt ist. (KNA)