Pilgerziele neben Badestränden
Wie man im Urlaub europäische Wallfahrtsorte besuchen kann

Pilgerziele neben Badestränden

Warum nicht die letzten Sommertage nutzen und einmal einen europäischen Pilgerort besuchen? Katholisch.de stellt schöne Wallfahrtsorte vor, die von beliebten Urlaubszielen aus gut zu erreichen sind.

Von Agathe Lukassek |  Bonn - 03.09.2016

Die Wieskirche, eigentlich die Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland auf der Wies in Steingaden, gehört zum Weltkuturerbe der Unesco.

Wieskirche (Bayern)

Die beliebteste Urlaubsregion der Deutschen im Inland ist Bayern: Natur, schöne Landschaft und die Alpen zum Wandern. In dieser Gegend, genauer gesagt, in Steingaden zwischen Oberbayern und dem Allgäu, liegt die berühmte Wieskirche. Sie geht auf eine Wallfahrt zur Verehrung eines wundertätigen Passionsbildes zurück, das in einem der prachtvollsten Bauwerke des bayerischen Rokoko dargestellt wird. Neben Pilgern ziehen die kunstvoll gestalteten Stuckverzierungen und die Deckengemälde im Inneren auch Touristen an. Die von den Brüdern Dominikus und Johann Baptist Zimmermann geschaffenen Verzierungen erzeugen eine heitere und leicht bewegte Dekoration, deren Reichtum und Feinheit unerreicht sind. Die Wieskirche gilt als Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft und gehört zum Weltkulturerbe der Unesco. – 60 Kilometer von Kempten; 45 Kilometer von Garmisch-Partenkirchen entfernt.

Die Basilika von Mariazell in der Steiermark ist der wichtigste Wallfahrtsort in Österreich. Seit dem 12. Jahrhundert wird hier ein hölzernes Mariengnadenbild verehrt.

Mariazell (Österreich)

Für Österreich-Urlauber lohnt sich ein Besuch in Mariazell, dem wichtigsten Wallfahrtsort des Landes, der in der Tourismusregion Steiermark liegt. Seit dem 12. Jahrhundert wird hier bis heute ein hölzernes Mariengnadenbild als Magna Mater Austriae, als große Mutter Österreichs, verehrt. Laut Gründungslegende nahm ein Benediktinermönch aus St. Lambrecht die Holzstatue in sein neues Missionsgebiet mit. Nachdem er zur Muttergottes gebetet hatte, spaltete sich ein Felsen, der ihm zuvor den Weg versperrt hatte. Am Ziel angekommen, stellte der Mönch die Marienstatue auf einen Baumstrunk und baute seine "Zelle", die als Kapelle und Unterkunft für ihn diente. Heute fällt die Basilika wegen ihrer dreier Kirchtürme auf: links und rechts des gotischen Turms wurde je ein barocker Turm errichtet. 2007 zeichnete Papst Benedikt XVI. den Wallfahrtsort mit der Goldenen Rose aus; jeden Tag werden mehrere Messen gefeiert. – 115 km von Graz; für Fußpilger gibt es mehrere Pilgerwege nach Mariazell.

Blick von der Gebetsstätte an der St.-Jakobus-Kirche in Medjugorje auf die Landschaft von Bosnien-Herzegowina. Die Küste Kroatiens ist nur 40 Kilometer entfernt.

Medjugorje (Bosnien-Herzegowina)

Die offiziell nicht anerkannte, aber von Millionen Gläubigen besuchte Pilgerstätte ist kein lohnenswertes Ziel für Urlauber? Falsch: Medjugorje in Bosnien-Herzegowina liegt nur wenige Kilometer hinter der Grenze Südkroatiens mit seinen beliebten Badestränden. Die Einreise ist für Deutsche mit einem mindestens drei Monate gültigem Pass oder Personalausweis möglich. In dem Ort soll es seit dem 24. Juni 1981 zu Marienerscheinungen gekommen sein. Sechs Kinder berichteten damals, die Gottesmutter habe sich ihnen gezeigt, während sie Schafe hüteten. Die Erscheinungen dauern nach Angaben der inzwischen erwachsenen Seherinnen und Seher weiter an. Dank des Pilgeransturms gibt es in Medjugorje – anders als im Rest des Landes – praktisch keine Arbeitslosigkeit; laufend werden neue Hotels und Apartments gebaut. Die Franziskaner sind für das Pilgerwesen verantwortlich; angeblich ist jedoch ein päpstlicher Verwalter für den Ort geplant. – 140 km je von Split und Dubrovnik und 50 km von Gradac (Kroatien) entfernt.

Die große Wallfahrtsbasilika San Pio da Pietrelcina in San Giovanni Rotondo aus dem Jahr 2004. Rechts davon befindet sich der Kapuzinerkonvent und die alte Kirche, in der Pater Pio (1987-1968) vielen Menschen die Beichte abnahm.

San Giovanni Rotondo und Monte Sant’Angelo (Italien)

Die Wirkungs- und Ruhestätte eines der beliebtesten Heiligen des 20. Jahrhunderts liegt im "Sporn" des italienischen Stiefels: Pater Pio (1887-1968) liegt in San Giovanni Rotondo  begraben. Jedes Jahr besuchen Hunderttausende das Konventsmuseum der Kapuziner, den Beichtstuhl des Heiligen und die 2004 erbaute neue Kirche des Stararchitekten Renzo Piano, in dem der konservierte Leichnam von Padre Pio ausgestellt ist. Weitaus weniger Pilger wissen, dass sich nur wenige Kilometer weiter das älteste dem Erzengel Michael geweihte Heiligtum Europas befindet: Das Santuario di San Michele Arcangelo liegt im Gargano-Vorgebirge mit Blick auf die Adria-Küste (siehe großes Bild oben). Über der Grotte, in der Michael erschienen sein soll, liegt eine Kirche aus der Zeit der Langobarden in Italien (568-774) – sie gehört zum Unesco-Welterbe.  – 90 km südlich von Termoli, 150 km nördlich von Bari; Entfernung zu den Badeorten rund um den Gargano-Nationalpark: Rodi (50 km), Vieste (75 km), Mattinata (38 km).

Die Basilika vom Heiligen Haus in Loreto, bei Ancona an der Adria-Küste Italiens. In ihr wird das Wohnhaus der Jungfrau Maria und der Heiligen Familie von Nazaret verehrt.

Loreto (Italien)

Auf der norditalienischen Seite der Adria liegt nahe der Küste einer der wichtigsten katholischen Pilgerorte: Loreto mit der "Santa Casa". In der Basilika vom Heiligen Haus wird seit der Kreuzfahrerzeit das Wohnhaus Mariens und der Heiligen Familie von Nazaret verehrt. Der Legende nach brachten Engel das Haus im Jahr 1244, nachdem Muslime Jerusalem eingenommen hatten, nach Kroatien, von wo es knapp 50 Jahre später nach Loreto überführt wurde. Heute geht man davon aus, dass die "Engel" eine adelige Familie namens Angelos war, die das Haus verschiffte. In dem Häuschen, das in der Renaissance von berühmten italienischen Künstlern figurenreich verkleidet wurde, soll der Erzengel Gabriel Maria die Geburt von Jesus verkündet haben. Nur ein kleines "Engelsfenster" spendet Licht. Zahlreiche Nachbauten der Loreto-Kapelle in ganz Europa sind Unserer Lieben Frau von Loreto geweiht. – Rund 130 km von Rimini und San Marino; weniger als 30 km von Ancona und der Riviera del Conero entfernt.

Blick vom spanischen Montserrat-Gebirge auf die Benediktinerabtei Santa Maria de Montserrat. Barcelona liegt 60 Kilometer südwestlich des Wallfahrtsorts.

Montserrat (Spanien)

Für katholische Urlauber an der Costa Brava oder in Barcelona bietet sich ein Ausflug auf den Berg Montserrat an. In der Benediktinerabtei Santa Maria wird "Unsere Liebe Frau von Montserrat" verehrt, eine knapp ein Meter hohe in Gold gefasste Marienfigur. Nur am Gesicht und an den Händen ist erkennbar, dass sie ursprünglich aus Pappelholz ist – mit ein Grund, warum sie von Einheimischen La Moreneta ("kleine Braune") genannt wird. Die Schutzpatronin Kataloniens wurde der Überlieferung nach Ende des 9. Jahrhunderts von einem Schäferjungen in einer Höhle des Bergs gefunden. Da sie scheinbar zu schwer war, um wegtransportiert zu werden, gab der damalige Bischof den Auftrag, um sie herum eine Einsiedelei zu bauen. Im Klostermuseum finden sich Gemälde von El Greco, Caravaggio, Dalí, Picasso und weiteren bedeutenden Künstlern. – Rund 60 km von Barcelona; 115 km von Blanes entfernt.

Die Basilica Antiga in Fatima.

Fatima (Portugal)

Das portugiesische Fatima ist einer der meistbesuchten Wallfahrtsorte der Welt. Im Jahr 1917 soll hier Maria drei Hirtenkindern erschienen sein. Die Heilige Jungfrau kam ein halbes Jahr lang, immer am 13. eines Monats, und fordert sie auf, den Rosenkranz zu beten. Berühmt-berüchtigt wurde der Ort durch ein nicht erklärbares Sonnenwunder und die "drei Geheimnisse von Fatima", die Maria den Kindern prophezeite. Bis heute geht es den Fatima-Pilgern nicht etwa um Krankenheilung, sondern um Buße und die Bitte um Vergebung. Grund dafür ist eine Höllenvision, in der die Gottesmutter den Kindern schwarze Seelen in einem Feuermeer zeigte. – 130 km nördlich von Lissabon, 190 km südlich von Porto.

Die Basilika Sainte-Thérèse in Lisieux (1954 fertiggestellt) in der Normandie, in der die Heilige Therese vom Kinde Jesu (1873–1897) verehrt wird.

Lisieux (Frankreich)

Lisieux im Norden Frankreichs, einst eine von Marktgrafen beherrschte Metropole, lag lange Zeit im Dornröschenschlaf – bis der Tod einer jungen Ordensfrau alles änderte. Die Karmelitin Therese vom Kinde Jesu (1873-1897), früh an Tuberkulose gestorben, wurde für ihren "kleinen Weg" einer innigen Hingabe an Gott, vom Volk verehrt. Ihre "Geschichte einer Seele" wurde ein Bestseller. Bei ihrer Seligsprechung 1923 wurden Thereses Gebeine in einen prächtigen Schrein gelegt; seit 1954 gibt es die riesige Basilika von Lisieux zu ihren Ehren. – Die "weltlichen" Sehenswürdigkeiten der Normandie sind nicht weit, etwa der Teppich von Bayeux (60 km) oder der moderne Stadtkern von Le Havre (65 km).

Von Agathe Lukassek