Der Eichstätter Dom.
Bischof Gregor Maria Hanke gab Seminarist zweite Chance

Priesterweihe von Kritik des Zentralrats begleitet

Einer der drei Eichstätter Neupriester war vor fünf Jahren wegen KZ-Witzen aufgefallen. Bischof Hanke weihte ihn trotzdem, um ihm eine zweite Chance zu geben. Doch der Zentralrat der Juden übt Kritik.

Eichstätt - 22.04.2018

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hat am Samstag drei junge Männer zu Priestern seines Bistums geweiht. Unter den Kandidaten war auch ein 30-jähriger Franke aus dem Erzbistum Bamberg, der vor fünf Jahren nach einer Untersuchung antisemitischer Vorfälle aus dem Würzburger Priesterseminar entlassen worden war. Der Kandidat hatte KZ-Witze erzählt und Adolf Hitler parodiert. Im Bistum Eichstätt erhielt er eine zweite Chance.

Am Vortag der Weihe bekräftigte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, in mehreren Medien seine Kritik an der Entscheidung des Eichstätter Bischofs. "Das gute Verhältnis, das Miteinander der katholischen Kirche mit jüdischen Gemeinden in Deutschland sind durch diesen Vorgang geschädigt", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Schuster hält den behaupteten Einstellungswandel des Diakons nicht für glaubwürdig.

Vor einem Monat hatte der 30-Jährige erstmals öffentlich Reue über die Vorfälle bekundet. Im Gespräch mit Journalisten sprach er von "Bockmist" und bat die dadurch von ihm verletzten Menschen um Verzeihung. Er sei weder Antisemit noch Ausländerhasser oder Rechtsradikaler und habe inzwischen viel dazugelernt.

Bild: © KNA

Josef Schuster ist Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Über seine Zulassung zur Priesterweihe war bereits mit seiner Diakonweihe im Juni 2017 entschieden worden. Aus Sicht seiner Vorgesetzten hat sich der Kandidat bewährt, dies werde auch durch mehrere Gutachten untermauert. Der Bischof rechtfertigte die Weihe damals als "Akt der Barmherzigkeit". Die Kirche könne sich mit Fehlverhalten nicht abfinden, es müsse aber ihr Anliegen sein, "dass Menschen sich verändern, sich wandeln". Im Nachgang kam es zu einer Aussprache zwischen Hanke und Schuster.

Dessen ungeachtet fühlt sich der Zentralratspräsident nach eigenen Worten bis heute getäuscht. Verantwortliche der Diözesen Würzburg und Bamberg hätten ihm seinerzeit zugesichert, dass der entlassene Kandidat nicht mehr durch den "Hintereingang" in ein anderes Priesterseminar aufgenommen werden könne. Dies allerdings habe er damals schon befürchtet und so sei es auch gekommen.

Hanke sagte in seiner Predigt zur Bischofsweihe, Priester seien keine Behördenchefs und sollten sich nicht durch Leistung und Erfolg definieren. Das aus dem Glauben an den Vater im Himmel gelebte Kindsein lasse eigene Fehler und Schwächen erkennen und mache frei, Unzulänglichkeiten und Versagen einzugestehen. "Wir werden und wurden nicht zu Priestern geweiht, weil wir heilig und vollkommen sind", so der Bischof. (KNA)