Reise mit Risiko
Papst Franziskus will die Zentralafrikanische Republik besuchen

Reise mit Risiko

Ob Papst Franziskus das Land in gut einer Woche besuchen wird, ist weiterhin ungewiss. Sicher ist nur: Die Zentralafrikanische Republik ist eines der ärmsten und gefährlichsten Länder der Welt. Seit fast drei Jahren herrscht dort Bürgerkrieg.

Von Joachim Heinz (KNA) |  Bangui/Bonn - 20.11.2015

Das Land im Herzen des Kontinents mit seinen rund 5,3 Millionen Einwohnern schafft es meist nur in Verbindungen mit blutigen Konflikten in die internationalen Schlagzeilen. Daran hat sich seit der Unabhängigkeit von Frankreich 1960 eigentlich nicht viel geändert. Verheerend war vor allem das Regime von Jean-Bedel Bokassa, der sich 1966 an die Macht putschte und in den folgenden 13 Jahren schwerste Menschenrechtsverletzungen beging. Immer wieder aufkommende Gerüchte, dass er Kannibale sei, wischte er später mit der Bemerkung beiseite: "Es heißt, Leichenteile seien in meinen Kühlschränken gefunden worden. Dies waren nicht meine Kühlschränke."

Auf jeden Fall aber plünderte der lange von den einstigen französischen Kolonialherren gestützte Despot hemmungslos die Kassen des Staates. Allein seine am 4. Dezember 1976 vollzogene Kür zur "kaiserlichen Majestät Bokassa dem Ersten, Kaiser von Zentralafrika durch den Willen des Zentralafrikanischen Volkes vereinigt in der nationalen politischen Partei, der MESAN" verschlang angeblich die sagenhafte Summe von 20 Millionen US-Dollar. Die Krönung vornehmen sollte laut einigen Quellen übrigens kein Geringerer als Papst Paul VI. Doch Franziskus' Vorgänger lehnte dankend ab.

Arm an Kultur, reich an Bodenschätzen

Eine "politische Kultur" oder wenigstens politische Vorbilder hat es in der Zentralafrikanischen Republik nie gegeben. Heute rangiert sie im Entwicklungsindex HDI auf Platz 185 von 187. Dabei verfügt das Land über reiche Ressourcen: Hauptexportartikel sind Diamanten und Holz. Daneben gibt es bedeutende Uran-Lagerstätten. Doch davon profitierten in der Vergangenheit stets die anderen. Immer wieder wird die Bevölkerung zudem durch Konflikte in den Nachbarländern wie dem Kongo in Mitleidenschaft gezogen.

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Die Kämpfe zwischen der eher muslimisch geprägten Miliz Seleka, die 2013 Präsident Francois Bozize stürzte, und den vielfach von Christen unterstützten Kämpfern der Anti-Balaka haben nur vordergründig etwas mit Religion zu tun. Dahinter stecken Korruption und Ohnmacht der öffentlichen Hand, wirtschaftliche Verteilungskonflikte sowie jahrelang angestaute Frustration und Perspektivlosigkeit innerhalb einer wachsenden Bevölkerung, deren Durchschnittsalter bei gerade einmal 19 Jahren liegt.

Der Besuch bleibt weiter ungewiss

Ständig flackern deswegen die Kämpfe neu auf, längst haben sich neue bewaffnete Splittergruppen gebildet. Weder die rund 9.000 im Land stationierten UN-Soldaten noch die Übergangsregierung in Bangui unter Catherine Samba-Panza scheinen bislang die Lage in den Griff zu bekommen. Ob die zweistufigen Präsidentschaftswahlen wie geplant im Dezember beginnen können, ist völlig offen. Nach den jüngsten Ausschreitungen rieten Sicherheitsexperten Papst Franziskus gar ab, überhaupt nach Zentralafrika zu kommen. Der Papst will kommen, bekräftigte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin - um einschränkend hinzuzufügen, dass der Besuch eventuell kurzfristig aus Sicherheitsgründen entfallen könnte.

Für den Erzbischof von Bangui, Dieudonne Nzapalainga, wäre das eine herbe Enttäuschung. "Wir hoffen, dass dieser Mann des Friedens, der die Ideale von Armut und Einfachheit vorlebt, die Zentralafrikaner dazu bringen kann, sich wieder zusammenzutun", sagte er unlängst im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Zusammen mit anderen Religionsführern versucht Nzapalainga, zwischen den Fronten zu vermitteln. Dafür erhielten er und der Präsident des Islamischen Rates der Zentralafrikanischen Republik, Oumar Kobine Layama, im September den Aachener Friedenspreis. Beide wollen weiter für Versöhnung werben - ohne Rücksicht auf die eigene Person. "Wenn man das Risiko eingeht, Menschen zu retten, kann man sein eigenes Leben verlieren", sagt Nzapalainga.

Von Joachim Heinz (KNA)