Ein Mönch geht in Siegburg durch das Kloster der Abtei Michaelsberg.
Ordensgemeinschaft will sich für Zukunft rüsten

Salvatorianer lösen vier von acht Niederlassungen auf

Wie alle Orden leiden auch die Salvatorianer unter Nachwuchsmangel und Überalterung. Jetzt zieht die Gemeinschaft die Reißleine und löst die Hälfte ihrer Niederlassungen im deutschsprachigen Raum auf.

Bonn/München - 10.04.2018

Die deutsche Ordensprovinz der Salvatorianer löst vier ihrer acht Niederlassungen auf. Das gab die Gemeinschaft am Dienstag bekannt. Demnach sind die folgenden Standorte von einer Auflösung betroffen: Münster-St. Gottfried (Diözese Münster), Maria Steinbach (Diözese Augsburg), Stuttgart-Giebel (Diözese Rottenburg-Stuttgart) und Lochau/Hörbranz-Vorarlberg (Diözese Feldkirch/Österreich). Die Niederlassung in Stuttgart soll bereits im Juli dieses Jahres aufgelöst werden, für die übrigen Standorte werde noch ein genauer Zeitplan erarbeitet, sagte Provinzial Pater Hubert Veeser gegenüber katholisch.de.

"Es tut weh, mehrere Orte aufzugeben, an denen die Salvatorianer so lange und so erfolgreich mit den Menschen gearbeitet und gelebt haben", sagte Veeser. Leider verlange die Personalsituation jedoch "harte Entscheidungen". "Ich bitte alle, die sich an diesen Orten mit den Salvatorianern eng verbunden fühlen, um ihr Verständnis."

Die Salvatorianer würden in Deutschland und in ganz Westeuropa einen gravierenden Rückgang der Ordensberufungen erleben, hieß es in der Mitteilung des Ordens. Deshalb habe die deutsche Ordensprovinz in den vergangenen drei Jahren einen "intensiven Personal- und Pastoralplanungsprozess" durchgeführt. Der Gemeinschaft sei es dabei wichtig gewesen, "nicht zu warten, bis an einzelnen Orten ein Rückzug unvermeidlich ist, sondern diese Entscheidungen noch selber steuern zu können". Der Prozess fand in der Osterwoche in einem Provinzkapitel der Deutschen Provinz in Steinfeld/Eifel seinen Abschluss.

In den vier von der Auflösung betroffenen Niederlassungen würden 16 Ordensmänner leben, sagte Veeser. Diese sollen mehrheitlich an die verbleibenden Standorte übersiedeln. "Wir werden gute menschliche Lösungen für die Mitbrüder finden", so der Provinzial. Die Salvatorianer wollen die nächsten Schritte "transparent und gemeinschaftlich" mit allen Beteiligten gestalten. Gespräche mit den Bistumsleitungen und den Gremien vor Ort hätten bereits stattgefunden oder seien in Kürze geplant.

Die Salvatorianer sind eine internationale Gemeinschaft, die 1881 von dem aus der Erzdiözese Freiburg stammenden Pater Franziskus Jordan (1848-1918) gegründet wurde. Weltweite missionarische Pastoral und Bildung sind Schwerpunkte der Arbeit. In Deutschland leben derzeit 59 Salvatorianer. Eine große Zahl ist laut Veeser bereits über 80 Jahre alt. Mit der Neustrukturierung erhofft sich die Gemeinschaft nach eigenen Angaben "eine Bündelung der Kräfte und mehr Klarheit über die Zukunftsperspektiven der Mitbrüder".

Aus den derzeit acht Niederlassungen seien gemeinschaftlich vier benannt worden, die trotz des personellen Engpasses dauerhaft erhalten werden sollen: München-Laim (Erzdiözese München und Freising), Berlin-Schmargendorf (Erzdiözese Berlin), Steinfeld-Eifel (Diözese Aachen) und Bad Wurzach-Oberschwaben (Diözese Rottenburg-Stuttgart). Einen "besonderen Status als Projekt" habe ein weiterer Standort in Gurtweil/Waldshut, dem Geburtsort des Ordensgründers Franziskus Jordan. Über die langfristige Perspektive dieses Standortes – der nicht als eigene Niederlassung gilt – müsse noch gesondert entschieden werden. (tmg)