Blick auf die türkische Metropole Istanbul.
Franziskus trifft in Istanbul auf Spuren seiner Vorgänger

Schillernde Stadt

Istanbul ist eine vom Islam geprägte Stadt, allem verordneten Laizismus zum Trotz. Doch gleichzeitig ist sie eine der bedeutendsten Orte der christlichen Geschichte.

Von Alexander Brüggemann (KNA) |  Istanbul - 28.11.2014

Neben etwa 2.000 Moscheen gibt es bis heute rund 150 christliche Kirchen im Stadtgebiet der 15-Millionen-Metropole: armenische, griechisch-orthodoxe, katholische, syrische, anglikanische und evangelische. Die Gemeinden, oft versteckt, abgelegen und nur in den seltensten Fällen auch von Touristen oder westlichen Pilgern besucht, führen ein bescheidenes Schattendasein jenseits der vermeintlichen Segnungen der westlichen Zivilisation: den Discos, Musik-Shops und Imbissbuden.

Papst Benedikt XV.
Bild: © KNA

In seinem Schreiben „Maximum illud“ wandte sich Papst Benedikt XV. gegen die Missionspraktiken der Kolonialzeit.

Ein denkmal für den "Friedenspapst"

Wenn Franziskus als vierter Papst der Neuzeit nach Paul VI. (1967), Johannes Paul II. (1979) und Benedikt XVI. (2006) nach Istanbul reist, trifft er auch auf teils überraschende Spuren seiner Vorgänger. Schon seit 1921 etwa gibt es vor der lateinischen Heilig-Geist-Kathedrale im Stadtteil Harbiye ein Denkmal für den " Friedenspapst " des Ersten Weltkriegs, Benedikt XV. (1914-1922).

Ein Papstdenkmal in Istanbul, noch dazu aus überaus laizistischer Zeit? Aufgestellt bereits wenige Wochen vor dem Tod Benedikts XV., erinnert es an die vielfältigen humanitären Hilfsleistungen dieses Papstes für die Notleidenden - und an die unermüdlichen, letztlich vergeblichen diplomatischen Bemühungen, die kämpfenden Mächte Europas zu einem Frieden zu bewegen.

Im Westen sind die Initiativen Benedikts XV. schon bald historischem Vergessen anheimgefallen. Hier am Bosporus, wo das Osmanische Reich während des Kriegs an der Seite Deutschlands zerbröselte, erinnert bis heute die Inschrift des Denkmals an den "großen Papst der Welttragödie Benedikt XV. - dem Wohltäter der Völker ohne Unterschied der Nationalität und Religion, zum Zeichen der Dankbarkeit des Orients (1914-1919)".

"Freund der Türken"

Die nahe gelegene Straße, in der die Türkische Bischofskonferenz ihren Sitz hat, trägt sogar den Namen eines Papstes. Bürgermeister Mustafa Sarigul benannte die frühere "Ölcek Sokak" 2001 in "Papa Roncalli Sokak" (Papst-Roncalli-Straße) um. Angelo Giuseppe Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII. (1958-1963), wirkte von 1934 bis 1944 als Vatikanbotschafter für die Türkei und Bulgarien mit Sitz in Ankara. In dieser Zeit habe er sich als ein "Freund der Türken" erwiesen und sogar die Landessprache gelernt, so der Bürgermeister.

Die Hagia Sophia in Istanbul.

Sarigul würdigte den im April 2014 heiliggesprochenen Konzilspapst damals als "Initiator des christlich-muslimischen Dialogs ". In Anwesenheit des griechisch-orthodoxen und des armenischen Patriarchen nannte der Bürgermeister das "Mosaik" verschiedener Kulturen, wie es in Istanbul existiere, einen "Reichtum für jedes Gemeinwesen".

Eine Statue von Johannes XXIII.

Tatsächlich finden im Alltag nicht immer alle dieser "Mosaiksteine" Gefallen in den Augen der türkischen Behörden. Benedikt XVI. segnete bei seinem Türkei-Besuch 2006 zudem eine Statue von Johannes XXIII. Die fast lebensgroße Bronzeskulptur des Künstlers Carlo Balljana wurde später vor der italienischen Nationalkirche des heiligen Antonius aufgestellt. Diese größte katholische Kirche Istanbuls liegt im Stadtteil Galata, an der Flaniermeile Istiklal Caddesi.

Wie bei Benedikt XVI. ist auch diesmal wieder ein Stopp des Papstes in der Hagia Sophia vorgesehen. Erbaut unter Kaiser Justinian im sechsten Jahrhundert, wurde sie 1453 zur Moschee und 1935 zum Museum umgewandelt. Bei seiner Kurzvisite 1967 kniete Paul VI. in der einst größten Kirche der Welt zum Gebet nieder - und brachte damit den türkischen Außenminister in einige Verlegenheit. Dass sich auch Papst Franziskus auf symbolträchtige Gesten versteht, zeigte er nicht nur bei seiner Heilig-Land-Reise im Mai und dem späteren Nahost-Friedensgebet in den Vatikanischen Gärten. Auch er dürfte wohl seine Spuren in Istanbul hinterlassen.

Das Programm der Türkei-Reise des Papstes:

Freitag, 28. November 2014 9.00 Uhr: Abflug vom Flughafen Rom-Fiumicino nach Ankara 13.00 Uhr: Ankunft auf dem Flughafen Esemboga in Ankara Besuch des Mausoleums von Mustafa Kemal Atatürk Begrüßungszeremonie im Präsidentenpalast Besuch bei Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan Treffen mit offiziellen Repräsentanten Treffen mit Ministerpräsident Ahmet Davutoglu Besuch beim Präsidenten des Amtes für religiöse Angelegenheiten, Mehmet Görmez, im Diyanet Samstag, 29. November 2014 9.30 Uhr: Abflug vom Flughafen Esemboga in Ankara 10.30 Uhr: Ankunft auf dem Internationalen Atatürk-Flughafen in Istanbul Besuch des Hagia-Sophia-Museums Besuch der Sultan-Ahmed-Moschee (Blaue Moschee) Heilige Messe in der katholischen Heilig-Geist-Kathedrale Ökumenisches Gebet in der orthodoxen Patriarchalkirche des Heiligen Georg Private Begegnung mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., im Patriarchatspalast Sonntag, 30. November Private Heilige Messe am Sitz der Apostolischen Delegation Göttliche Liturgie in der Patriarchalkirche des heiligen Georg. Ökumenischer Segen und Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung Mittagessen des Papstes mit Patriarch Bartholomaios I. im Ökumenischen Patriarchat 16.45 Uhr: Verabschiedung am Internationalen Atatürk-Flughafen in Istanbul 17.00 Uhr: Abflug 18.40 Uhr: Ankunft auf dem Flughafen Rom-Ciampino (KNA)

Von Alexander Brüggemann (KNA)