"Sie starben in Mekka"
Kran-Unglück an Großer Moschee fordert 107 Todesopfer und 238 Verletzte

"Sie starben in Mekka"

Mehr als 100 Menschen sind am Freitag bei einem Kran-Unglück in Mekka ums Leben gekommen. Die saudischen Behörden halten trotzdem an den Plänen für die anstehende Pilgerfahrt fest. Hunderttausende Gläubige sind bereits vor Ort.

Von Mey Dudin und Ramadan al-Fatash (dpa) |  Mekka - 12.09.2015

Doch fast genau dort gab es zuvor ein schweres Unglück. Am Freitag, um 17.10 Uhr Ortszeit, brachte ein Unwetter mit heftigen Windböen und Regenfällen einen riesigen Baukran zum Einsturz. Metallteile bohrten sich durch die hohen Decken, Trümmer fielen auf den Marmorboden und begruben Pilger unter sich: 107 starben, 238 wurden verletzt.

Fast eine Million Muslime aus aller Welt sind zu dem Zeitpunkt schon in Saudi-Arabien, um an den Ritualen der jährlichen Pilgerfahrt, dem Hadsch, teilzunehmen. Mit "Schicksal" und "höhere Gewalt" kommentieren Augenzeugen das Unglück. In den sozialen Netzwerken werden folgende Sätze oft geteilt: "Sie starben in Mekka. Sie starben an einem Freitag. Sie starben, während sie Allah priesen. Sie werden im Paradies sein, so Gott will."

Wurden die Sicherheitsstandards eingehalten?

Die saudischen Behörden untersuchen das Unglück und prüfen, ob die Sicherheitsstandards auf den Baustellen ausreichen. Denn es gibt auch Kritik daran, dass die Baukräne zur Ankunft der Wallfahrer nicht entfernt wurden. Der saudische Binladin Konzern, der mit dem Ausbau der Moschee beauftragt ist, erklärte bereits, dass zuletzt am Donnerstag Bauarbeiten verrichtet worden seien. Am Unglückstag standen also die etwa ein Dutzend Kräne - laut saudischen Medien die höchsten, die in der Region eingesetzt werden - still.

Linktipp: Kran in Mekka umgestürzt: Mindestens 87 Tote

Kurz vor der großen jährlichen islamischen Pilgerfahrt sind mitten in Mekka bei einem Kran-Unglück mindestens 87 Menschen getötet und mehr als 180 verletzt worden. Dies berichtete am Freitag der saudische Zivilschutz via Twitter.

Um Platz für die vielen Pilger zu schaffen, wird der Komplex ständig erweitert. Laut der Zeitung "Saudi Gazette" soll die Fläche der größten Moschee der Welt um 400.000 Quadratmeter erweitern werden und damit insgesamt 2,2 Millionen Menschen Platz bieten. Bei dem Unglück wurde ein Seitentrakt getroffen.

Immer wieder gefährliche Situationen

Damit alle Gläubigen die Möglichkeit haben, die Hadsch-Rituale zu verrichten, gehören auch die Gebiete um die Große Moschee herum offiziell zum Heiligtum. Auch wer also vor dem Gotteshaus auf der Straße betet, hat offiziell in der Heiligen Moschee von Mekka gebetet, sagen Wallfahrer. Dennoch wollen die meister Pilger auch zu Stoßzeiten zur Kaaba, was immer wieder zu gefährlichen Situationen führt.

Die saudischen Behörden halten trotz des Unglücks an den Hadsch-Plänen fest. Der Beginn der Wallfahrt richtet sich nach dem islamischen Mondkalender und wird um den 21. September herum sein. Das genaue Datum wird wohl bald feststehen. Der oberste Gerichtshof rief die Bewohner des Königreiches dazu auf, am Sonntagabend nach der Mondsichel Ausschau zu halten.

Stichwort: Mekka

Mekka in Saudi-Arabien ist die heiligste Stadt des Islam. Hier wurde der Prophet Mohammed im Jahr 570 geboren. Ihr Gebet richten Muslime auf aller Welt stets in Richtung der Stadt. In ihrem Zentrum steht die Heilige Moschee, die die Kaaba beherbergt, das bedeutendste Heiligtum des Islam. Jedes Jahr reisen Millionen Pilger nach Mekka, um in der Heiligen Moschee zu beten. Am ehrwürdigsten ist die Wallfahrt im Monat Hadsch rund ums Opferfest. Mekka liegt etwa 70 Kilometer vom Roten Meer entfernt und trägt den Ehrentitel "al-Mukarrama" ("die Ehrwürdige"). Die günstige Lage am Schnittpunkt mehrerer Karawanenstraßen auf der Arabischen Halbinsel machte sie schon früh zu einem bedeutenden Handelsplatz. Traditionell sind die Pilgerströme für die Millionenmetropole eine bedeutende Einnahmequelle. Nicht-Muslime dürfen die Stadt nicht betreten. (stz/dpa)

Von Mey Dudin und Ramadan al-Fatash (dpa)