Ein Mann in Polizistenuniform steht vor einer Häuserzeile im Vatikan.
Enthüllungsjournalist hat Vorladung des Staatsanwalts ignoriert

Skandal-Autor Nuzzi verweigert Aussage im Vatikan

Der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi hat eine Vorladung durch den vatikanischen Staatsanwalt ignoriert. Seine Entscheidung begründete er damit, dass der Vatikan weder das Recht auf Meinungsfreiheit noch journalistischen Quellenschutz achte.

Rom - 17.11.2015

Auf seinem Blog begründete Nuzzi die Entscheidung damit, dass der Vatikan weder das Recht auf Meinungsfreiheit noch journalistischen Quellenschutz achte. "Für sie macht sich strafbar, wer Nachrichten macht", schrieb er am Montag. Die Strafprozessordnung des Vatikans sei außerdem noch auf dem Stand von 1913. Wenn er hingegen im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens vor einer italienischen Justizbehörde aussagen solle, würde er dies freilich in Erwägung ziehen, so Nuzzi weiter. Die Vorladung zu einer Vernehmung im Schatten des Petersdoms, sei für Dienstag, 10.30 Uhr, geplant gewesen, wie ihm der päpstliche Staatsanwalt am Freitag in ein paar Zeilen per E-Mail mitgeteilt habe.

Nuzzi wirft dem Vatikan in seinem jüngsten Buch "Alles muss ans Licht" vor, ein System von Korruption, Vetternwirtschaft, Privilegien und Geldwäsche zu unterhalten. Bereits 2012 hatte der Journalist mit der Veröffentlichung vertraulicher Dokumente den damaligen "Vatileaks"-Skandal ausgelöst.

In der vergangenen Woche hatte der Vatikan bekannt gegeben, Ermittlungen gegen den Autoren eingeleitet zu haben. Sie geht dem Verdacht einer "möglichen Mitwirkung an der Verbreitung vertraulicher Informationen und Dokumente" durch Nuzzi und einen weiteren Autor, Emiliano Fittipaldi, nach. Die vatikanische Justiz habe Beweismittel für diesen Verdacht sichergestellt, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi mit. Zudem seien weitere Personen im Visier der vatikanischen Justiz, die beim Ankauf der fraglichen Dokumente mitgewirkt haben könnten. (bod/KNA/dpa)