Betende Hände vor einem Malteserkreuz
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Orden will mehr Frauen und besser geschulte Amtsträger

So möchten sich die Malteser für die Zukunft rüsten

Vier Tage lang haben Vertreter des Malteserordens in Rom getagt und über Weichenstellungen für die Zukunft beraten. Jetzt wurden die zentralen Punkte für eine Verfassungsreform des Ordens bekannt gegeben.

Rom - 12.02.2018

Der Malteserorden hat bei einem internationalen Strategietreffen in Rom über seine Zukunft und mögliche Reformen beraten. Zentrale Punkte für die Verfassungsreform des Ordens seien etwa eine bessere Ausbildung von Amtsträgern, eine erweiterte Basis zur Entscheidungsfindung bei strategischen Fragen sowie mehr Frauen in Führungspositionen, teilte der Orden am Montag mit.

Von Donnerstag bis Sonntag hatten rund 140 Mitglieder des Souveränen Malteserordens über den aktuellen Stand der Reform beraten. Dabei sei es um die zentrale Leitung, lokale Organisationen, Personalentwicklung, Mitgliedschaft und geistliche Ausbildung gegangen.

Seit Juni 2017 hatten zehn internationale Arbeitsgruppen Vorschläge zu möglichen Neuerungen gesammelt. Die Ergebnisse des Strategieseminars in Rom sollen in den kommenden Monaten in konkrete Projekte umgewandelt werden. Diese müssen Anfang Mai vom Souveränen Rat beraten und später vom Generalkapitel des Ordens mit einer Zweidrittel-Mehrheit beschlossen werden.

Streit um Führung und Ausrichtung

Nach der Krise, in die der Orden 2016 wegen eines Streits um seine Führung und Ausrichtung geraten war, hatte er im Frühjahr vergangenen Jahres die Reform in Angriff genommen. Begleitet wird diese vom Sonderbeauftragten des Papstes für den Malteserorden, Kardinal Giovanni Angelo Becciu. Ihn hatte Franziskus im Februar 2017 ernannt, um den Orden bei seiner Erneuerung zu unterstützen. Nach Aussage des Koordinators der zuständigen Steuerungskommission, Bertero Gutierrez, trifft sich ein Mitarbeiter des derzeitigen kommissarischen Großmeisters Giacomo Dalla Torre wöchentlich mit Becciu.

Der Streit um die Führung im Malteserorden hatte mit dem Rücktritt des damaligen Großmeisters Matthew Festing im Januar 2017 und der Wiedereinsetzung des von ihm entlassenen Großkanzlers, Albrecht von Boeselager, geendet. Weitergehende Meinungsverschiedenheiten um Arbeit, Führung und Ausrichtung des Ordens sollen durch die Reformdiskussionen behoben werden.

An der Erarbeitung der Reformvorschläge waren insgesamt rund 200 Personen beteiligt. Nach Aussage von Bertero Gutierrez war eine Reform der Verfassungscharta des Ordens und seines Codex ohnehin fällig. Die aktuelle Fassung stamme von 1961 und sei 1997 nur leicht aktualisiert worden. So habe sich etwa die Zahl der Mitglieder von 1961 bis heute auf rund 12.000 vervierfacht, statt 33 Großpriorate gebe es jetzt 59. Die Zahl der Staaten, mit denen der Orden als selbstständiges Völkerrechtssubjekt diplomatische Beziehungen unterhalte, sei von 25 auf heute 107 gestiegen. Zuletzt waren Ende 2017 diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland hinzugekommen. (KNA)