Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) auf dem Weg zur Vorstandssitzung der CSU in München.
Bayerischer Finanzminister: Kirchen sollen sich zurückhalten

Söder erneuert Kritik an Kirche

Geht es nach Bayerns Finanzminister Markus Söder, soll sich die Kirche mit Ratschlägen an die Politik zurückhalten. Das hindert ihn selbst aber nicht, der Kirche umgekehrt einen solchen zu geben.

Bonn - 22.02.2017

Der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) hat die Kirche erneut davor gewarnt, sich zu sehr in die Politik einzumischen. Die Kirche dürfe keine Ersatzpartei werden, sagte der Politiker am Dienstag in einem Interview mit der evangelischen Nachrichtenagentur "idea". Viele Gläubige wünschten sich von der Kirche keine politische, sondern eine geistliche Ausrichtung: "Warum ist in Buchläden die Nachfrage nach Esoterik so groß? Weil es ein Bedürfnis nach Spiritualität gibt. Die Aufgabe der Kirche ist es, dies mit der Botschaft des christlichen Glaubens zu füllen", fordert Söder.

Marx: Gestaltung der Welt gehört zu christlichem Auftrag

In den vergangenen Monaten hatten Söder und andere CSU-Politiker schon häufiger mehr politische Zurückhaltung der Kirchen gefordert – und damit ihrerseits die Kritik der Kirche auf sich gezogen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Marx hatte gesagt, zwar seien die Bischöfe keine Politiker, doch viele Christen seien in der Politik tätig. Die Gestaltung der Welt gehöre zum christlichen Auftrag.

Das Logo der CSU
Bild: © dpa

Die CSU sieht das Verhältnis der Kirche zur Politik kritisch.

Im Interview mit "idea" forderte Söder nun auch, die Kirche solle sich darauf konzentrieren, der Mission Jesu zu folgen. Bei der Verkündigung der Frohen Botschaft etwa sieht er Defizite: "Ich wundere mich oft, dass sie häufig so müde vorgetragen wird." In der Welt wachse der christliche Glaube, in Deutschland hingegen nicht, kritisierte Söder.    

Der Politiker äußerte sich auch zum Thema Flüchtlinge. Keine Partei verfolge eine barmherzigere Flüchtlingspolitik als die CSU, zitiert ihn "idea". So stelle Bayern das meiste Geld für Flüchtlinge bereit. Anders als etwa in Berlin, wo Menschen im Freien hätten übernachten müssen, sei in Bayern jeder Flüchtling gut versorgt. Gleichwohl bekräftigt Söder die Forderung seiner Partei nach einer Sicherung der Landesgrenzen und einer Obergrenze für Flüchtlinge. Denn neben Barmherzigkeit müsse es auch Gerechtigkeit und Sicherheit geben.

Kongress christlicher Führungskräfte

In Bezug auf seinen persönlichen Glauben sagte Söder, er gebe ihm Gelassenheit für die Herausforderungen des Alltags. Von Donnerstag bis Samstag findet in Nürnberg der "Kongress christlicher Führungskräfte" statt, bei dem Söder als Referent auftritt.  Der Kongress wird unter andrem von "idea" organisiert. (gho)

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Sie äußern sich zu ethischen Fragen, zu Mindestlohn oder zur Energiewende: Im politischen Diskurs bringen die Kirchen ihre Meinung pointiert ein. Bundestagsvize Singhammer geht das zu weit.