Spahn fordert Islamgesetz und Moschee-Register
Staat soll Imam-Ausbildung finanzieren

Spahn fordert Islamgesetz und Moschee-Register

Was wird in Moscheen gepredigt? Deutsche können die meisten Ansprachen von Imamen nicht verstehen, da diese auf Arabisch oder Türkisch predigen. CDU-Politiker Jens Spahn will das mit einem Gesetz ändern.

Berlin - 30.03.2017

CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn hat gesetzliche Vorgaben für muslimische Gemeinden in Deutschland gefordert. "Wir brauchen ein Islamgesetz", sagte Spahn den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag). Darin sollten Regeln für die Ausbildung von deutsch sprechenden Imamen, von muslimischen Religionslehrern und Seelsorgern aufgenommen werden. Es müsse auch ein "Moschee-Register" geben: "Wir wissen gar nicht, wie viele Moscheen es in Deutschland gibt, wo sie sind, wer sie finanziert."

Spahn begründete seinen Vorstoß damit, dass es keinen zentralen Ansprechpartner für die in Deutschland lebenden Muslime gebe. Die politischen Islam-Verbände, mit denen die Politik bisher zusammenarbeite, würden eine sehr konservative Ausprägung des Islam vertreten. "Sie sprechen nur für eine Minderheit der Muslime. Das sind die falschen Partner", sagte der CDU-Politiker.

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Was wird in deutschen Moscheen gepredigt? Das fragen sich viele Bürger. Ein Journalist hat in verschiedenen muslimischen Gotteshäusern den Predigten zugehört. Im Interview redet er über seine Erfahrungen.

Er forderte eine Deutschprüfung für Imame: "Wir müssen wissen, was in den Moscheen passiert." Muslimische Predigten auf Deutsch würden helfen, Vorurteile abzubauen. Katholische Predigten könne jeder verstehen, die türkischen oder arabischen nicht. Viele der in den Moscheen predigenden Imame würden aus dem Ausland geschickt und bezahlt und könnten kein Deutsch. "Solche Import-Imame führen zu Desintegration", sagte er.

Die Ausbildung von Imamen, Religionslehrern und Seelsorgern müsse aus Steuergeldern mitfinanziert werden. "Das wird eine harte Debatte, aber mir ist lieber, wir finanzieren das, als dass das Geld aus der Türkei oder aus Saudi-Arabien kommt", so Spahn. Er sprach sich auch für eine Kirchensteuer für Muslime aus.

Der religionspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, Volker Beck, lehnte die Forderungen Spahns ab. Beck verwies auf das im Grundgesetz begründete Recht der Glaubensgemeinschaften, ihre Angelegenheiten selbstständig zu verwalten. Er begrüßte Imam-Predigten auf Deutsch, erinnerte aber daran, dass sich das nicht "aufoktroyieren lässt". (rom/KNA)

30.03.2017, 12.00 Uhr: ergänzt um die Äußerungen Volker Becks. /rom