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Stärkt die Familien!

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Berlin/Bonn - Familie schaffen wir nur gemeinsam" - so lautet das Motto der Caritas-Kampagne 2013. Nach Auffassung des Präsidenten des Wohlfahrtsverbandes könnte sich die Situation für Familien in Deutschland noch deutlich verbessern. Im Interview mit katholisch.de formuliert Neher seine Forderungen an die Politik - und erklärt, was die Caritas als selbst zu mehr Familienfreundlichkeit beitragen will.

Frage: Herr Prälat Neher, die Jahreskampagne 2013 der Caritas steht unter dem Motto "Familie schaffen wir nur gemeinsam" – was verbirgt sich hinter diesem Slogan?

Neher: Die Kampagne steht im Zusammenhang unserer dreijährigen Initiative für Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt. In diesem Jahr ist es uns wichtig, die Familien in den Fokus zu rücken und bei der Bewältigung ihrer vielfältigen Aufgaben zu stärken. Das Wort 'gemeinsam' zielt auf zwei Aspekte. Es zeigt, dass Väter, Mütter und Kinder zusammen sehr viel auf den Weg bringen. Es bedeutet aber auch, dass die Gesellschaft das anerkennen und die Politik Rahmenbedingungen setzen muss, damit Familie gut gelingen kann.

Der deutsche Caritasverband hat am 9. Januar 2013 mit einem Auftakt die Jahreskampagne 2013 unter dem Motto "Familie schaffen wir nur gemeinsam" in Berlin gestartet. Im Bild: Präsident des Deutschen Caritasverbandes Prälat Peter Neher.
Peter Neher mit einem Poster der Jahreskampagne 2013.

Frage: Was muss sich noch verbessern an der Situation der Familien in Deutschland?

Neher: Eltern müssen Familie und Beruf besser vereinbaren können. Das kann man an drei Schlagworten festmachen: Zeit, Geld und Infrastruktur. Viele Väter und Mütter wünschen sich mehr Zeit mit ihren Kindern. Politik und Arbeitgeber müssen ihnen beispielsweise über sogenannte Arbeitszeitkonten entgegenkommen. Dann könnten sie in der 'Rushhour des Lebens', wenn sie eine Familie gründen und die Kinder klein sind, mehr Zeit für Familie haben und dafür in späteren Zeiten mehr arbeiten. Zum Thema Geld: Materielle Sicherheit verhindert familiären Stress. Daher fordern wir, die Zahlung des Sockelbetrages des Elterngeldes auf drei Jahre zu verlängern. Zudem sollten auch Hartz IV-Empfänger davon profitieren. Und in Bezug auf die Infrastruktur bleibt noch eine Menge zu tun, damit der Rechtsanspruch auf eine Kinderbetreuung für Unter-Drei-Jährige tatsächlich ab August 2013 umgesetzt werden kann.

Frage: Das sind ja vor allem Forderungen an andere. Was will die Caritas selbst zur Verbesserung der Situation der Familien beitragen?

Neher: Wir sind als Wohlfahrtsverband einerseits gefordert, die Familien mit unseren Einrichtungen und Diensten, zum Beispiel mit unseren Beratungsstellen und Kindertagesstätten, zu unterstützen. Aber die Caritas ist andererseits auch selbst Arbeitgeber und muss dafür Sorge zu tragen, dass Familie und Beruf für die Mitarbeitenden besser zu kombinieren sind. Die Zentrale des Deutschen Caritasverbandes in Freiburg etwa hat die Zertifizierung 'audit berufundfamilie' als familienfreundlicher Betrieb erhalten. Ich gehe davon aus, dass noch viele caritative Arbeitgeber in diese Richtung mitziehen. Insofern erhoffe ich mir von der Jahreskampagne auch Impulse in den eigenen Verband hinein.

Frage: Welche Maßnahmen haben Sie in der Caritas-Zentrale konkret getroffen?

Neher: Wir ermöglichen den Mitarbeitenden, die sich länger um einen zu pflegenden Angehörigen kümmern wollen, eine Pflegezeit zu nehmen, Über ein Mutter- bzw. Vater-Kind-Büro ist es außerdem möglich, das Kind mit an den Arbeitsplatz zu bringen, wenn überraschend die Kinderbetreuung ausfällt. Zum gleichen Zweck gibt es 'Leihomas' und '-opas'. Und es gibt ein Sommerferienprogramm, wenn die Kindertagesstätten geschlossen haben, aber Väter und Mütter arbeiten müssen.

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Frage: Sie fordern eine Verbesserung der Kinderbetreuungsangebote, die Weiterentwicklung des Elterngelds und einen Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit. Wer soll das bezahlen?

Neher: Jede sozialpolitische Leistung kostet natürlich Geld. Geld allein ist aber kein Wert an sich. Die Frage ist ja: Was ist einer Gesellschaft gelingendes Familienleben wert? Wir haben in Deutschland vielfältige Leistungen für Familien. Im Auftrag des Bundesfamilienministeriums soll evaluiert werden, welche Maßnahmen welche Wirkung zeigen. Wir warten seit langem auf die Ergebnisse. Dann kann man auch beurteilen, ob tatsächlich zusätzlicher Mittelbedarf besteht. Aber zunächst mal ist zu prüfen, ob das, was jetzt bezahlt wird, an der richtigen Stelle eingesetzt wird.

Frage: Wo sehen Sie konkrete Ansatzpunkte?

Neher: Die Regierung hat vor einigen Jahren das Elterngeld eingeführt und will ab Sommer ein Betreuungsgeld an die Eltern zahlen, die keine öffentlich geförderte Kinderbetreuung in Anspruch nehmen. Hier schlagen wir eine Weiterentwicklung der beiden Leistungen vor. Wir fordern, dass alle Familien drei Jahre lang einen einkommensunabhängigen Betrag von 300 Euro monatlich bekommen, also auch Empfänger von Grundsicherung. Dieser Betrag entspricht dem Sockelbetrag des Elterngeldes. Die Zahlung muss auch unabhängig von der Art der Kinderbetreuung erfolgen.

Frage: Neben den materiellen Verbesserungen fordern Sie auch ein Umdenken in der Gesellschaft – etwa hin zu der Einsicht, dass arbeitende Mütter und Väter ihren Kindern nicht grundsätzlich schaden. Kann da die katholische Kirche, bei der es Frauen in Führungspositionen bisher eher schwer haben – überhaupt Vorbild sein?

Neher: Dass Frauen in der Kirche keine Führungspositionen einnehmen, stimmt ja so nicht. Der Deutsche Caritasverband will in Zukunft 50 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzen. Hier sind wir auf einem guten Weg. Und ähnliche Überlegungen gibt es in der gesamten Kirche. Sie sprechen ein gesamtgesellschaftliches Phänomen an: Mit welchen Ausdrücken belegen wir denn Mütter oder Väter, die tatsächlich versuchen, Beruf und Familie zu vereinbaren? Der Ausdruck ‚Rabenmutter‘ ist deutlich. Auch solange Vermieter frei werdende Wohnungen lieber an Singles oder an kinderlose Paare vermieten, brauchen wir uns nicht wundern, dass es Familien schwer haben. Außerdem ist Kinderlärm nicht störend, sondern Musik in den Ohren einer Gesellschaft. An dieser Erkenntnis haben wir alle miteinander zu arbeiten.

Das Interview führte Gabriele Höfling

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