Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (l.) und sein Privatsekretär, Kurienerzbischof Georg Gänswein.
Erbeten oder nicht? Unterschiedliche Darstellungen von Gänswein und Woelki

Streit um Benedikt-Grußwort bei Meisner-Beerdigung

Wie kam es zu dem Grußwort des emeritierten Papstes bei der Beerdigung von Kardinal Joachim Meisner? Benedikt wurde gebeten – sagt Erzbischof Gänswein. Das Erzbistum Köln widerspricht.

Bonn/Köln/Vatikanstadt - 06.08.2017

Hat Kardinal Rainer Maria Woelki den emeritierten Papst Benedikt XVI. um ein Grußwort bei der Beerdigung von Kardinal Joachim Meisner gebeten oder nicht? Zu dieser Frage gibt es in Köln und Rom unterschiedliche Ansichten, wie der WDR berichtet. Erzbischof Georg Gänswein hatte Mitte Juli im Kölner Dom die Worte des Papstes damit eingeleitet, dass Benedikt "gern dem Wunsch von Kardinal Woelki" folge, "ein Wort des Gedenkens" an die Trauergemeinde zu richten.

Auf Anfrage des WDR teilte das Erzbistum am 1. August mit, dass Gänswein sich als Vertretung des emeritierten Papstes angemeldet habe. "Daraufhin hat das Büro unseres Erzbischofs ihn gebeten mitzuteilen, ob er für Papst Benedikt auch sprechen werde, wie es ja dann der Fall war." Erzbischof Gänswein betonte zwei Tage später ebenfalls gegenüber dem WDR: "Papst Benedikt hat nicht 'motu proprio', also auf eigenen Wunsch gehandelt, sondern hat einer Bitte von Kardinal Woelki entsprochen."

Es steht Aussage gegen Aussage

Damit steht es in der Frage, ob der emeritierte Papst gebeten wurde oder aus eigenem Antrieb ein Grußwort verfasst hat, Aussage gegen Aussage.

Im Grußwort schrieb der emeritierte Papst, "dass der Herr seine Kirche nicht verlässt, auch wenn manchmal das Boot schon fast zum Kentern angefüllt ist." Die Worte wurden von einigen Kommentatoren als Kritik am Kurs von Papst Franziskus interpretiert. Spekulationen darüber hatte Gänswein gegenüber der italienischen Tageszeitung "Il Giornale" kurz nach Meisners Beerdigung zurückgewiesen. Damals betonte er bereits, Benedikt XVI. habe die Botschaft auf Wunsch Kardinal Woelkis verfasst.

Über Rolle und Aufgaben eines ehemaligen Papstes gibt es seit dem Rücktritt von Benedikt XVI. immer wieder Diskussionen, die von öffentlichen Äußerungen des Emeritus noch befeuert werden. Zunächst hatte Benedikt XVI. angekündigt, er wolle sich zurückhalten und seinen Nachfolger im Gebet unterstützen. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller kritisierte zuletzt das Verhalten des emeritierten Papstes und nannte seine Rolle "unklar". (fxn)