Vatikankenner: Papst-Opposition nicht überschätzen
Die Opposition gegen Papst Franziskus durch "konservative" Gegenkräfte in Kurie und Weltkirche sollten nach Worten des Vatikan-Experten John Allen nicht überschätzt werden. Franziskus habe wie alle anderen 265 Päpste vor ihm manche Probleme mit Bischöfen, sagte der renommierte US-Journalist laut der Presseagentur Kathpress (Freitag) am Rande einer Tagung im südsteirischen Schloss Seggau. Die kolportierten Berichte über eine Kluft zwischen dem Papst und seinen "Gegnern" seien der Dynamik der Sozialen Medien wie auch Mediengesetzlichkeiten generell geschuldet.
Es sei einfach eine "sexy story", wenn konservative Bischöfe gegen einen liberalen Papst opponierten, so Allen. Als gut vernetzter Vatikankenner treffe er praktisch nie auf Pauschalwiderstand gegen das Pontifikat von Franziskus. Wohl aber würden Vorbehalte gegenüber bestimmten Sachthemen geäußert.
Papst ist "religiöse Führungspersönlichkeit schlechthin"
Dennoch sei Papst Franziskus "die" religiöse Führungspersönlichkeit schlechthin. Anderen Glaubensgemeinschaften fehle schon strukturell eine solche Person. Wie Allen sagte, setze Franziskus seine "soft power", die auf Haltungen und Visionen statt auf äußerer Macht basiere, sehr klug ein. Er erinnerte etwa an die Rolle des Papstes für die Brückenschläge zwischen den USA und Kuba, bei der Befriedung Kolumbiens oder auch bei seinem jüngsten Besuch in Ägypten. Dort habe Franziskus viele Sympathien dadurch gewonnen, dass er glaubhaft "als Freund" gekommen sei und aus dieser Position dann auch Kritisches habe ansprechen können.
Sein Vorgänger Benedikt XVI. (2005-2013) sei, nicht zuletzt durch seinen Regensburger Vortrag 2006, auf größere Vorbehalte muslimischer Autoritäten gestoßen. Seine Kritik an Attacken gegen die koptische Minderheit in Ägypten habe auch zu diplomatischen Verstimmungen geführt. Benedikt XVI. habe, so Allen, einen ungleich schwereren Einstieg als Franziskus gehabt. Er habe als vormaliger Präfekt der Glaubenskongregation als "Panzerkardinal" gegolten, ja geradezu als eine Art "Darth Vader" der katholischen Kirche. Das werde dem deutschen Papst allerdings in keiner Weise gerecht, betonte Allen. Auch hier würden Differenzen von den Medien hochgespielt.
Was Franziskus als ersten nichteuropäischen Papst seit dem Syrer Gregor III. (731-741) aber tatsächlich von seinen Vorgängern Benedikt und Johannes Paul II. unterscheide, sei, dass er keine Vision einer spezifischen "Mission" Europas habe. Der Papst aus Argentinien denke über Europa hinaus; das zeigten schon seine vielen Reiseziele nach Lateinamerika, Afrika und Asien sowie seine Kardinalsernennungen. (KNA)