Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der Münchener Erzbischof Kardinal Reinhard Marx bei einem ökumenischen Gottesdienst.
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Die Texte für Weltgebetswoche kommen diesmal aus Deutschland

Versöhnung im Reformationsgedenkjahr

Die weltweit verwendeten Texte der jährlichen Gebetswoche für die Einheit der Christen kommen im Reformationsgedenkjahr aus Deutschland. Sie erinnern beziehungsreich auch an den Fall der Berliner Mauer.

Von Norbert Zonker (KNA) |  Berlin - 12.01.2017

Sie gehört zu den ältesten ökumenischen Aktivitäten und ist so unspektakulär, dass sie vom Radar der öffentlichen Wahrnehmung kaum erfasst wird. Dennoch gilt die Gebetswoche für die Einheit der Christen, die seit 1908 meist in der Zeit vom 18. bis 25. Januar in mittlerweile mehr als 70 Ländern gepflegt wird, zu den wichtigsten Initiativen in der Ökumene. In vielen Kirchengemeinden hat sie einen festen Platz und bringt die an der Einheit Interessierten zusammen.

Einen "internationalen ökumenischen Akzent" setzen

In diesem Jahr könnte die Aufmerksamkeit für die Gebetswoche gerade in Deutschland größer sein als sonst. Denn die weltweit verwendeten Texte, die immer aus einem anderen Land stammen, kommen diesmal - passend zum Reformationsgedenkjahr - von hier. Bereits vor fünf Jahren hatte die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) ihren Wunsch angemeldet, damit einen "internationalen ökumenischen Akzent" setzen zu wollen. Die auf Welt-Ebene zuständigen Gremien - der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf und der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen in Rom - griffen das Anliegen auf und vergaben die Vorbereitung ins Ursprungsland der Reformation.

Themenseite: Ökumene

Die Themenseite gibt einen Überblick über die aktuelle Berichterstattung von katholisch.de rund um das Thema Ökumene.

Als Thema haben die Autoren in Anlehnung an einen Satz aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Christengemeinde in Korinth ausgewählt: "Versöhnung - die Liebe Christi drängt uns". Damit sollen, wie es in der Einführung heißt, zwei Akzente gesetzt werden: Zum einen soll es gehen "um die Feier der Liebe und Gnade Gottes, der den Menschen allein aus Gnade rechtfertigt", was zugleich dem Hauptanliegen der aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen Rechnung trägt. Zum anderen sollen "der Schmerz angesichts der tiefen Spaltungen, die aus der Reformation folgten, benannt und Schuld offen bekannt werden". Dies eröffne die Möglichkeit, Schritte auf dem Weg der Versöhnung zu gehen.

Damit verfolgen die Gebetstexte ein ähnliches Anliegen wie die von Katholiken und Lutheranern auf Weltebene sowie von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ausgearbeiteten Liturgien zum Reformationsgedenkjahr. Erstere wurde am 31. Oktober 2016 im schwedischen Lund von Papst Franziskus und den leitenden Geistlichen des Lutherischen Weltbunds in einem weltweit beachteten Gottesdienst gefeiert. Die zweite bildet die Vorlage für einen zentralen Buß- und Versöhnungsgottesdienst von katholischer Bischofskonferenz und EKD am 11. März in Hildesheim als weiteren Schritt der "Heilung der Erinnerung".

Die Texte für die Weltgebetswoche sind im Unterschied zu diesen Entwürfen nicht nur von Katholiken und Lutheranern beziehungsweise EKD-Vertretern ausgearbeitet worden. Es wirkten auch Vertreter der orthodoxen Kirche und der evangelischen Freikirchen mit, die in der ACK vertreten sind. Ihr Blick auf die Reformation und ihre Folgen unterscheidet sich in mancher Hinsicht von dem der beiden großen Kirchen. Zudem geht es eben nicht nur um einen einzelnen Gottesdienst, sondern um Angebote für eine ganze Woche, die je nach lokalen Gegebenheiten aufgegriffen werden können.

Berliner besetzen die Mauer im November 1989.

Der Gottesdienstentwurf für die Gebetswoche bezieht sich in seiner Symbolik auf den Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989.

Ein Gottesdienstentwurf ist natürlich auch dabei, und dieser bezieht sich in seiner Symbolik auf den Fall der Berliner Mauer 1989. Die "Spaltung der Christen und die Versöhnung, die wir suchen", werden dabei durch den Bau und das Niederreißen einer Mauer veranschaulicht. "Dies kann zu einem Zeichen der Hoffnung in jeder Situation werden, in der Teilung als unüberwindbar erlebt wird", heißt es in der Einführung.

Zentraler Gottesdienst am 22. Januar

Der zentrale Gottesdienst für Deutschland findet am 22. Januar unter Beteiligung ungewöhnlich vieler Bischöfe in Wittenberg statt. Anschließend vergibt die ACK ihren diesjährigen Ökumenepreis: Ausgezeichnet wird die "Ökumenische Staffel der Gastfreundschaft", die 42 Kirchengemeinden unterschiedlicher Konfessionen im vergangenen September aus Anlass eines Ökumenischen Kirchentags in Bremen veranstaltet haben.

Von Norbert Zonker (KNA)

Stichwort: Gebetswoche für die Einheit der Christen

An der jährlichen Weltgebetswoche für die Einheit der Christen beteiligen sich in zahlreichen Ländern Christen unterschiedlicher Konfession. Die Gebetswoche hat eine über 100-jährige Tradition. Zunächst katholisch ausgerichtet, ging es in ihr vor allem um eine Einheit unter dem Papst als Zentrum der Einheit. Ihre weitere Ausgestaltung trug dem ökumenischen Gedanken der "Einheit in Vielfalt" Rechnung. Seit 1968 werden die Themen und Texte für die Gebetswoche von einer gemeinsamen Kommission des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) erarbeitet. Als Vorlage dient dabei ein Entwurf, der jedes Jahr aus einem anderen Land kommt. Die Weltgebetswoche wird jährlich in der Zeit vom 18. bis 25. Januar oder in der Woche vor Pfingsten durchgeführt. In der Bundesrepublik wird sie von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) veranstaltet. (KNA)