Ein einsamer Pilger auf dem Jakobsweg.
Um sicher zu pilgern braucht es eine gute Vorbereitung

Vertrauen in den Weg

Eine verschwundene Pilgerin, Belästigung, Angriffe auf Pilgerinnen. Ist der Jakobsweg nicht mehr sicher? Wir haben uns bei Pilger-Profis umgehört, welche Dinge man beachten sollte und wie man sich auf eine solche Reise vorbereitet.

Von Sophia Michalzik |  Bonn - 29.05.2015

Absolut, sagt Monika Seehars. Gemeinsam mit ihrem Mann arbeitet sie ehrenamtlich als Pilgerberaterin für die fränkische Jakobusgesellschaft. Ihr Steckenpferd sind die Jakobswege in Deutschland, Frankreich und Spanien. Das Paar ist über 15 Jahre lang auf internationalen Pilgerwegen unterwegs gewesen, zuletzt waren sie 2010 unter anderem in Lourdes und Carcassone. Sie blicken damit auf einen reichen Erfahrungsschatz zurück. Gravierende Fälle wie Tod oder Entführung seien die Ausnahme, sagen sie. Dass einem überhaupt etwas passiert, sei – gerade auf dem berühmten Jakobsweg in Spanien – unwahrscheinlich. Selbst bei Verletzungen bekäme man in der Regel schnell Hilfe; vor allem, weil auf dem Camino besonders viele Menschen unterwegs seien. Ein Handy würde sie aber auf jeden Fall einpacken, so Seehars.

Tipps, um sicher und vor allem ohne Verletzungen ans Ziel zu kommen, gibt es dennoch: "Wichtig ist eine gute Kondition", weiß die Pilgerberaterin. Oft sind die Tagesetappen zwischen 20 und 30 Kilometer lang – eine gewisse Fitness ist da also vonnöten. Dazu kommt dann noch das Gepäck. "Wir haben uns immer einen Rucksack mit acht bis zehn Kilogramm gepackt und sind dann wandern gegangen", erzählt sie von ihren Erfahrungen. Schwerer sollte der Rucksack für die tatsächliche Pilgerreise dann auch nicht sein. Auf unnötigen Ballast sollte man also verzichten und stattdessen nur das Nötigste mitnehmen.

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Video: © katholisch.de

Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger". In dieser Folge geht es um den Begriff Wallfahrt und seine Bedeutung im christlichen Glauben.

Wer jemals wandern war, weiß außerdem um die Bedeutung von ordentlichem Schuhwerk. "Man sollte auf jeden Fall seine Wanderschuhe vorher ordentlich einlaufen", sagt Nicola Kopp de Vargas. Sie arbeitet beim Bayerischen Pilgerbüro in München, einer ihrer Arbeitsschwerpunkte liegt auf dem Jakobsweg. Gemeinsam mit ihren Kollegen bereitet sie für Kunden Pilgerreisen vor. Im Vorfeld bekommen die künftigen Pilger auch gezielte Hinweise wie Blasenpflaster oder eine kühlende Fußcreme einzupacken.  Besonders wichtig sei außerdem eine stets gefüllte Wasserflasche, sagt Kopp de Vargas – dabei helfen auch Trinkwasserquellen am Weg.

Wer eine Pilgerreise über das Bayerische Pilgerbüro bucht, hat den Vorteil, dass er auf ein gutes Netz von Ansprechpartnern zurückgreifen kann. So kann man entweder direkt in München oder bei einer Agentur vor Ort anrufen, erklärt Kopp de Vargas. Um die Unterkünfte brauchen sich die Pilger nicht zu sorgen: Sie sind in kleineren Pensionen oder Hotels untergebracht und nicht in den Pilgerherbergen, die auch den Jakobsweg säumen. Schweres Gepäck muss ebenfalls nicht getragen werden: Ein Auto bringt alles jeweils ins nächste Hotel, der Pilger trägt nur seinen Rucksack mit Tagesbedarf.

Pilgern: Auf dem Weg zu Gott

Die Nähe Gottes spüren - das ist das Ziel vieler Gläubiger, die sich zu religiösen Stätten in aller Welt aufmachen. Jährlich begeben sich etwa 40 Millionen Christen auf eine Pilgerreise. Katholisch.de stellt die Tradition der Wallfahrt, wichtige Bräuche und bekannte Pilgerziele vor.

Alleine, paarweise oder in der Gruppe?

Eine wichtige Entscheidung vor jeglicher anderer Planung sollte man jedoch als erstes treffen: Will man alleine, zu zweit oder in einer Gruppe pilgern? Das muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden, meinen sowohl Monika Seehars als auch Nicola Kopp de Vargas. Seehars pilgert am liebsten mit ihrem Mann – und bewusst nicht in einer größeren Gruppe. "Zu zweit ist das Pilgererlebnis am schönsten", findet sie. Wer in Gruppen pilgere, müsse damit rechnen, sein Lauftempo gegebenenfalls anzupassen, um nicht zu weit zurück zu bleiben.

Wer dennoch allein losgehen will, brauche keine Angst zu haben: "Ich empfehle, immer andere Pilger in Sichtweite zu haben", so Seehars. Auf dem Camino sei das in der Regel kein Problem, vor allem wenn man darauf achte, die Herberge mit einem Schwung anderer Pilger zu verlassen. Zudem sind gerade in beliebten Pilgermonaten wie im Frühjahr oder auch im Spätsommer viele Menschen auf den Wanderwegen unterwegs. Gut orientieren könne man sich ebenfalls, ergänzt Kopp de Vargas: Der Jakobsweg sei durch die berühmten Muscheln und andere Schilder gut kenntlich gemacht.

Und unabhängig davon, ob man allein oder in der Gruppe, mit oder ohne Handy losziehe - letztlich sei Pilgern auch ein Stück weit Vertrauen, sagt sie: in sich selbst, in den Weg - und auf Gott.

Von Sophia Michalzik