Video-Anruf in 400 km Höhe
Papst Franziskus redet mit ISS-Astronauten

Video-Anruf in 400 km Höhe

Die ISS-Astronauten erleben ohnehin viel Außergewöhnliches, aber dieses Videogespräch setzte noch einen drauf: Papst Franziskus rief an. Für einen Astronauten war das Telefonat dennoch keine Premiere.

Von Felix Neumann |  Vatikanstadt - 26.10.2017

Papst Franziskus hat mit der Besatzung der Internationalen Weltraumstation ISS ein Videotelefonat geführt. In dem etwa 20-minütigen Gespräch stellte er am Donnerstag den sechs Astronauten Fragen über ihre Erfahrungen im Weltraum und was man auf der Erde davon lernen könne.

Unter anderem interessierte sich der Papst für die besondere Perspektive in der 400 km hohen Erdumlaufbahn und fragte nach der Stellung des Menschen im All. "Je mehr wir wissen, desto mehr stellen wir fest, wie wenig wir eigentlich wissen", sagte dazu der Italiener Paolo Nespoli. Er hofft darauf, dass diese Aussicht eines Tages nicht nur Astronauten offenstehe, sondern auch Dichtern, Philosophen, Schriftstellern – und dem Papst. Das könne schon bald der Fall sein. Auf die implizite Einladung hin zeigte sich der Papst zwar interessiert, allerdings ohne einen Staatsbesuch im Weltraum anzukündigen.

Die Erde aus dem Blickwinkel Gottes

Derzeit befinden sich sechs Astronauten aus den USA, Russland und Italien. Alle sechs sind Christen, drei von ihnen katholisch, zwei orthodox und einer Baptist. Franziskus ist der zweite Papst der Geschichte, der mit einer ISS-Besatzung im Weltraum spricht. 2011 fand eine Live-Video-Konferenz der damals zwölf Astronauten mit Papst Benedikt XVI. statt, bereits damals war der Italiener Nespoli Teil der Crew. Franziskus begrüßte die 53. Langzeitbesatzung humorvoll mit einem "Guten Tag - oder guten Abend; im Weltraum weiß man das ja nie."

Jeder der sechs Astronauten betonte, dass die besondere Perspektive, aus der die Erde klein und zerbrechlich erscheint, aber auch frei von Grenzen und Konflikten, für sie den Weg weist zu Frieden und weltweiter Zusammenarbeit. Wer vom Weltraum aus nach unten blicke, würde die Erde aus dem Blickwinkel Gottes sehen, sagte der Kommandant der Mission, der US-Amerikaner Randy Bresnik. Dieser Blickwinkel führe den Astronauten so auch die Verantwortung für die Zukunft der Menschheit vor Augen. Ihre Arbeit sieht der Kommandant als Beispiel dafür, wie Menschen aus unterschiedlichen Kulturen friedlich an einer gemeinsamen Sache zusammenarbeiten.

Mit einem Zitat von Dante Alighieri – "Die Liebe bewegt die Sonn' und andre Sterne" – erkundigte sich Franziskus bei den Astronauten, ob die Wissenschaftler und Ingenieure auf der ISS diesen Gedanken nachvollziehen könnten.

Der russische Kosmonaut Alexander Misurkin fühlte sich davon gleich angesprochen: Er höre in seiner Freizeit Hörbücher von Antoine de Saint-Exupéry. Das Beispiel des "Kleinen Prinzen", der auch aus Liebe und Opferbereitschaft handelt, berühre ihn sehr: "Liebe ist die Kraft, aus der heraus man sein Leben für jemand anderen hingeben kann." Die Antwort gefiel dem Papst sichtlich: "Ihr Russen habt das im Blut mit eurer humanistischen und religiösen Tradition."

In Anspielung auf den UNO-Hauptsitz sagte der Papst, die ISS sei ein "kleiner Glaspalast". Franziskus beendete das Gespräch mit der Zusicherung, für die Astronauten zu beten – und mit der von ihm immer wieder geäußerten Bitte, auch für ihn zu beten. Fürsprecher im Himmel kann auch der Papst gut gebrauchen.

Von Felix Neumann