Ein Porträt von Johann Nepomuk Neumann.
Bild: © KNA
Johann Nepomuk Neumann missionierte in den USA

Von Böhmen in die Neue Welt

Priesterüberschuss in Mitteleuropa - ja, den gab es einmal. Und ihm ist es zu verdanken, dass ein junger Missionar seinen Weg über den Atlantik antrat und eine der herausragenden Gestalten des amerikanischen Katholizismus wurde. Der heilige Johann Nepomuk Neumann setzte Maßstäbe für die Mission in der Neuen Welt.

Von Birgitta Negel-Täuber (KNA) |  Bonn - 05.01.2019

Johann Nepomuk Neumann wurde am 28. März 1811 im Prachatitz im heutigen Tschechien in eine tiefgläubige Familie hineingeboren. Eine seiner Schwestern wurde später Oberin in einem Borromäerinnenkloster. Sein Vater kam aus Franken, seine Mutter war Tschechin. Bereits 1823 verließ Johann sein Elternhaus, um im rund 50 Kilometer entfernten Budweis das Gymnasium zu besuchen. Danach studierte er in Prag Philosophie, Theologie, Mathematik, Naturwissenschaften und Latein. Der junge Student war nicht nur intelligent und umtriebig, er war auch vielseitig interessiert. So spielte er einige Zeit mit dem Gedanken, Medizin zu studieren. Dass er dann seinen Schwerpunkt auf die Theologie legte, war auch dem Drängen seiner Mutter geschuldet.

Wunsch nach Mission

Am 1. November 1831 trat er in das Priesterseminar in Budweis ein. Die Idee, als Missionar nach Nordamerika zu gehen, war ihm schon früh gekommen. Deshalb ging er schon in Prag daran, Englisch und Französisch zu lernen. Während dieser Jahre gab es in der Diözese Budweis einen erheblichen Priesterüberschuss. Neumanns Jahrgang wurde deshalb sogar erst einmal nicht zur Priesterweihe zugelassen. Diese Verzögerung gab dem Missionsgedanken des jungen Theologen neuen Schub.

Nach Überwindung zahlreicher Schwierigkeiten fand er nicht nur Geldgeber, die ihm die Reise finanzierten, sondern kam auch in Kontakt mit dem New Yorker Bischof John Dubois. Dieser war bereit, ihn als Priester in seine Diözese aufzunehmen. Die Reise von Böhmen nach Amerika dauerte volle vier Monate. Am 1. Juni 1836 kam er in New York an und wurde schon drei Wochen später zum Priester geweiht. Danach zog er in das Gebiet der Niagarafälle.

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Der heilige Johann Nepomuk Neumann verdankt seinen Namen einem anderen tschechischen Heiligen: Johannes Nepomuk wurde um 1345 in Pomuk, südlich von Pilsen, geboren. Er ist der Patron der Brücken und gilt als Hüter des Beichtgeheimnisses - aus einem besonderen Grund.

Kirchen gebaut, Schulen gegründet

Seine Aufgabe war die eines Seelsorgers für deutsche Siedler. Wo immer er hinkam, baute er Kirchen und gründete Schulen. Sein Pfarrsprengel hatte eine Ausdehnung von rund hundert Kilometern. Auf diesem großen Gebiet lebten 400 meist deutschstämmige Familien. Neumann musste sämtliche Wege zu Fuß bewältigen. Für den zierlichen Mann waren die Strapazen zu groß. Ostern 1840 brach er zusammen und wurde zur Erholung in ein Redemptoristenkloster gebracht.

Am 30. November 1840 trat Neumann selbst in den Redemptoristenorden ein und legte 1842 die Profess ab. Danach wurde er Pfarrer an St. Alfons in Baltimore. Auch hier lebten die überwiegend deutschen Gemeindemitglieder weit verstreut. Parallel dazu machte er im Orden Karriere. In rascher Folge wurde er Provinzrat, Oberer des Pittsburgher Klosters und schließlich als Vizeprovinzial Leiter der amerikanischen Niederlassungen des Ordens. Außerdem verfasste er zwei Katechismen in deutscher Sprache und eine biblische Geschichte.

Am 1. Februar 1852 wurde er von Papst Pius IX. zum Bischof von Philadelphia ernannt. Als Leitspruch wählte er: "Passio Christi conforta me" (Leiden Christi, stärke mich). Stärke brauchte er, denn in seinem Bistum erwarteten ihn große Schwierigkeiten. Es fehlte an allem - an Priestern, Kirchen und Schulen.

Gründer des amerikanischen Pfarrschulwesens

Neumann entfaltete eine gewaltige Aufbauarbeit. In seiner nur achtjährigen Amtszeit begann er den Bau der Kathedrale von Philadelphia und richtete ein Priesterseminar ein. Darüber hinaus baute er in seinem Bistum über hundert Kirchen und gründete fast ebenso viele Schulen. Dadurch legte er den Grundstein für das katholische Pfarrschulwesen in den USA.

Die Kathedrale von Philadelphia in den USA. Der vierte Bischof Philadelphias, Johann Nepomuk Neumann, hat den Bau vorangetrieben.

Die Einrichtung von Schulen war Neumann ein Herzensanliegen. Zum einen wusste er, dass der Schlüssel zum sozialen Aufstieg in einer guten Schulbildung lag. Zum anderen wollte er mit den katholischen Pfarrschulen ein Gegengewicht zum protestantisch geprägten amerikanischen Schulsystem schaffen. Dabei setzte er besonders auf den Orden der Armen Schulschwestern, der sich mit seiner Unterstützung rasch in den USA verbreitete. Außerdem gründete er eine franziskanische Schwesterngemeinschaft.

1854 reiste er zum letzten Mal nach Europa und besuchte dabei auch seinen Heimatort Prachatitz. Auf seine Gesundheit nahm er bei alledem keine Rücksicht. Am 5. Januar 1860 brach er auf der Straße zusammen und starb noch am gleichen Tag. Er wurde in der Redemptoristenkirche von Philadelphia bestattet.

Bei aller Tatkraft war Neumanns geistliches Leben immer wieder geprägt vom Gefühl der Gottverlassenheit, von Angst und Niedergeschlagenheit. Doch seine Hoffnung auf einen gütigen Gott überwog alle Furcht. Die eucharistische Verehrung war ihm ein besonderes Anliegen. So führte er in seiner Diözese die von Pfarrei zu Pfarrei wechselnde Ewige Anbetung ein. Johann Nepomuk Neumann wurde 1963 selig- und am 19. Juni 1977 heiliggesprochen. Besonders verehrt wird er bis heute von den aus dem Sudetenland stammenden Deutschen.

Von Birgitta Negel-Täuber (KNA)

Dieser Text erschien bereits im Januar 2016 und wurde nun aktualisiert.