Von Rohrpost bis zum digitalen Bollettino
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Vor 50 Jahren wurde das Presseamt des Heiligen Stuhls gegründet

Von Rohrpost bis zum digitalen Bollettino

PR und gute Öffentlichkeitsarbeit - auch der Vatikan kommt längst nicht mehr ohne sie aus. Das erkannte seinerzeit auch Papst Paul VI. und gründete am 18. Oktober 1966 den vatikanischen Pressesaal.

Von Johannes Schidelko (KNA) |  Vatikanstadt - 18.10.2016

Die Ankündigung machte Papst Paul VI. persönlich. Wenige Tage vor Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) versprach er den akkreditierten Journalisten bei einem Besuch im provisorischen Medienzentrum, dass die Arbeit des Konzilspresseamtes fortgesetzt werde. Knapp ein Jahr später, am 18. Oktober 1966 - vor 50 Jahren -, wurde dann offiziell die "Sala Stampa", der Pressesaal des Heiligen Stuhls gegründet. In der Via della Conciliazione 50, unweit seines heutigen Sitzes.

Die Anfangsjahre waren bewegt. Erster Chef wurde der Geistliche Fausto Vallainc, der zuvor fünf Jahre lang das Konzilspresseamt geleitet hatte. Die neue Einrichtung sollte "jene Initiativen fördern, die den Erfordernissen der modernen Information entsprechen, wie zum Beispiel Pressekonferenzen, Interviews, Gespräche mit Journalisten", betonte die zuständige Kommission für Massenkommunikation.

Bald Verstimmungen im Staatssekretariat

Nur war das Presseamt in der Gründerzeit gerade zweimal wöchentlich geöffnet, montags und freitags von 10 bis 13 Uhr. Jedoch lud der Leiter jeweils freitags zu einer "Wochenübersicht" über die "Aktivitäten des Heiligen Stuhls". Diese lief zunächst gut an, löste nach Missverständnissen und Ärger um einige Vatikankommentare aber bald Verstimmungen bei den Oberen im Staatssekretariat aus.

Papst Franziskus wird vor Kameras interviewt.

Papst Franziskus spricht in eine Fernsehkamera, weitere Fotografen und Kameraleute umkreisen ihn. Der Vatikan passt sich laufend den technischen und organisatorischen Erfordernissen der Medienwelt an.

Zudem gab es damals noch parallel eine zweite vatikanische Informationsstelle: Im Februar 1939 war bei der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" ein "Informationsbüro" eingerichtet worden, das zugelassene Journalisten mit Nachrichten aus dem Vatikan versorgen sollte. Dieses wurde Anfang 1968 in die neue Sala Stampa überführt. Und fast gleichzeitig erhielt Vallainc aus dem Staatssekretariat die Order, künftig Pressekonferenzen nur noch zur Präsentation wichtiger Dokumente zu halten. Ansonsten solle er sich auf die Weitergabe offizieller Mitteilungen aus dem Vatikan beschränken.

Auf den Kleriker Vallainc folgte 1970 der Laie Federico Alessandrini, den nach sechs Jahren wiederum ein Priester ablöste, Romeo Panciroli. In den ersten 22 Jahren unterstand die Sala Stampa offiziell der Medienkommission, die als vorgesetzte Behörde aller vatikanischen Medien die Medienpolitik bestimmte. Die Informationen erhielt der Presseamtsleiter indes direkt aus dem Staatssekretariat - viele Jahre per Rohrpost, später als Fax oder elektronisch. Seine Aufgabe war es, die Liste mit den Audienzgästen des Papstes, die von ihm verfügten Ernennungen und seine Ansprachen auf einen offiziellen Kopfbogen zu montieren, zu vervielfältigen und pünktlich um 12 Uhr den Journalisten auszuhändigen. Bei Fragen musste er sich zunächst selbst im Staatssekretariat sachkundig machen.

Denn anders als im säkularen Bereich gehört der Vatikansprecher nicht zum inner circle der Macht, er nimmt nicht etwa an Kabinettssitzungen teil. Und so lautete Pancirolis Antwort häufig auch "Non mi risulta", er wisse auch nichts darüber.

Zweimal Opus-Dei, dazwischen ein Jesuit

Sein Nachfolger, der dem Opus Dei angehörige Spanier Joaquin Navarro-Valls, hatte persönlich einen guten Zugang zu Johannes Paul II. Er diente ihm 22 Jahre lang auch als Spin-doctor und verstand sich als dessen Sprecher. Mit der Kurienreform "Pastor bonus" von 1988 war er auch nicht mehr der operativen Zuständigkeit des Medienrates unterstellt. Bei inhaltlichen, insbesondere bei theologischen Fragen musste Navarro freilich häufig passen. Im Gegensatz zu seinem Nachfolger, dem Jesuiten Federico Lombardi, der mit Geduld und Präzision komplizierte Sachverhalte verständlich machen konnte und der den Journalisten gewünschte Informationen beschaffte. Freilich verstand Lombardi sich nicht als Papst-Sprecher. Benedikt XVI. könne sehr gut selber sprechen, meinte er.

Linktipp: Lombardis letzte Reise

Zehn Jahre lang war Pater Federico Lombardi Direktor der Pressestelle des Vatikans. Seinen letzten Arbeitstag verbrachte er beim Weltjugendtag an der Seite des Papstes – aber lange dauerte sein Ruhestand nicht. (Artikel vom August 2016)

Sein Nachfolger ist seit 1. August der US-Amerikaner Greg Burke, ebenfalls aus dem Opus Dei, der von der Spanierin Paloma Garcia Ovejero, unterstützt wird. Allerdings musste das Presseamt seine weitgehende Eigenständigkeit mit der geplanten Kurienreform von Papst Franziskus an das neue Mediensekretariat abgeben, dem es seit Anfang 2016 unterstellt ist.

Die Sala Stampa hat sich laufend den technischen und organisatorischen Erfordernissen der Medienwelt angepasst - und ist dort inzwischen angekommen. Das tägliche Bollettino ist digital erhältlich. Pressekonferenzen und Briefings finden häufiger statt, etwa vor Papstreisen oder Großereignissen - und nicht nur zur Präsentation wichtiger Dokumente. Anfragen sind leichter möglich. Die Räumlichkeiten bieten die erforderlichen Standards und sind täglich geöffnet, an sieben Tagen der Woche. Allerdings schließt das Presseamt meist bereits um 15 Uhr - zu früh für das heutige Mediengeschäft. Jedoch ist im Zuge der Stellenstreichungen in manchen Vatikanämtern zu erwarten, dass freigestelltes Personal künftig im Pressesaal eingesetzt werden und dort einen umfangreicheren Service anbieten kann.

Von Johannes Schidelko (KNA)