Von Weihnachtsgurken und Kindleinwiegen
Katholisch.de stellt vergessene Weihnachtsbräuche vor

Von Weihnachtsgurken und Kindleinwiegen

Die Weihnachtszeit ist eine Zeit voller Bräuche. Allerdings ist manches Brauchtum auch verschwunden. Oder wissen Sie, was es mit der Weihnachtsgurke oder dem Frautragen auf sich hat? Katholisch.de stellt vergessene Bräuche vor.

Von Janina Mogendorf |  Bonn - 16.12.2015

"Bräuche haben sich immer gewandelt", schreibt der Freiburger Volkskundler Werner Mezger im SWR-Blog "1000 Antworten". Vor allem die bunten Rituale seien durch die Begegnung verschiedener Kulturen entstanden. Was heute weltweit über die Medien verbreitet wird, wurde früher durch Auswanderer, Händler oder Handwerksburschen auf der Walz weitergetragen. So wie viele Elemente des traditionellen deutschen Weihnachtsfestes, das erst im 19. Jahrhundert entstand und in den USA begeistert übernommen wurde.

Heute kommt altes europäisches Brauchtum in veränderter, oft Hollywood-geprägter Form aus Nordamerika zu uns zurück. So glauben viele deutsche Kinder mittlerweile fest, dass der Weihnachtsmann mit einem Rentierschlitten über die Dächer fliegt und Geschenke verteilt. Wie der Name "Santa Claus" schon verrät, geht die Figur auf "Sinterklaas" zurück, den niederländischen Nikolaus, den Auswanderer einst in die USA brachten.

Weihnachtsbaum im kaminwarmen Wohnzimmer

Der Weihnachtsbaum gehört zu den bekanntesten und bis heute aktuellen Weihnachtsbräuchen.

Weihnachtsgurke

Auch ein anderer Brauch lebt sich seit einigen Jahren wieder in Deutschland ein - die Gurke am Weihnachtsbaum. Ein entsprechender Anhänger wird am Heiligen Abend zwischen den Zweigen versteckt und wer ihn findet, erhält ein Extra-Geschenk. Die erste Weihnachtsgurke aus Glas wurde um 1900 im thüringischen Lauscha geblasen und als Christbaumschmuck verkauft. Auch in die USA, denn nahezu alles mit dem Etikett "Deutsche Weihnacht" wurde damals zum Exportschlager. Der amerikanische Pfarrer Jeffrey Myers, der heute in Wiesbaden lebt, ging der Tradition weiter auf den Grund, so berichtet die "Frankfurter Rundschau", und er stieß auf folgende Geschichte: Ein deutsch-amerikanischer Soldat, der im amerikanischen Bürgerkrieg gefangen worden war, bekam kurz vor seinem Tod eine saure Gurke zu essen, weil er die so gerne mochte. Sie gab ihm neue Kräfte, so dass er die Gefangenschaft überlebte und aus Dank an künftigen Weihnachtsfesten eine Gurke im Baum versteckte.

Weihnachtsbaum

Seit das Weihnachtsfest im Familienkreis gefeiert wird, ist der Christbaum das wichtigste Requisit. Bevor er Eingang in die bürgerlichen Wohnzimmer fand, schmückten die Menschen Stabpyramiden mit Lichtern und Tannenzweigen. Da ein echter Baum in kleineren Stuben schnell zu einem Platzproblem führte, erdachten die Thüringer eine List und hängten ihn kopfüber an die Decke. Die Unterseite seiner Zweige wurde geschmückt.

Frautragen

Auch stillere Riten erleben dieser Tage eine kleine Renaissance. So wird das "Frautragen" in einigen Gemeinden im Rheinland wieder praktiziert. An den neun Tagen vor der Christnacht wird ein Marienbild oder eine Figur von einer Familie zur nächsten gebracht und auf einem Hausaltar zur Andacht aufgestellt. Damit wird die Verbundenheit der Gemeinde mit Maria auf ihrem Weg nach Bethlehem symbolisiert, wie der Kölner Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti erklärt.

Eine Wiege mit gewickeltem Jesuskind im Bayerischen Nationalmuseum in München. Der Christbaum, Krippen und die Geschenke sind heute die wesentlichen Bestandteile des weihnachtlichen Brauchtums. Weitgehend vergessen ist dagegen der älteste bekannte Weihnbachtsbrauch: das Kindleinwiegen.

Kindleinwiegen

Der wohl wichtigste Weihnachtsbrauch des Mittelalters wartet in Deutschland indes noch auf Wiederbelebung.  Beim "Kindleinwiegen" wurde ein Christuskind aus Wachs oder Holz geformt und in der Kirche in eine Wiege gelegt. Die Kinder der Gemeinde schaukelten es und sangen dazu Wiegen- und Weihnachtslieder. In der kleinen romanischen Kirche St. Gertrud im österreichischen Klosterneuburg wurde der Brauch am 7. Januar 2012 - genau 850 Jahre nach der ersten Erwähnung – wieder eingeführt.

Fasten im Advent

Angesichts der überzuckerten Vorweihnachtszeit wird sich das Fasten vor Weihnachten wohl kaum wieder durchsetzen. Noch bis 1917 verlangte das katholische Kirchenrecht, den Advent als Fastenzeit zu begehen. In diesen Wochen durfte nicht getanzt oder aufwendig gefeiert werden. Es gab Fastenbier oder Fastengebäck, das nicht weiter von Schokokugeln mit Vanille-Bratapfel-Geschmack entfernt sein könnte. Auf diese Weise sollte sich der Mensch in Stille auf die "geweihte Nacht" vorbereiten.

Perchten und Schimmelreiter

Das Weihnachtsfest selbst feierten die Menschen früher fröhlich und ausgelassen, ähnlich wie Fasching oder Karneval heute, mit viel heidnischem Brauchtum. Erhalten geblieben ist in den Alpenregionen das "Perchtenlaufen". Bei lautstarken Umzügen vertreiben Maskierte die Wintergeister mit Peitschenknallen und Gewehrschüssen. Schimmelreiter oder vermummte "Heischegänger", die um Weihnachten im Oderland umherzogen, sucht man dagegen heute vergeblich.

Linktipp: Christbaumschmuck

In den Wochen vor Weihnachten ist es Zeit, die Kisten mit dem Weihnachtsschmuck vom Dachboden zu holen. Wie man den Christbaum dekoriert ist heute dem persönlichen Geschmack überlassen. Aber fast alle Baumanhänger haben eine christliche Bedeutung.

Klöpfelnächte, Kurrende-Sänger und Johannesknechte

Ebenso wie die "Klöpfelnächte": In Bayern zogen Kinder von Haus zu Haus, sagten einen Spruch auf und wurden mit Lebkuchen und Obst beschenkt. Im Erzgebirge liefen "Kurrende-Sänger" durch die Dörfer. Die protestantischen Kinderchöre sangen, wie heute die Sternsinger, an den Türen, und sammelten für arme Kinder. Im Hochsauerland sangen Johannes- oder Stephanusknechte beim "Wurstsingen" und erhielten neben Münzen, Wurst und Brot auch Flachs und Wachs. Daraus formten sie eine Kerze, die in der Kirche aufgestellt wurde.

Eiswasser und Federvieh

Viele alte Weihnachtsrituale waren mit der Furcht vor Armut und dem Wunsch auf eine glückliche Zukunft verbunden. Wer früher den Weihnachtstisch mit einer Kette umflocht, hoffte auf ausreichend Brot im neuen Jahr. Auch der Brauch, sich am Weihnachtsmorgen mit eiskaltem Wasser zu waschen, in das Münzen eingetaucht waren, sollte zu Wohlstand verhelfen. Eine andere Hoffnung trieb in Westfalen Mädchen in die Hühnerställe, wo sie am 25. Dezember das schlafende Federvieh weckten. Krähte der Hahn, so sollten sie noch im kommenden Jahr Hochzeit feiern.

Rauhnächte

So wie die Menschen sich auf viele Weisen ein gutes Jahr zu sichern suchten, konnte zwischen dem Heiligen Abend und dem Dreikönigstag aber auch einiges schiefgehen. In den Raunächten ging es draußen nicht geheuer zu. Wer kein Unglück heraufbeschwören wollte, hatte sich an viele Regeln zu halten. Die Menschen durften in dieser Zeit keine Wäsche waschen und am Weihnachtsabend kein schmutziges Wasser ausgießen. Der Ofentopf musste frisch gefüllt sein, damit der Familie kein tränenreiches Jahr bevorstand.

Von Janina Mogendorf