Eine traditionelle Fußwaschung an Gründonnerstag.
Die wichtigsten Begriffe rund um Karwoche und Ostern

Begriffe der Karwoche: Was bedeutet eigentlich...?

An Ostern feiern Christen die Auferstehung Jesu Christi – so viel sollte bekannt sein. Aber was passiert eigentlich an Gründonnerstag? Und wofür steht die Osterkerze? Die Tage rund um das wichtigste Fest der Christenheit sind geprägt von verschiedenen Liturgien, Symbolen und Bräuchen. Katholisch.de gibt einen kurzen Überblick.

Bonn - 01.04.2015

Chrisammesse

Ursprünglich an Gründonnerstag gefeiert, findet die Chrisammesse heute meist an einem früheren Tag der Karwoche statt. Die Messe hat ihren Namen vom Öl, dem Chrisam, das in ihr geweiht wird. Das Salböl wird bei Taufen, Firmungen, Priester- und Bischofsweihen verwendet. Außerdem nutzt man es zur Weihe von Altären und Kirchen. Die Liturgie der Chrisammesse stammt aus dem 7./8. Jahrhundert.

Pfarrer Christof May erklärt die Besonderheiten der Öle, die in der katholischen Kirche verwendet werden. (Quelle: Bistum Limburg)

Gründonnerstag

Der Gründonnerstag hat seinen Namen vom althochdeutschen "greinen" ("weinen"). Am Donnerstag in der Karwoche gedenkt die Kirche des letzten Abendmahls, das Jesus Christus mit seinen Jüngern hielt. Damit ist Gründonnerstag auch Gedächtnis der Einsetzung der Eucharistie. Nach dem Gloria im Gottesdienst verstummen Orgel und Glocken. Im Anschluss an die Predigt kann die Fußwaschung von zwölf ausgesuchten Laien durch den Priester erfolgen. Nach der Messfeier werden Blumenschmuck und Kerzen weggeräumt. In besonders gestalteten Betstunden oder im stillen Gebet gedenken die Gläubigen des Ölberggeschehens, also der bevorstehenden Passion Jesu.

Fußwaschung

Am Vorabend seines Kreuzestodes wusch Jesus während des letzten Abendmahls seinen Jüngern die Füße und trocknete sie mit dem Tuch, das ihn umgürtete (Joh 13, 1-17). . Deshalb ist in der Messfeier vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag die Fußwaschung vorgesehen. Sie ist Zeichen vorbehaltloser Dienstbereitschaft am Nächsten und verpflichtend in allen Kathedral- und Abteikirchen. Die Fußwaschung kann aber auch in allen anderen Kirchen stattfinden.

Karfreitag

Das Wort Karfreitag geht auf das althochdeutsche "kara" zurück, das für "Trauer" und "Wehklage" steht. Karfreitag ist der Freitag vor Ostern, Tag der Kreuzigung Jesu Christi. Er wird als Fasttag und, im Zeichen der Trauer, in Stille und Besinnlichkeit begangen. Am Nachmittag versammeln sich Katholiken zum Wortgottesdienst mit Verlesung der Passionsgeschichte, zur Kreuzverehrung (das mit einem violetten Fastentuch bedeckte Kreuz wird enthüllt und durch Kniebeugen verehrt) und zur anschließenden Kommunionfeier. Dafür werden die gewandelten Hostien vom Vortag verwendet, da an Karfreitag keine Eucharistiefeier stattfinden kann. In vielen Gemeinden finden am Morgen des Karfreitags zudem Kreuzwegandachten statt.

Der Papst begeht den traditionellen Kreuzweg am Karfreitag ab 21.15 Uhr am Kolosseum in Rom. Das Video zeigt den Kreuzweg aus dem vergangenen Jahr. (Quelle: Vatican)

Osternacht

In der Nacht zwischen Karsamstag und Ostersonntag feiern Christen die Auferstehung Jesu von den Toten. Die Osternacht wird, ebenso wie die Heilige Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, als "nox sacratissima" ("heiligste Nacht") bezeichnet. Die Feier, die am späten Abend vor dem Osterfest oder am frühen Ostermorgen stattfinden kann, beginnt außerhalb der Kirche mit einem Osterfeuer, an dem die Osterkerze entzündet wird. Im Wortgottesdienst gibt es mindestens drei Lesungen aus dem Alten Testament, darunter der Bericht aus dem Buch Exodus, der den Auszug der Israeliten aus Ägypten beschreibt. Aus dem Evangelium wird die Passage von der Auferstehung Jesu Christi verlesen. Nach der Predigt findet die Tauffeier statt, an deren Ende die Gläubigen ihr Taufbekenntnis erneuern und mit dem geweihten Wasser besprengt werden. Höhepunkt und Abschluss der Osternachtliturgie ist die anschließende Eucharistiefeier, der in manchen Kirchen das Fastenbrechen folgt. Sowohl Ostern wie Weihnachten sind liturgisch durch die Lichtsymbolik geprägt.

Osterkerze

Eine große, häufig schön verzierte Kerze, die bei der Feier der Osternacht am Osterfeuer vor der Kirche entzündet wird. Während der Osterzeit, die bis Pfingsten dauert, steht die Osterkerze im Altarraum und wird während der Gottesdienste entzündet. Danach soll sie als österliches Symbol beim Taufbrunnen oder in der Taufkapelle aufgestellt werden. Um die Verbindung von Ostern und Taufe auszudrücken, werden bei der Taufe die Taufkerzen der Neugetauften an der Osterkerze entzündet. In vielen Gemeinden werden inzwischen auch Gottesdienste für Verstorbene als Auferstehungsgottesdienste gefeiert, bei denen die brennende Osterkerze in der Nähe des Altares steht.

Osterlamm

Das Osterlamm oder auch "Lamm Gottes" ("Agnus Dei") ist ein Synonym für Jesus Christus und dessen Auferstehung. Jesus ist das wahre Paschalamm, wie es im Evangelium des Johannes heißt. Ein Paschalamm wurde bei der jüdischen Feier des Pascha oder Pesach verzehrt. Papst Sergius I. brachte im 7. Jahrhundert den Ruf "Lamm Gottes" in die Messfeier ein. Dieser Ruf wird während des Brotbrechens und vor dem Friedensgruß gesprochen oder gesungen. In der Osterfeier werden Brote, die in Form von Lämmern gebacken wurden, gesegnet und beim anschließenden Fastenbrechen verzehrt.

Osterfeuer

Zu Beginn der liturgischen Feier der Osternacht wird ein Osterfeuer entfacht, an dem die Osterkerze entzündet wird. Osterfeuer (auch: Judasfeuer, weil Judas symbolisch verbrannt wird) heißt aber auch das Feuer, das im Rahmen des Brauchtums meist am Ostersamstag, zum Beispiel auf Bergen, entzündet wird. Beide Feuer stehen im Zusammenhang mit der österlichen Lichtsymbolik in der Liturgie ("Ich bin das Licht der Welt", Joh 8, 12), die den Sieg des Lebens über den Tod anzeigt.

Osterei

Das Ei ist in den meisten Kulturen ein Symbol für Fruchtbarkeit und neues Leben. An Ostern soll es Zeichen dafür sein, dass durch die Auferstehung neues Leben möglich wird. Das "klassische" Osterei ist gekocht und rot gefärbt. Die Farbe "Rot" symbolisiert den Opfertod Christi.

Urbi et orbi

"Urbi et orbi" ist lateinisch und heißt "der Stadt [Rom] und dem Erdkreis". Es ist der feierliche Segen, den die Päpste von der Benediktions-Loggia (Segens-Balkon) der Peterskirche zu besonderen Anlässen spenden, etwa nach ihrer Wahl oder zu großen Festen wie Ostern und Weihnachten. In der lateinischen Formel "Urbi et orbi" spiegelt sich das Weltbild der römischen Antike wider, als Rom noch als Inbegriff der Stadt ("urbs") und Mittelpunkt des Erdkreises ("orbis") betrachtet wurde.

Fastenbrechen

Die erste Speise nach der Fastenzeit wird als Fastenbrechen bezeichnet. Es ist nicht Bestandteil der Liturgie, wird aber in manchen Gemeinden und Klöstern gemeinschaftlich nach der Feier der Osternacht begangen. Hier gibt es meist die zuvor gesegneten Osterlämmer und gefärbte Ostereier zu essen.

Zusammengestellt von Björn Odendahl