Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Pater Josef Maria Böge über das Sonntagsevangelium

Was brauchen wir wirklich für unser Leben?

Bei der Brotvermehrung gibt Jesus einer Menschenmenge zu Essen - um selber wieder zu Kräften zu kommen, macht er etwas anderes. Für Pater Josef Maria Böge ist das eine Anregung für die Urlaubszeit.

Von P. Josef Maria Böge OSB |  Bonn - 28.07.2018

Pater Josef Maria Böge

Impuls von Pater Josef Maria Böge

Was brauchen wir wirklich für unser Leben? Essen und Trinken fällt uns vielleicht zuerst ein. Passend dazu ist das heutige Evangelium mit "Die wunderbare Speisung der Volksmenge" überschrieben. Doch beim genauen Hinschauen auf den Text und auf unser eigenes Leben geht es um weitaus mehr.

Jesus steigt auf einen Berg. Dort in der Einsamkeit versammelt und lehrt er seine Jünger. Der Berg ist der Ort, an dem Mose die Zehn Gebote, die Weisungen Gottes für ein gelingendes Leben, empfängt. Diese Weisungen sollen uns helfen, unser Leben auf die tiefe Freundschaft mit Gott zu gründen und aus dieser Erfahrung die Beziehungen zu unseren Mitmenschen zu gestalten.

Jesu Art zu leben und zu wirken ist authentisch – sie zieht Menschen an. Sie suchen Heil an Leib und Seele. Bei der anschließenden Begegnung mit ihnen geht es dann ganz praktisch um die leiblichen Bedürfnisse dieser Menschen: Sie brauchen etwas zu essen. Unser Leib hat gewisse Bedürfnisse, die wir erfüllen sollten – ist doch unser Leib ein Tempel des Heiligen Geistes wie es der Apostel Paulus schreibt.

Nachdem alle gegessen haben steigt Jesus noch einmal auf den Berg. Am Ende eines Tages, der mit vielen verschiedenen Aktivitäten angefüllt war, sucht er dort Stille und Einsamkeit. Auf dem Berg – seit alters her ist der Berg ein Ort der Gottesbegegnung – zieht Jesus sich zurück, klinkt sich aus dem Alltag aus, sucht und braucht Rückzug und Stille. Er braucht die Zeit, um sich wieder ganz auf Gott auszurichten, sich von IHM stärken zu lassen.

Das Verhalten Jesu kann Modell und Hinweis darauf sein, wie wir in rechter Weise leben sollen. Wir dürfen auf unser Leben und die Bedürfnisse von Leib, Seele und Geist schauen: die Lesung in der Heiligen Schrift, Betrachtung, Lektüre von Bibelkommentaren und Predigten dienen unserem Geist als Nahrung.

Der Leib braucht ein bestimmtes Maß an Lebensmitteln – und diese Notwendigkeit ist ernst zu nehmen, wie die vierte Vaterunser-Bitte um das tägliche Brot verdeutlicht. In unserer schnelllebigen Zeit sehnt sich die menschliche Seele nach Stille. Sich mal rausnehmen, in eine tiefe Ruhe eintauchen: das sind die Voraussetzungen, um mit ganzem Herzen Gott zu begegnen, aber auch um wirklich zur Ruhe zu kommen, IHM zu sagen was mich im Innersten bewegt und IHM allen Ballast des Lebens abzugeben.

Vielleicht ist die sommerliche Urlaubszeit der richtige Moment, sich in diesen Lebensstil Jesu einzuüben – damit wir auch im Alltag aus der Beziehung zum Herrn leben.

Von P. Josef Maria Böge OSB

Evangelium nach Johannes (Joh 6, 1-15)

In jener Zeit ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe.

Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.

Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele!

Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen.

Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt. Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.

Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Der Autor

P. Josef Maria Böge OSB ist Benediktinermönch in der Abtei Plankstetten.