Ein Mann hält das Papstschreiben "Amoris laetitia" in der Hand
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Auch Kardinal unterstützt Papier von drei kasachischen Bischöfen

Weitere Bischöfe kritisieren "Amoris laetitia"

Auch 2018 geht die Debatte um "Amoris laetitia" weiter: Vier emeritierte Bischöfe unterstützen nun ihre kasachischen Mitbrüder, die den Papst am Dienstag kritisierten. Unter ihnen ist auch ein Kardinal.

Rom - 07.01.2018

Die Kritik dreier kasachischer Bischöfe am päpstlichen Lehrschreiben "Amoris laetitia" über Ehe und Familie haben inzwischen vier weitere Bischöfe unterzeichnet. Wie der italienische Onlinedienst "Vatican Insider" sowie die Internetseite des Vatikanexperten Marco Tosatti am Wochenende berichteten, sind dies der frühere Salzburger Weihbischof Andreas Laun, der lettische Kardinal Janis Pujats, der frühere Erzbischof von Ferrara/Italien, Luigi Negri, sowie der frühere Päpstliche Botschafter in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano.

Das Papier der drei Kasachen mit dem Titel "Bekenntnis zu den unveränderlichen Wahrheiten über die sakramentale Ehe" wurde am vergangenen Dienstag bekannt und laut dem Mitunterzeichner, Weihbischof Athanasius Schneider, über die Apostolische Nuntiatur auch dem Vatikan zugeleitet. Neben Schneider gehören Astanas Erzbischof Tomash Peta und der ehemalige Oberhirte des Erzbistums Karaganda, Jan Pawel Lenga, zu den Erstunterzeichnern.

Ihr Schreiben wendet sich gegen die vom Papst bestätigten Regelungen der Argentinischen Bischofskonferenz, nach denen in Einzelfällen zivilrechtlich wiederverheiratete Geschiedene nach eingehender seelsorglicher Prüfung die Sakramente empfangen können, auch wenn ihre frühere Ehe kirchenrechtlich weiter Bestand hat. Franziskus hatte die Orientierungshilfe der argentinischen Bischöfe zu "Amoris laetitia" in das vatikanische Amtsblatt aufgenommen und damit zum Teil der päpstlichen Lehre erklärt.

Linktipp: Auslegung von Fußnote 351 lehramtlich bestätigt

Die Zulassung Wiederverheirateter zur Kommunion in Einzelfällen war die gängige Interpretation von "Amoris laetitia" - aber nicht die einzige. Nun macht Papst Franziskus sie offiziell. (Artikel vom Dezember 2017)

Ein in der bisherigen Debatte wenig verwendetes Argument der jüngsten Initiative besagt: Nicht nur die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe sei unveränderlich und gehöre zu den Glaubensdogmen, sondern auch die sakramentale Disziplin für eine geschlossene und vollzogene Ehe.

Dagegen weist der Vatikanexperte Andrea Tornielli darauf hin, nach kirchlicher Tradition stehe die Disziplin der Sakramente nicht im Rang eines Dogmas. Vielmehr habe die Kirche den Zugang und den Umgang mit den Sakramenten angepasst, wenn gewichtige Umstände dies erforderten.

Weihbischof Schneider begründete seine Initiative mit der von Franziskus geforderten Debattenkultur. "Es kann nicht sein, dass kein Priester und Bischof es wagt, eine vernünftige und begründete Meinung zu äußern", erklärte Schneider am Dienstag auf Anfrage in Astana. Der Papst müsse "froh sein" über ein gemeinsames Ringen. In der Kirche sollte eine "Kultur der Freiheit" herrschen. (KNA)