Eine Gruppe von jungen Leuten steht draußen in der Natur unter einem Holzkreuz.
Christliches Orientierungsjahr "Basical" hilft bei der Lebensplanung

Wenn Gott die Regie übernimmt

Die Grundlage für ein gelingendes Leben schaffen - das will das Orientierungsjahr "Basical". Das Angebot richtet sich an junge Leute. Neun Monate lang leben sie in einer WG und arbeiten an ihrer Zukunft.

Von Gabriele Höfling |  Augsburg - 08.08.2016

"Da habe ich auf einmal gespürt, dass Jesus da ist", erzählt die 20-Jährige. Und auf diese erste große Begegnung mit dem Gottessohn sollten noch viele weitere folgen: "Das fühlt sich an wie die erste große Liebe", so formuliert Schmuttermeier es heute.

Die Schlüsselerfahrung dieses Herbstabends, die Schmuttermeiers Leben seither prägt, fand in einem ganz besonderen Rahmen statt: Lorena ist eine von elf jungen Leuten, die von Oktober vergangenen Jahres bis Anfang Juli 2016 als "Basical" in einer riesigen Wohngemeinschaft des Bistums mitten in der Augsburger Altstadt lebten. Schon zum zweiten Mal hatte die Diözese dieses christliche Orientierungsjahr angeboten.

"Aus dem Hamsterrad der Leistungsgesellschaft aussteigen"

Es soll jungen Leuten dabei helfen, sich über ihre Zukunft klar zu werden. "Wir bieten ihnen die Möglichkeit, aus dem Hamsterrad der Leistungsgesellschaft auszusteigen und buchstäblich die Basis zu schaffen für die Gestaltung ihres eigenen Lebens und Glaubens", erklärt Diözesanjugendpfarrer Florian Markter. "Basical" leite sich nicht nur aus dem Wort ‚Basis‘, sondern auch aus ‚Sabbatical‘ her, ergänzt er: "Die jungen Leute nehmen sich ein Jahr Zeit für sich und für Gott". Alle, die nach dem Abi, einer Berufsausbildung oder einem abgebrochenen Studium nach neuer Orientierung suchen, sind hier richtig - vorausgesetzt, dass für sie der katholische Glaube eine wichtige Rolle spielt.

Teresa Weigand (links) und Lorena Schmuttermeier im Porträt

Teresa Weigand (links) und Lorena Schmuttermeier haben das Basical im Bistum Augsburg absolviert.

Denn der ist fester Bestandteil des Orientierungsjahres. Das zeigt schon der Wochenplan, der auf www.basicals.de, der Internetseite des Projekts, abrufbar ist. An den Werktagen geht es jeweils um 7 Uhr mit Morgengebet oder Heiliger Messe los, nachmittags ist eine zweite Gebetszeit vorgesehen und das Abendgebet um 21:30 Uhr beendet den Tag. "Gott ist für uns die Grundlage von allem. Ich bin mir sicher, dass die Beschäftigung mit ihm uns auch bei der Frage weiterhilft, wie wir unser Leben gestalten wollen", sagt Florian Markter.

Und gerade dieser Schwerpunkt kommt gut an. Nach dem gefragt, was ihr am meisten Spaß gemacht hat, nennt die 19-jährige WG-Bewohnerin Teresa Weigand ohne Zögern die verschiedenen Bibelkurse. Eine ähnliche Antwort kommt von Lorena Schmuttermeier: "Was man alles aus einer Bibelstelle herausholen kann, das ist der Wahnsinn", sagt sie. Für die junge Frau ist der Glaube während des Basicals zu einem unverzichtbaren Begleiter geworden. "Früher bin ich in der Kirche eher mitgelaufen - ich war eben sonntags im Gottesdienst, hatte aber sonst mit dem Glauben nicht viel am Hut. Inzwischen ist er mein Fundament und der Kompass für mein Leben". Die junge Frau schließt nicht aus, sogar eines Tages einem Orden beizutreten - doch sie will nichts überstürzen. Erst einmal hat sie eine Stelle als Sekretärin in der bischöflichen Pressestelle angetreten.

Dass ihr diese Arbeit Spaß machen könnte, ist ebenfalls ein Ergebnis des Basicals. Während der Monate in der Augsburger WG wird das Ziel der beruflichen Orientierung gezielt und strategisch angegangen. Alle Teilnehmer durchlaufen einen Berufstest, der ihre persönlichen Stärken und Schwächen herausarbeitet. Die Ergebnisse besprechen die jungen Leute dann mit einer Persönlichkeitstrainerin und bewerben sich auf dieser Basis für Praktika. Weigand hat sich zum Beispiel ein Krankenhaus und eine Arztpraxis näher angeschaut. "Ich weiß jetzt, dass ich Medizin studieren will", freut sich die Abiturientin. Die jungen Leute entdeckten ganz unterschiedliche Berufsziele – vom Maurer bis hin zu einem Job in der Energiewirtschaft, erklärt Florian Markter, der seine Wohnung im gleichen Haus wie die Basicals hat, um sie optimal betreuen zu können.

Junge Leute sitzen gemeinsam in einem Klassenraum

Auch, die Schulband zu drücken, gehört dazu: Die Basicals beim Unterricht

Zum Orientierungsjahr gehört es aber auch, für einige Stunden am Tag die Schulbank zu drücken. "Wir wollen den Basicals ein breites Wissen vermitteln als Rüstzeug, um über ihre Zukunft zu entscheiden und sich in Kirche und Gesellschaft einzubringen", erklärt Markter. Theologie und Sozialethik, aber auch Anthropologie - also die Lehre vom Menschen - stehen auf dem Stundenplan. Als Beispiel dafür nennt der Seelsorger auch ein Modul der sogenannten "wertorientierten Sexualpädagogik". "Wie schaut mein Körper aus? Und wie gehe ich verantwortungsvoll damit um? Solche Themen werden dann besprochen", erklärt er.

Rundreise auf den Spuren Jesu

Eins der unumstrittenen Highlights des Orientierungsjahrs ist eine zehntägige Rundreise nach Israel auf den Spuren Jesu. Der See Genezareth, Bethlehem, Jerusalem und Nazareth sind dann einige Stationen. Zu Hause im Bistum Augsburg sind die Basicals zudem zehn Tage zu einer missionarischen Woche in einer Gemeinde unterwegs. Jeweils zu zweit laufen sie dann von Tür zu Tür, schenken den Menschen kleine Friedenslichter und fragen, ob sie für sie beten können: "Die Resonanz darauf ist unglaublich. Die Menschen freuen sich, nennen uns ihre Anliegen und sind manchmal zu Tränen gerührt", weiß Markter.

Sowohl für Lorena Schmuttermeier als auch für Teresa Weigand war ihr Basical eine tolle Erfahrung. "Wir hatten ziemlich viel Spaß und haben uns einige verrückte Projekte ausgedacht", meint Weigand. So sind die WGler spontan auf Straßenmission gegangen und haben etwa an Ampeln Abreißzettelchen mit geistlichen Sprüchen geklebt: "Jesus liebt  Dich", war da zu lesen. "Als wir dann am nächsten Tag gesehen haben, dass schon einige Zettel abgerissen waren, haben wir uns sehr gefreut". Für Teresa hat das Basical neben ihrem Berufswunsch vor allem eine grundlegende Erkenntnis gebracht, die sie kurz und knapp zusammenfasst: "Gott ist derjenige, der die Regie über mein Leben übernehmen will".

Von Gabriele Höfling