Papst Benedikt XVI. am Tag seiner Rücktritts-Ankündigung am 11. Februar 2013.
Bild: © KNA
Vor einem Jahr kündigte Papst Benedikt XVI. überraschend seinen Rücktritt an

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Es waren nur wenige Worte, doch sie machten Geschichte. Als Benedikt XVI. am 11. Februar 2013 seinen Rücktritt ankündigte, löste er ein Beben aus. Katholisch.de blickt auf diesen historischen Tag zurück.

Von Steffen Zimmermann |  Bonn - 11.02.2014

Es waren nur wenige Worte, doch sie machten Geschichte: "Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben. Im Bewusstsein des Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, das mir durch die Hand der Kardinäle am 19. April 2005 anvertraut wurde, zu verzichten."

Als Benedikt XVI. am 11. Februar 2013 seinen Rücktritt vom Papstamt ankündigte, löste er ein globales Beben aus. Angefangen bei den im Vatikan versammelten Kardinälen, an die das Kirchenoberhaupt seine Worte gerichtet hatte, bis in alle Winkel der Welt schlug die Nachricht vom ersten Rücktritt eines Papstes seit dem Mittelalter ein "wie ein Blitz aus heiterem Himmel", wie Kardinaldekan Angelo Sodano es unmittelbar nach der Ankündigung Benedikts formulierte.

Lange vorbereitete Entscheidung

Der deutsche Papst begründete seine epochale Entscheidung mit der Abnahme seiner geistigen und körperlichen Kräfte. Er habe sein Unvermögen erkennen müssen, "den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen", sagte Benedikt XVI. Er entschied sich damit für einen anderen Weg als sein Vorgänger: Während Johannes Paul II. (1978-2005) in den letzten Jahren seines Pontifikats sein Leiden öffentlich gemacht hatte, trat Benedikt zurück, als er merkte, dass er das "Schifflein Petri" nicht mehr mit voller Kraft würde steuern können.

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Papst Benedikt XVI. verabschiedet sich vor seinem Rücktritt am 28. Februar 2013 von Gläubigen in Castel Gandolfo

Die Entscheidung zum Rücktritt hatte Benedikt Monate lang vorbereitet – und nur wenige Vertraute eingeweiht. Als einer der Ersten wusste Papstbruder Georg Ratzinger von den Plänen, und wie alle anderen bewahrte er das Geheimnis bis zum Schluss – bis zur sensationellen Ankündigung seines Bruders am 11. Februar 2013.

Die italienische Journalistin Giovanna Chirri verfolgte das Treffen des Papstes mit den Kardinälen an diesem Tag vom vatikanischen Pressesaal aus. Als sich das Kirchenoberhaupt kurz vor Ende der Versammlung noch einmal das Mikrofon reichen ließ, traute die Redakteurin der Nachrichtenagentur ANSA zunächst ihren Ohren und ihren Sprachkenntnissen nicht. Denn Benedikt XVI. hatte seine Rücktritts-Ankündigung in Latein formuliert, und Chirri war sich unsicher, ob die den Papst wirklich richtig verstanden hatte. Doch schließlich traute sie sich und vermeldete als Erste die Meldung vom Papst-Rücktritt – ein weltweiter Scoop.

Lauffeuer rund um den Globus

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Sensation rund um den Globus; auch in Deutschland, obwohl weite Teile des öffentlichen Lebens hier – vor allem in den katholischen Regionen am Rhein - durch den Rosenmontag lahmgelegt waren. In ihren ersten Reaktionen äußerten Kirchenvertreter und Politiker dem Papst hohen Respekt für seine Entscheidung.

Bundespräsident Joachim Gauck bescheinigte Benedikt für seinen "historisch höchst seltenen Entschluss" großen Mut und Selbstreflexion. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte Benedikt einen der "bedeutendsten religiösen Denker unserer Zeit". Sie habe "allerhöchsten Respekt" für die Rücktritts-Entscheidung des deutschen Pontifex. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon würdigte das Wirken Benedikts XVI: Er habe immer großen Respekt für den Papst und seine Arbeit gehabt.

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Video: © Nicole Stroth

"Mit Respekt und Bewunderung" sieht Erzbischof Zollitsch auf den Amtsverzicht von Benedikt XVI. "Er gibt ein Beispiel wirklichen Verantwortungsbewusstseins", so der DBK-Vorsitzende

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, würdigte den Papst als "leuchtendes Beispiel wirklichen Verantwortungsbewusstseins und lebendiger Liebe zur Kirche". Mit Blick auf Benedikt XVI bekannte der Freiburger Oberhirte: "Er wird uns fehlen. Aber es wird viel von ihm bleiben." Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, bezeichnete die Ankündigung des Papstes als tiefen Einschnitt. Und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, sagte: "Dass Papst Benedikt, der im 86. Lebensjahr steht, von sich aus das Amt abgibt, empfinde ich als bewegend, und es erfüllt mich mit großem Respekt."

Respektsbekundungen aus aller Welt

In die Respektsbekundungen aus aller Welt mischten sich zugleich auch Spekulationen um die Gründe für den Rücktritt. War es, so wurde gefragt, wirklich nur die angeschlagene Gesundheit des Papstes? Oder hatten auch die zahlreichen Skandale und Krisen während des Pontifikats zu zum Entschluss des Papstes beigetragen? Vor allem in den Medien wurde spekuliert, ob Benedikt nach den Missbrauchsskandalen und den "Vatileaks"-Enthüllungen die Nase voll hatte. Letztlich blieben dies jedoch nur Vermutungen.

Nach seiner Ankündigung blieb Benedikt XVI. noch zweieinhalb Wochen im Amt, ehe der Stuhl Petri am 28. Februar um 20 Uhr vakant wurde. In den letzten Tagen seines Pontifikats wurde dem Papst aus Deutschland eine Sympathie zuteil, wie er sie zuvor nur in den ersten, unbeschwerten Monaten seines Pontifikats erlebt hatte. Eine besondere Abschiedsfeier gab es allerdings nicht, Benedikt betrieb vielmehr "business as usual". Letzter öffentlicher Auftritt war die Generalaudienz am 27. Februar. Einen Tag später verließ der Papst mittags im Hubschrauber den Vatikan in Richtung Castel Gandolfo. Das Pontifikat von Benedikt XVI. endete damit nach 2.873 Tagen.

Von Steffen Zimmermann