Familie im Gegenlicht eines Sonnenuntergangs am See.
Karlsruher Verfassungsgespräch nimmt Familien in den Blick

Wieviel Schutz braucht Familie?

Homo-Ehe, Patchwork-Familie, Ehegattensplitting , Sukzessiv-Adoption - nur einige Schlagworte aus Debatten der letzten Wochen und Monate. Und in aller Regel kochen bei solchen Diskussionen die Emotionen hoch. Kaum ein Thema spalte und eine die Gesellschaft so wie Ehe und Familie , betonte dann auch Bundesverfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle beim Verfassungsgespräch am Donnerstagabend in Karlsruhe.

Karlsruhe - 23.05.2014

Die Veranstaltung mit hochrangigen Vertretern aus Kirche und Politik stand unter dem Titel "Gesellschaft im Umbruch: Wieviel Schutz brauchen Ehe und Familie?". Die Frage der Gleichbehandlung der Ehe mit anderen Partnerschaftsformen hält Voßkuhle dabei nicht für ein drängendes gesellschaftliches Problem. Wichtiger sei, dass es insgesamt eine sinkende Bereitschaft gebe, überhaupt auf Dauer angelegte feste Bindungen einzugehen. Zudem nähmen "Bereitschaft oder Fähigkeit ab, diese Partnerschaften auch tatsächlich dauerhaft aufrecht zu erhalten".

Player wird geladen ...

Für die katholisch.de-Serie "Freundebuch" hat uns Reinhard Marx einen Einblick in sein Leben gewährt.

Darf der Gesetzgeber bestimmte Familienmodelle fördern?

Bei allem Streit über die "richtigen" Formen seien die Menschen vereint in der Einschätzung der Bedeutung von Familie für das Miteinander und die Zukunft der Gesellschaft, so Voßkuhle. Gespalten dagegen seien die Bundesbürger in der Frage, ob der Gesetzgeber bestimmte Familienmodelle fördern oder gar regelnd eingreifen dürfe oder ob er sich in Toleranz gegenüber der Pluralität der Lebensformen zurückhalten solle. "

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx , betonte, es gebe "keinen Ersatz für die Familie". Wenn Familienstrukturen porös würden, habe dies "verheerende Konsequenzen" für die gesamte Gesellschaft. Der Münchner Erzbischof wandte sich gegen die Möglichkeit, dass gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren dürfen. Die "Geschlechterdifferenz" von Mutter und Vater sei bedeutsam. Zentrale Perspektive bei der Adoption müsse das Kindeswohl sein.

Intelligent, emotional gebildet

Darin stimmte Marx mit dem rechtspolitischen Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, überein. In der Realität aber könne es, so Beck, auch sein, dass ein Kind in einer heterosexuellen Beziehung und ein anderes bei einem homosexuellen Paar besser aufgehoben sei. Internationale Studien über Regenbogenfamilien kämen zum Ergebnis, dass Kinder mit schwulen oder lesbischen Eltern so intelligent, emotional gebildet und im selben Maß homosexuell veranlagt seien wie andere Jungen und Mädchen.

Es gibt keinen Ersatz für die Familie.

Zitat: Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Ähnlich äußerte sich der evangelische Kirchenpräsident von Hessen und Nassau, Volker Jung. Er ist Mitverfasser der familienpolitischen Denkschrift des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), in der eine Erweiterung des Familienbegriffs verlangt wird. Jung sprach sich ebenso wie Beck dafür aus, das Instrument des steuerlichen Ehegattensplittings "umzugestalten". Es gehe um Familienförderung, und deshalb müssten auch Alleinerziehende davon profitieren. Familien, so Jung, brauchten "vernünftige Bedingungen und keine moralischen Appelle".

Kramp-Karrenbauer: Adoption nur für Heterosexuelle

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) warnte vor einer Gesellschaft, in der immer mehr Jungen und Mädchen ohne männliche Bezugsperson aufwüchsen. Aus ihrer Sicht soll eine Adoption Heterosexuellen vorbehalten bleiben. Sie wies darauf hin, dass es in Frankreich "zum guten Ton gehört, Kinder zu haben". Wenn in Deutschland dagegen Jugendämter mit Menschen Mitte 20 zu tun hätten, habe sie das Gefühl, dass "wir ein Problem damit haben, erwachsen zu werden".

Kramp-Karrenbauer plädierte für ein Klima in der Gesellschaft, in der Menschen als "soziale Wesen mit Familienbindung" wahrgenommen würden. Die Ministerpräsidentin sieht übereinstimmend mit Marx, Beck und Jung einen großen Nachholbedarf bei der Frage der Vereinbarkeit von Familie und Pflege . Aus Sicht von Marx gilt es, sich auf einen bevorstehenden Umbruch vorzubereiten. Beck kritisierte ebenfalls ein "schlechtes System für Menschen, die sich für die Pflege von Angehörigen" entschieden. Jung forderte mehr Netzwerke für Pflege; Familien allein schafften es nicht.

Von Michael Jacquemain (KNA)