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Kölner Erzbischof kritisiert Klima in der öffentlichen Debatte

Woelki redet Journalisten ins Gewissen

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Kölns Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki bei einem Pressetermin.
Köln - Die öffentliche Debatte in Deutschland leidet an Populismus und Alarmismus, beobachtet Kölns Kardinal Rainer Maria Woelki. Um das zu ändern, müssten sich die Journalisten auf ihr Berufsethos besinnen.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wendet sich gegen Scharfmacher in der politischen Debatte. "Das Gesprächsklima hat sich stark radikalisiert", kritisierte der Erzbischof am Donnerstagabend in Köln. Das zeige sich aktuell vor allem "an der überhitzt geführten Diskussion der Flüchtlingsfrage". Die Öffentlichkeit sei "zurzeit geprägt von viel Polemik und plattem Populismus bis in höchste politische Kreise".

Der Kardinal wandte sich beim Medienempfang des Erzbistums Köln gegen eine "populistische Spielart der Politik", die sich "durch bewusste sprachliche Grenzverletzungen" auszeichne. Dies werde damit begründet, dass man die Ängste der Leute ernst nehmen müsse. "Der dauernde Alarm durch Krisenbotschaften und Schlagzeilen kippt gesellschaftlich um in einen Alarmismus, der notwendige Debatten eher verhindert und den Wunsch nach einfachen Lösungen wachsen lässt", sagte er.

Kardinal: Menschen in prekären Lagen nicht vergessen

Woelki rief die Medien auf, "den Dialog und Austausch im Sinne guter Problemlösungen" zu fördern. Sie sollten über Tatsachen und Vorgänge berichten, die drohen vergessen zu werden. Als Beispiel nannte er die Situation von Menschen in prekären Lebenslagen. Die Medien hätten wie die Kirche die Aufgabe, die Ausgeschlossenen ins öffentliche Bewusstsein zu heben. Diese Aufgabe entspreche auch dem journalistischen Ethos, wie es etwa der Deutsche Presserat formuliert habe.

Der Erzbischof kritisierte, dass trotz sinkender Arbeitslosenzahlen die Armutsquote seit Jahren bei 15 Prozent verharre. Jede siebte Person verfüge über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens und sei damit von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen. So gingen Paket-Zusteller trotz 50-Stunden-Job gerade mal "mit 900 Euro nach Hause". Woelki warnte vor einer "Unterschichtung in unserer Gesellschaft".

Der Erzbischof äußerte sich in der Wagenhalle des Malteser Hilfsdienstes in Köln. Dabei lobte er besonders das Engagement der Malteser Migranten Medizin (MMM), die seit 2005 mehr als 115.000 Menschen ohne Krankenversicherung ärztlich betreut haben. (KNA)

Linktipp: Woelki: Obdachlose in Deutschland nicht übersehen

Der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, erinnert daran, über 300.000 Obdachlose in Deutschland nicht zu übersehen. Christen hätten diesen Menschen gegenüber eine ganz besondere Pflicht.

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