Zwischen Erzgebirge und Erzbistum
Bild: © KNA
Erzbischof Heiner Koch hat sich aus dem Bistum Dresden-Meißen verabschiedet

Zwischen Erzgebirge und Erzbistum

Nur gut zwei Jahre war Heiner Koch Bischof von Dresden-Meißen. Nun hat er sich aus seiner Diözese nach Berlin verabschiedet. Und das ganz zum Bedauern seiner Mitarbeiter und der Gläubigen. Die werden ihren Bischof vermissen.

Von Markus Kremser |  Dresden - 09.09.2015

"Zwei Jahre sind zu kurz", sagt einer der Gottesdienstbesucher und fügt hinzu, dass der Magdeburger Bischof Gerhard Feige Recht habe. Der hatte kritisiert, dass nach Görlitz und Berlin die Diözese Dresden-Meißen schon das dritte Bistum im Osten Deutschlands ist, das seinen Bischof nach nur kurzer Dienstzeit - diesmal handelte es sich lediglich um rund zwei Jahre - wieder verloren hat. Koch war am 8. Juni von Papst Franziskus zum Nachfolger von Kardinal Rainer Maria Woelki als Erzbischof von Berlin ernannt worden.

Koch sieht seinen Weggang aus Dresden nicht so tragisch. "Ich bin ja nicht ganz weg. Als Erzbischof von Berlin werde ich als Metropolit Dresden ja weiter verbunden bleiben", sagt er. Gemeinsam mit dem Bistum Görlitz bilden die Diözese Dresden-Meißen und das Erzbistum Berlin die Kirchenprovinz Berlin.

Rheinische Geselligkeit und sächsische "Gemietlichkeit"

Der Rheinländer Koch ist in den nur etwas mehr als zwei Jahren als Bischof von Dresden im Osten angekommen. Er bringt rheinische Geselligkeit und sächsische "Gemietlichkeit" zusammen. "Sie haben ein starkes Bistum", sagt er beim Abschiedsempfang zu einem Ehepaar, das sich verabschieden will, und schiebt dabei anerkennend die Unterlippe vor.

Linktipp: Ein Tag mit Bischof Heiner Koch

Heiner Koch, der designierte Erzbischof von Berlin, hatte auch bisher einen aufregenden Job: Seit März 2013 war er Bischof von Dresden-Meißen. Doch wie sieht eigentlich der Arbeitstag eines Bischofs aus? Katholisch.de hat Heiner Koch einen Tag lang begleitet.

Heiner Koch, der aus der Volkskirche im Rheinland kommt, hat die Diaspora schätzen gelernt. Und er erzählt ohne Unterlass, dass es keinen Menschen gibt, der nicht glaubt. "Entweder ich glaube an Gott oder ich glaube, dass es keinen Gott gibt", sagt er auch an diesem Dienstagabend in der Kathedrale. Es sei Aufgabe der Christen, das Evangelium zu den Menschen zu tragen, die bisher noch nichts von Gott gehört haben. Wenn die sich dann dagegen entscheiden, dann sei das so.

"Es darf aber nicht sein, dass Menschen nie von Christus erfahren haben", hat Koch auch an diesem letzten Abend in seiner Predigt in der Kathedrale wiederholt. "Sie können es ja doch noch mal probieren mit dem christlichen Glauben, solange sie noch hier auf Erden weilen", schickt er den Nichtchristen in den Bankreihen noch einmal hinterher.

Bernd Merbitz ist einer von denen, die sich als Erwachsene für den Glauben entschieden haben. Merbitz ist Landespolizeipräsident von Sachsen und an diesem Abend in Uniform zur Verabschiedung von Koch erschienen. "Ich habe mich beim Bischof bedankt. Er ist ein Mensch, wie ich selten einen kennengelernt habe: Freundlich aber durchaus bestimmt, dabei aber nicht bestimmend", sagt Merbitz und ist erstaunlich offen, als er von seinem ganz persönlichen Verhältnis zum Bischof berichtet: "Vor allem hat er in mir einiges bewegt. Er hat mir in Situationen zur Seite gestanden, als es Probleme in der Familie gab. Ich schätze in sehr", sagt Merbitz. Ja, er bedauere, dass Koch nach Berlin geht.

Die Hofkirche in Dresden.

Steht nach nur zwei Jahren erneut ohne eigenen Bischof da: Das Bistum Dresden-Meißen (im Bild: Dresden mit der katholischen Kathedrale Ss. Trinitatis).

Auch die Mitarbeiter im Bistum bedauern, dass Koch geht. "Er hat frischen Wind ins Bistum gebracht", sagt Peter-Paul Straube, der Direktor des Bildungshauses in Schmochtitz. "Er hat ein irres Tempo vorgelegt", sagt ein Ordinariatsmitarbeiter. Koch verlange viel von seinen Mitarbeitern, sei aber auch ein sehr aufmerksamer Chef. "Er lobt, er ruft dich zum Namenstag an, du bekommst eine Karte aus dem Urlaub von ihm", berichtet der Mitarbeiter. Das motiviere die Kolleginnen und Kollegen, die Stimmung im Ordinariat sei gut.

Abschied mit einem Augenzwinkern

Auch den Erkundungsprozess, die pastorale Neuordnung, hat Koch auf diese Weise angestoßen. Anders als in anderen Diözesen wird der Prozess im Bistum Dresden-Meißen nicht allerorten zuerst als drohender Verlust gesehen. Koch sieht die Umgestaltungen in den ostdeutschen Diözesen nicht nur als Aufgabe der einzelnen Diözesen. "Wir werden stärker zusammenarbeiten müssen", sagt er. Sowohl bei Ausbildung, Bildung, Finanzen und Seelsorgeprojekten müsse man in Zukunft sehen, was die Diözesen im Osten gemeinsam machen könnten.

In wenigen Tagen wird Koch als Erzbischof in Berlin eingeführt werden. Und mit einem Augenzwinkern nimmt er Abschied: "Berlin ist zwar Erzbistum, aber hier hatte ich das Erzgebirge", sagt Koch und weiß die Sachsen an seiner Seite.

Von Markus Kremser