Kinder gucken in der Weihnachtszeit traurig aus dem Fenster.
Katholisch.de gibt Tipps gegen den Weihnachtsstress

Es könnte so schön sein ...

An Weihnachten kommt es in vielen Familien zu Ärger und Stress. Der Psychologe und Lebensberater Werner Hübner gibt Tipps, wie man Probleme und Enttäuschungen vor und an den Feiertagen vermeiden kann.

Von Steffen Zimmermann |  Bonn - 06.01.2015

1. Ein perfektes Weihnachten gibt es nicht

Weihnachten ist nicht bis ins letzte Detail planbar. Auch wenn Sie sich vorher alles genau überlegt haben, kann es an den Festtagen zu ungewollten Überraschungen kommen. Nehmen Sie diese Dinge gelassen hin und lassen Sie sich die Stimmung dadurch nicht verderben. In der Rückschau sind es meist genau die Feste, an denen etwas Außergewöhnliches passiert ist, an die man sich am liebsten erinnert. Wichtig zudem: Überfrachten Sie Weihnachten nicht mit unerfüllbaren Erwartungen. Wer zu viel erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht.

2. Wiederholen Sie nicht das Weihnachten Ihrer Kindheit

Den Satz "Bei meinen Eltern haben wir das früher aber anders gemacht" will niemand hören - schon gar nicht der eigene Partner. Auch wenn Sie schöne Erinnerungen an die Weihnachtsfeste ihrer Kindheit haben, sollten Sie mit Ihrem Partner und ihren Kindern eigene Traditionen entwickeln.

3. Sprechen Sie Konfliktthemen bereits vor Weihnachten an

Weihnachten kann schrecklich sein - vor allem dann, wenn Familie und Verwandte bohrende Fragen stellen. Das immer noch nicht abgeschlossene Studium, die Trennung vom langjährigen Partner - all diese Themen können einen verheerenden Rechtfertigungsdruck auslösen und die festliche Stimmung zerstören. Räumen Sie strittige oder unangenehme Themen deshalb schon vor Weihnachten so weit wie möglich aus dem Weg. Legen Sie sich darüber hinaus Argumente zurecht, die Ihnen helfen, auf Konfliktthemen sachlich zu reagieren.

Werner Hübner ist Psychologe und Lebensberater aus Köln.
Bild: © privat

Werner Hübner ist Psychologe und Lebensberater aus Köln.

4. Verteilen Sie die Vorbereitungen auf mehrere Schultern

Kochen, backen, Baum schmücken, Tisch decken - an Weihnachten fällt im Haushalt eine Menge zusätzlicher Arbeit an. Umso wichtiger ist es, die Aufgaben gerecht zu verteilen, damit nicht alles an einer Person hängen bleibt. Positiver Nebeneffekt: Wenn alle etwas zu den Feierlichkeiten beitragen, stärkt das das Gemeinschaftserlebnis.

5. Binden Sie Ihre Kinder in die Vorbereitungen ein

Für Kinder ist Weihnachten das Größte. Damit bei den Kleinen keine Enttäuschungen entstehen, ist es wichtig, sie frühzeitig in die Vorbereitungen für das Fest einzubinden und sie nach ihren Wünschen zu fragen. Außerdem sollte bei einem Wunschzettel vielleicht nur ein Wunsch erfüllt werden - denn ein Wunschzettel ist kein Bestellformular.

6. Kümmern Sie sich rechtzeitig um Geschenke

Der Geschenkekauf ist traditionell ein besonders großer Stressfaktor. Dabei ist es ganz leicht, hier Probleme zu vermeiden. Fangen Sie nicht erst kurz vor Weihnachten mit Ihren Überlegungen an, sondern achten Sie bereits das ganze Jahr über auf Signale. Und wer es noch entspannter haben will, kann - aber nur unter den Erwachsenen und nach Absprache - ganz auf Geschenke verzichten.

7. Vermeiden Sie belehrende und allzu intime Geschenke

Ein Wörterbuch für den Neffen mit Rechtschreibschwäche? Besser nicht! Geschenke sollen Freude bereiten und nicht belehrend wirken. Genauso unpassend sind Geschenke, die zu stark in die Intimsphäre einer Person eindringen. Als Faustregel gilt: Je persönlicher ein Geschenk ist, desto besser sollte man den Beschenkten kennen.

Eine Mutter liest ihren Kindern vor dem Weihnachsbaum vor.

Beziehen Sie Ihre Kinder in die Vorbereitungen auf Weihnachten mit ein.

8. Gehen Sie entspannt mit Enttäuschungen um

Die Farbe des Pullovers, den Sie gerade ausgepackt haben, gefällt Ihnen nicht? Das Buch auf dem Gabentisch haben Sie bereits gelesen? Macht doch nichts! Nehmen sie "verunglückte" Geschenke mit Humor und zeigen Sie dem Schenkenden nicht ihre Enttäuschung.

9. Planen Sie genug Auszeiten ein

Die ungewohnte familiäre Enge an Weihnachten bietet immer wieder Anlass für Streit. Wenn Familie und Verwandte an den Feiertagen zusammenkommen, kann es bei strittigen Themen schnell mal krachen (siehe 3.). Hinzu kommt der Alkohol, der oft in großen Mengen fließt und die Zunge lockert. Umso wichtiger ist es, bewusste Auszeiten einzuplanen. Ausgedehnte Spaziergänge, bei denen sich die erhitzten Gemüter an der kalten Winterluft abkühlen können, wirken oft Wunder.

10. Beschenken Sie nicht nur andere, sondern auch sich selbst

Anderen eine Freude zu machen ist schön, allerdings sollte man auch die eigenen Bedürfnisse nicht aus dem Blick verlieren. Fragen sie sich deshalb immer wieder selbst, ob Sie und ihre Wünsche in den Planungen für Weihnachten ausreichend Berücksichtigung finden. Wenn nicht, sprechen Sie frühzeitig ihr Unbehagen an.

Von Steffen Zimmermann